Vom Schaf zur Jacke reloaded

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Angeregt von der Tour de Fleece 2013 habe ich mich an ein altes Großprojekt erinnert: „vom Schaf zur Jacke“. Einige Spinnfreundinnen und ich haben vor ziemlich genau drei Jahren eine Menge Rohwolle vom Berliner Tierpark bekommen.  Mein Plan war schon damals, diesen Haufen fettiges leicht muffelndes Schaf in eine Strickjacke zu verwandeln, in der ich jeden Arbeitsschritt (mit Ausnahme des Scherens) selbst gemacht hätte.

Mangels Zeit und Interesse blieb die Wolle jedoch vakuumverpackt im Regal liegen. Bis zum letzten Wochenende!

Aber amchen wir zunächst eine kleine Reise „through time and (web-)space“ und schauen uns den Artikel an, den ich damals in meinem allerallerersten Uraltblog gepostet hatte:

Vom Schaf zur Jacke

Hier startet mein neuestes Großprojekt! Vom Berliner Tierpark haben einige Spinnfreundinnen und ich mehrere Vliese direkt vom Schaf bekommen.
Neben Zackelschaf, Rouge de Roussillion und Waliser Schwarznasenschaf nenne ich jetzt auch ein gutes Kilo Gotlandwolle mein Eigen.
Eine wunderschöne Faser. die recht flauschige Unterwolle ist überwiegend weiß, hat aber ein paar schwarze Einsprengsel. Außerdem weisen die langen Locken ein weites Farbspektrum von weiß, grau, schwarz und etwas hellbraun auf. Zwar gibt es weichere Wolle, aber ich plane, eine Jacke daraus zu fabrizieren, dafür eignet sich dieses Gotlandschaf perfekt.

Aber dahin ist es noch ein langer Weg! Zunächst mal haben wir die Wolle vom Tierpark abgeholt und dann bei YaYa grob vorsortiert. soll heißen, alles was unrettbar verdreckt, verfilzt oder verkackt war flog in den Müll. Danach war nicht mal mehr die Hälfte der Wolle übrig!

Ein paar Tage später haben wir uns dann bei der Distelfliege
auf der Dachterrasse getroffen um die Wolle zu waschen. Ein ziemlicher Aufwand:

Zuerst wurden Stroh, Einstreu, verfilzte Klumpen und ähnliches aus der Wolle gepickt und die vorgeesäuberte Wolle in einem Korb gesammelt:

Wir hatten eine Gardine als Wäschenetz zerteilt, sehr dekorativ mit dem Blümchenmuster 😉

Danach kamen die vorgezupften Locken mit reichlich Kräutershampoo und lauwarmem Wasser in eine große Zink-Badewanne. Wir haben die meiste Wolle zweimal gewaschen und dann noch einmal klar nachgespült.

Dank der Gardine konnten wir die Wolle dann einfach rausheben…

und das dreckige Wasser ausschütten *bärks*

schließlich wurde die Wolle geschleudert (zunächst in der Salatschleuder, dann der größeren Effektivität wegen in der Waschmaschine)…

zu guter Letzt dann zum Trocknen ausgebreitet.

Leider haben wir nicht alles trocken bekommen, so dass ich meinem Gotlandschaf zu Hause noch ein Sonnenbad auf dem Balkon gegönnt habe. 😉

hier ist es noch nass, aberi ch finde, man kann die Farben schon sehr schön sehen!

Kardiert und angesonnen sieht das ganze jetzt so aus (ist hauptsächlich hellere Unterwolle)

Ich habe allerdings beim spinnen gemerkt, dass ich die Wolle nochmal werde waschen müssen. Sie ist doch noch sehr fettig. Aber ich bin mit dem Garn schon recht zufrieden, wird so leicht tweed-artig. Durch die schwarzen Stichelhaare wird es bestimmt etwas kratzig, aber die Jacke wird ja nicht auf der blanken Haut getragen.

Soviel zur Historie 😉 Nun also wird das Mega-Projekt wieder ausgegraben und  als Anlass dafür kommt mir die Tour de Fleece gerade recht.
Die Wolle hat den Dornröschenschlaf im Vakuumbeutel gut überstanden, ist aber tatsächlich noch ziemlich fettig und außerdem noch mit einer Menge VM („vegetable matter“, ein hübscheres Wort für „Gras, Einsteu und anderer Dreck“) durchsetzt. recht verfilzt sind die Locken außerdem, kardieren kann man die so nicht.
Folgende Arbeitsschritte stehen also noch an:
  • Krempeln: die verklumpten Locken auseinanderzupfen und „auffluffen“. Dabei fällt einiges an Dreck raus und die Wolle wird lockerer und damit kardierbar
  • Waschen mit mildem Shampoo und warmem Wasser. Portionsweise um die Panscherei in Grenzen zu halten
  • Trocknen ebenfalls portionsweise auf einem Handtuch auf dem Wäscheständer
  • Karideren dazu werde ich mir eine Kardiermaschine ausleihen. Mit Handkarden bekommt man da hauptsächlich ne Sehnenscheidenentzündung und erst in zweiter Linie schöne Wolle. Beim Kardieren will ich das Gotlandschaf außerdem mit Walisischer Schwarznase (ebenfalls vom Tierpark) mischen. Erstens ist die Schwarznase weicher und zweitens wird das Gotland nicht für eine ganze Jacke reichen
  • Spinnen habe überlegt ob Rad oder Spindel und mich für Rad entschieden. Da es hier um Masse geht darf meine Jenny mal zeigen, wieviel Arbeitstier in so einem Louet S10 steckt 😉

Stay tuned, aktuelle Veränderungen werden hier in Wort und Bild verkündet werden!

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  1. Pingback: Tour de Fleece 2013 | die Handmaid

  2. Ich habe ja aus gekauften gotland locken mein boneyard shawl kardiert, gesponnen und gestrickt und ich mag die faser sehr. aber sag… willst du das wirklich mit schwarznasen mischen? distel sagte die faser wäre nur für drahtseile, matten o.ä. geeignet.

    • Wat? Das hier in meiner Tüte, auf der „Walisische Schwarznase“ steht, ist sehr weich! (gewaschen und unkardiert)…Sollte ich da Schwarznase mit Schwarzkopf verwechselt haben? Ich kenne mich da nicht so aus, ist Schwarzkopf-Wolle weicher? Dann könnte es nämlich sein, dass ich das durch’n Tüdel gebracht hab.

  3. Pingback: Podcast Episode 8 | die Handmaid

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