Dachbodenfund: 4 Kilo Flachs!

Standard

Als der alte Bauernhof meiner Schwiegergroßeltern aufgelöst wurde, fand ich in einer Truhe auf dem Dachboden eine realtiv große Menge von etwas, was ich im dämmrigen Dachbodenlicht für Flachs oder Werg hielt.

Ich konnte es in dem Moment nicht ans buchstäbliche Tageslicht zerren, bat aber meine Schwiegermutter, die Faser, was immer es auch genau sei, beim späteren Ausräumen für mich aufzubewahren, falls nicht gerade Motten oder Mäuse ein neues Zuhause darin gefunden hätten.
Erstaunlicherweise ist das Zeug weder schimmelig noch von irgendwelchem Getier angefressen oder verschmutzt. Es ist staubig und voller kratziger Pflanzenteilchen, aber eigentlich in sehr gutem Zustand, wenn man bedenkt, dass es schätzungsweise schon seit knapp 100 Jahren auf diesem Dachboden liegen könnte.

Zuerst war ich mir nicht ganz sicher, ob es sich tatsächlich um Flachs handelt oder vielleicht um Werg oder Hanf und habe deshalb in verschiedenen Foren um Hilfe bei der Bestimmung gebeten.
Nachdem die erste Ferndiagnose eher Richtung Hanf ging, wurde mir aber eine Geruchsprobe angeraten: Sollte die feuchte Faser intensiv nach Pferdeschweiß oder verbranntem Holz riechen, so handle es sich wahrscheinlich um Hanf. Andernfalls um Flachs.

Nachdem ich die fragliche Faser gestern Abend langwierig gewogen, langgezogen, untersucht und im trockenen und nassen Zustand berochen habe (*haptschi*) kam der Mann an meiner Seite dann auf die naheliegende Idee:

„Frag doch mal Oma, ob die noch weiß, was das sein kann!“

Hätte man drauf kommen können.
Oma ist sich sicher, dass es Flachs ist. Aus der Familie des dazugehörigen Opas. Da dessen Mutter schon kein Leinen mehr gesponnen hat, muss es also mindestens von deren Mutter sein und damit locker über 100 Jahre alt.
Omas Diagnose deckt sich zumindest mit der Geruchsprobe: trocken riecht es nach Dachboden und hundert Jahre altem Staub :D
Nass riecht es gar nicht, bzw etwa nach nassem hundertjährigem Staub. Aber keinesfalls so intensiv, wie mir der Geruch von Hanffasern beschrieben wurde.

Aber ganz interessant war es doch. Ich habe zum ersten Mal die ganze Menge aus der Tüte gehoben, um mal zu wiegen, wieviel ich da eigentlich habe und habe folgendes herausgefunden:

– es sind über 4 Kilo 8|

20140514_220101

– Die Faser liegt jeweils in Bündeln zu ca 230-300g. Das waren vielleicht mal Zöpfe o.ä., die über die Genrationen etwas ihre Form verloren haben, aber es ist noch erkenntlich, wo sie zusammengedreht worden sind.20140514_214857
20140514_21580420140514_215658

– der Dreck, der sich darin noch findet sind wohl zum Teil Spelzen vom Flachs und zu einem guten Teil ganz profaner Dachbodendreck bzw der Bodensatz der Truhe.  Neben kleinen Putzbröckchen, Staub und Sand habe ich auch kleinste Papierfetzen gefunden. Liegt wohl wirklich schon ne Weile da 😉
20140514_215003 20140514_220237
– die Farben und Haptik der einzelnen Stränge unterscheidet sich teilweise. Hier mal links ein hellerer und weicherer Strang, daneben ein gelblicherer, der sich auch gröber anfasst.
20140514_215139

Jetzt stellt sich nur noch die Frage, was ich damit anstelle. Einen Teil werde ich meiner Mama spenden und als Wocken für das alte Spinnrad ihrer Großmutter wickeln, das -zur Deko- bei ihr steht.
Den Rest würde ich natürlich sehr gerne verspinnen und dann weiter verarbeiten, aber dafür ist die Faser im Moment wirklich noch zu dreckig.
Ich setze darauf, dass sich das gibt, wenn ich sie zu einem Rocken/Wocken binde. Dabei muss ich die Stränge ja eh auflösen und hoffe mal, dass dabei möglichst viel Gebrösel raus fällt.

Da ich noch nie Flachs verarbeitet habe, wird es wohl noch ein bisschen dauern, bis ich mit traue, diese -ideell- wertvollen Fasern zu verspinnen. So lange lese ich mich erst mal ein in die Kunst des Wocken-Wickelns.
(Eine Anleitung habe ich hier von John Seymoure. Hat jemand noch nen anderen Tip?)

Advertisements

Eine Antwort »

  1. Boah! Das ist ja wirklich schön. Und auf dem Foto links neben dem mit dem Buchschnipsel erinnert es mich sehr an meine Haare (also ohne die Krümel, ist klar). Bei vier Kilo kannst du dir aber bestimmt 100 Gramm zum Üben gestatten, oder? Trau dich – nicht, dass es sonst nochmal hundert Jahre liegt 😉 (ich hab sowas noch nie verarbeitet und weiß nicht, wie es sich verhält, insofern hab ich leicht reden)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s