Eine Entschuldigung tut not.

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Niemandem fällt es leicht, zuzugeben, dass er/sie sich nicht korrekt verhalten hat. Mir auch nicht. Aber manchmal ist es nötig.

Vor einiger Zeit hatte ich auf meinem Blog (damals noch der alte, bei twoday) dazu aufgerufen, Gestricktes für die Berliner Kältehilfe zu spenden. Unter allen Einsendungen sollte ein Gewinn verlost werden.
Ich bekam daraufhin von Strickspleen (damals noch „LaSciarpa“) ein riesiges Paket mit selbst gestrickten Socken, Tüchern und Schals und freute mich wie ein Schneekönig.* In einem Blogpost erklärte ich sie zur Gewinnerin und versprach, die Spende so bald wie möglich an ihren Bestimmungsort zu bringen und der Leserin ihren Gewinn zuzuschicken.
Beides ist dann nicht passiert.
Ich kann keine befriedigende Erklärung dafür angeben, warum das nicht geschehen ist, außer meiner eigenen Nachlässigkeit. Wichtig ist mir aber, darauf hinzuweisen, dass ich die Sachen weder für mich selbst behalten noch irgendwelchen Schindluder damit getrieben habe. Sie kamen in einem Karton auf den Schrank und blieben dort liegen.

Was ist also passiert?

Nachdem ich die Spende bekommen hatte und absehbar war, dass keine weiteren Einsendungen kommen würden, kontaktierte ich die Berliner Kältehilfe und bekam die Auskunft, dass im Moment die Lager voll seien und ich mich bitte einige Monate später noch einmal melden möge. Das habe ich schlicht und einfach vergessen. Ich weiß, das ist kein guter Grund und keine zufriedenstellende Erklärung, aber es ist genau das, was passiert ist. Zuerst habe ich es vergessen, es dann immer weiter aufgeschoben und irgendwann war es mir so unangenehm, dass ich immer noch nichts unternommen hatte, dass ich es schon fast bewusst verdrängt habe. Das ist in keiner Weise logisch und es war auch nicht richtig, mich so zu verhalten, aber es ist die Wahrheit.
Das gleiche gilt übrigens auch für den Gewinn: ich wollte den Gewinn erst verschicken, wenn die Spende abgeliefert ist und dann einen schönen runden Blogpost daraus machen. Schließlich würde sich die Gewinnerin ja sonst auch fragen, was denn nun mit den Sachen passiert sei, so meine Gedanken. Also wurde auch das säuberlich irgendwo im Hinterkopf vergraben.

Bis ich eine Nachricht von eben jener Leserin bekam, die mich -verständlicherweise verärgert und verunsichert- aber doch sehr sachlich und freundlich fragte, was denn damals aus der Aktion geworden sei, und warum man nie weider etwas davon gehört oder gelesen habe.
Das schien genau der A**tritt gewesen zu sein, den ich gebraucht hatte.

Der neueste Stand:

Ich bin gestern Vormittag zur Kleiderkammer der Berliner Stadtmission gefahren und habe die gespendeten Sachen dort abgeliefert. Man hat sich sehr darüber gefreut und mir erlaubt, ein Bild von dem riesigen Karton zu machen, nachdem er abgegeben war. Ich will damit keine Beweisführung darüber antreten, dass die Sachen tatsächlich abgegeben wurden (das wäre wohl auch kaum wirklich möglich) sondern hoffe, dass mir trotz dieser blöden Geschichte noch genug Vertrauen geschenkt wird, dass man mir glaubt. Vielleicht erkennt Strickspleen ihren Karton ja wieder 😉

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zu guter Letzt

Es ist mir schwer gefallen, diesen Artikel zu schreiben, aber ich bin froh, die Geschichte damit hoffentlich noch zu einem einigermaßen guten Ende gebracht zu haben. Es ist mir nach wie vor sehr unangenehm, dass mir so viel Vertrauen entgegengebracht wurde, dass ich dann enttäuscht habe. Ich möchte mich dafür in aller Form entschuldigen. Ich habe daraus gelernt, dass meine leidige Eigenschaft, wie ein Strohfeuer für Dinge zu entflammen und dann mich dann schwer damit zu tun, sie zu einem vernünftigen Ende zu bringen insbesondere dann schädlich ist, wenn andere Menschen involviert sind. Dahinter steckt keine böse Absicht, nur eine (vielleicht genauso schlimme) Unzuverlässigkeit. Ich hoffe, dass alle, die ich damit verärgert oder deren Vertrauen ich nicht gewürdigt habe mir verzeihen und schließe mit sehr zerknirschten aber herzlichen Grüßen

eure Handmaid

*außer meiner Mutter hat sich niemand weiteres an der Aktion beteiligt. Mein Blog war damals aber auch noch sehr klein und nicht sehr bekannt.

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  1. Das ist aber wirklich mutig von dir 🙂
    Toll das du so ehrlich einen Fehler zugeben kannst, und ich denke das ist menschlich und kann wirklich jedem passieren. 😉

    Liebe Grüße

  2. „Sorry seems to be the hardest word“ stimmt immer noch und ist heute vielleicht aktueller denn je. Immer wieder erlebe ich, dass Leute ihr Fehler nicht zugeben können, sich ständig herausreden oder aber ihr „Tschuldigung“ nur noch eine Floskel ist. Mit der Bitte um Entschuldigung macht man sich nunmal auch angreifbar. Um so mehr freue ich mich über deinen Mut und deine Aufrichtigkeit. Und wenn dir dabei noch was über dich selbst klargeworden ist, hat das ganze doch sogar noch eine positive Seite. Viele Grüße.

  3. eine schöne Geste von Dir. Ich bin mir sicher, das anzusprechen hat Dir gut getan, es wurde Dir wohler und es fühlt sich besser an.

    Ich finde es schön, wenn jemand die Grösse hat sich zu entschuldigen und so etwas wieder gut zu machen. Denn auch lange Zeit später, kann man so einem Ereignis (oder in diesem Fall Nicht-Ereignis) den bitteren Nachgeschmack nehmen.

  4. Liebe Katharina,
    mich freut es sehr zu hören, dass der Karton (ja, erkenne ich wieder) nun wohlbehalten angekommen ist und damit seinen Zweck erfüllt hat. Aus meiner Sicht ist dein Verhalten zutiefst menschlich, und dieses öffentlichen outings hätte es wg. mir nicht bedurft, aber es ist auch schön zu sehen, dass eine unklare Sache nun ihr gutes Ende gefunden hat, und Du siehst auch, niemand reißt Dir den Kopf ab;-)
    Tatsächlich hab ich in Zusammenhang mit übers Internet iniziierten Spendenaktionen sehr schlechte Erfahrungen gemacht, es ist unglaublich, wie viele Menschen keine Skrupel haben sich an Spenden für die Ärmsten unserer Armen zu bereichern .. natürlich bin ich seitdem viel skeptischer geworden und scheue mich auch nicht, Angaben im Internet per Anruf oder Vor-Ort-Besichtigung zu überprüfen!
    Einfach hinschicken würde ich nie mehr.
    Um so schöner, dass Du mir mit Deiner Ehrlichkeit ein Stück Vertrauen in die virtuellen Kontakte zurückgeben konntest!!!
    Hoffentlich schneiden sich an deinem Verhalten einige Leute mal eine Scheibe ab,
    LG,
    Elke

  5. Ich finde es verständlich, dass wenn die Organisation, die beglückt werden wollte, das einige Monate aufschiebt, und man viel um die Ohren hat, dass es einfach auch mal untergeht.

  6. Liebe Handmaid,

    alle Menschen machen mal Fehler.
    Wichtig ist, wie wir dann damit umgehen.
    Du hast Dich aufrichtig und ehrlich in aller Form entschuldigt und auch den Schaden behoben.
    Ich wünschte, das würden mehr Leute so machen, wenn sie etwas versiebt haben.

    Heutzutage wird man ja eher beschimpft, wenn man andere höflich auf ihre Fehler aufmerksam macht, selbst wenn man der Geschädigte ist. Verdrehte Welt.

    Wie schön, dass es doch noch Menschen wie Dich gibt, die zeigen, dass man sich keinen Zacken aus der Krone bricht, wenn man einen Fehler zugibt, ihn wieder gut macht und um Entschuldigung bittet.

    Ganz liebe Grüße,
    Henriette

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