Archiv für den Monat November 2014

Haarwachstum November 2014

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Jaaha, ich weiß: der Monatsanfang ist schon ein bisschen her. aber ich hab es noch vor der Mitte des November geschafft, ein aktuelles Längenbild zu schießen! Das gilt noch als „Anfang!, oder? 😉

Diese Mal ist es auch ein ganz besonderes Längenbild! Ich habe nämlich Taillenlänge erreicht!!!


Längenbild November 2014, Länge: Taille!

Vergleich gefällig? Hier ist der Stand von vor einem Jahr:

 

1311 Haarwachstum
Längenbild November 2013. Länge damals: Gut BSL

(Die rötliche Farbe kommt vom Licht. Aber man kann im Vergleich sehr schön sehen, wie weit meine Naturhaarfarbe mittlerweile rausgewachsen ist!)

Eine komplette Dokumentation meines Haarwachstums seit Mai 2012 findet ihr hier.

Gewandungs-Fotoshooting im Märkischen Museum

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Hier kommt er nun endlich! Der ultimative „Meine-Gewandung-ist-fertig-und-ich-hab-tolle-Fotos-davon“-Blogeintrag!

Auf ihrem FoodBlog, dem „Magischen Kessel“ habe ich schon immer die wirklich guten Fotos bewundert und darum meine Spinn-, Futter- und Mittelalter-Freundin Shermin dazu verdonnert, mich in mittelalterlicher Kulisse zu fotografieren.
Obwohl sie sich nicht wirklich als Portrait-Fotografin sieht (Zitat: „Ob das was wird? Du bist zwar lecker, aber eben kein Teller mit Essen…“) sind einige ganz wunderschöne Bilder von Handmaid, Gewand und Kulisse entstanden!

Noch mal kurz zum Nachlesen für alle, die zum ersten Mal hier sind:

Zu sehen ist das Alltagskleid einer Handwerkerin um 1300 in Berlin.
Fast alle Teile sind hier bereits separat verbloggt, so
Die Cotta
Das Untergewand
Die Strümpfe
Die Schuhe
Die Kopfbedeckungen
Die Spindel

Der Gürtel ist handgemacht von Niklas Girdler, der in der „Wienischen Hantwërcliute 1350“ aktiv ist und mir dieses wirklich schöne Stück vertauscht hat.
Der Gürtelbeutel ist aus ungebleichtem Leinen genäht und hat eine handgesponnene Wollschnur zum Zuziehen. Allerdings ist das ein Prototyp, der noch einige Verbesserungen durchmachen wird. Der Tunnelzug wird gegen Nestellöcher ersetzt werden, und es wird eine irgendwie geartete Befestigung geben. Das nur der Vollständigkeit halber.

Nun aber zu den Fotos!

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Hier kann man sehen, das ich die Schlupfärmel hinten in den Gürtel gesteckt habe. Das Kopftuch ist etwas anders gebunden als sonst: ich habe es mit der geraden Seite aud die Stirn gelegt, die langen Zipfel im Nacken gekreuzt, um den Dutt gewickelt und dann alle drei Zipfel unter dem Dutt festgestopft. Die Frisur darunter war (beim gesamten Shooting) ein tiefer Wickeldutt, den ich mit einem schlichten Holzstab gehalten habe.

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Umbau auf offener Bühne: vom Kopftuch jetzt zum Wimpel:

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Einmal mit Ärmel aus, einmal angezogen. Auf dem zweiten Bild sieht man sehr schön, wie dasa Kleid fällt, finde ich.

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Ganzkörperaufnahme mit Handspindel. Man erkennt sehr schön die weißen schmalen Ovale, wo das Unterkleid durch die Ärmellöcher durchscheint. Diesen Effekt sieht man sehr oft auf zeitgenössischen Abbildungen. Zum Beispiel hier in der Kreuzfahrerbibel (die Dame in blau ganz links)
schlupfaermeloben von karin weisspfennig de
(Quelle: Maciejowski-Bibel, Fol. 4r)

 

Noch mal Kostümwechsel: Ich hatte keine Gebendenadeln dabei, daher mit nur aufgelegtem Schleier. Hat aber- da ich ja nur dekorativ in der Gegend rumstehen musste- auch funktioniert.

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Und Spinnen lässt sich’s so auch! 🙂

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Und noch zwei Nahaufnahmen vom Gürtel, bevor es…

 

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…unter die Gürtellinie geht!

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Ja, wir hatten großen Spaß an dem Shooting, warum? 😀

 

Jetzt aber noch schnell ein paar sittsame Bilder der nähenden Holden, bevor ihr noch denkt, eure Handmaid sei ein ganz und gar loses Weib!

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Noch mal ganz herzlichen Dank an Shermin für die tapfere Fotografiererei unter erschwerten Bedingungen!
Es hat riesigen Spaß gemacht und ich liebe die Ergebnisse! (Dir ist klar, dass wir das noch mal machen müssen, sobald Mantel und/oder Sonntagsstaat fertig sind? 😉 )

Und sie dreht sich doch: mittelalterliche Tiefwirtelspindel

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Ein unverzichtbares Utensil für das weibliche Wesen zwischen neun und neunzig war während des gesamten Mittelalters die Spindel. Wolle oder Flachs zu verspinnen war eine Sisyphosarbeit, die nie beendet war und die surrende Spindel der Inbegriff des fleißigen arbeitsamen Frauenzimmers. Wir alle erinnern uns an Märchen wie Frau Holle, Rumpelstilzchen, Dornröschen, in denen die Spindel eine zentrale Rolle spielt und oft auch als Symbol für Sittsamkeit und Fleiß steht.
„Als Adam grub und Eva spann, wo war da der Edelmann“ fragte John Ball um die Standesgrenzen zu hinterfragen.
Tatsächlich findet man auf vielen Abbildungen die spinnende Eva.

Miniatur aus der Maciejowski-Bibel, Fol. 2r, gefunden bei http://www.diu-minnezit.de

Abbildungen von Handspindeln aus dem Mittelalter zeigen ausschließlich Fuß-/ oder Tiefwirtel-Spindeln. Das heißt, der Wirtel, also das Spinngewicht sitzt am unteren Ende des Schafts.

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Autsch. Da hat wohl jemand den Wocken über den Schädel gekriegt 😉 Oben am Wocken hängt die Tiefwirtelspindel!
(Quelle: Lutrell Psalter, gefunden bei http://www.danceswithwool.wordpress.com)

Auf diesem Bild einer spinnenden Eva ist kein Wirtel zu erkennen. Entweder hat die Spindel keinen, oder er wurde nicht im Bild erfasst.

spinnende Eva biblia porta 4r

(Quelle: Biblia Porta,Fol. 4r)

Was man ja nie vergessen darf ist: Buchmalereien und andere Bildbelege wurden von Männern gemalt. Die waren vielleicht gute Beobachter, aber haben trotzdem wahrscheinlich nie eine Spindel in der Hand gehalten. Mit der Interpretation von Bildquellen muss man also -wie immer- etwas vorsichtig sein.

So oder so: Wirtel an den Spindeln sind belegt, die kann man an allen Ecken und Enden ausbuddeln. Der Lieblingsmann hat seinen Zivildienst damals beim Denkmalschutz gemacht und hat in der Zeit haufenweise tönerne Spinnwirtel aus dem märkischen Sand geholt.
An diesen Funden hat sich die wunderbare Shermin vom Fiberspace orientiert und mir zu meinem letzten Geburtstag einen ganzen Satz handgetöpferter Spinnwirtel geschenkt!

Zur Entstehung hat sie selbst einen Artikel verfasst, den man hier nachlesen kann.
Ich habe für einen ersten Versuch einen der Wirtel auf einen Rundstab aus Buchenholz (6mm Durchmesser, für kanpp 1€ aus dem Baumarkt) gesteckt. Die Enden habe ich mit einem scharfen Messer etwas angespitzt.

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Für einen ersten Versuch habe ich eine Handvoll ungefärbtes Jakobschaf angesponnen.

Ich bin noch nicht so richtig glücklich damit. Es mag daran liegen, dass ich bisher nur Kopfspindeln gewohnt war, aber ich finde es schwierig, diese Spindel zu zentrieren. Sie eiert leicht und dreht sich vor allem sofort in die Gegenrichtung, sobals der Drall aufhört. Das ist ziemlich ärgerlich. Aber sie funktioniert, ich kann damit spinnen und mit etwas Übung vielleicht sogar richtig gut 😉

Von dem Buchenhozstab habe ich noch nen knappen Meter hier. ich werde also auch noch mit verschiedenen Wirteln und Schaftlängen herumexperimentieren. Vielleicht bringt das ja den Durchbruch!

Das Herzstück der Gewandung: die Cotte

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Wer in letzter Zeit meine Blogartikel verfolgt hat, an dem wird nicht vorbei gegangen sein, dass ich zur Zeit an einer mittelalterlichen Gewandung bastele, die in möglichst großen Teilen selbstgemacht sein soll.

Für eine ernsthafte Mittelalterdarstellung sind immer drei Eckpfeiler ausschlaggebend: das WANN? das WO? und das WER?
Wobei das „Wer“ hier keine komplette erdachte Vita einer fiktiven Figur meint, sondern hauptsächlich einen Stand und vielleicht noch einen Beruf o.ä. festlegen soll.

In meinem Fall heißt das:

WANN? Um das Jahr 1300
WO? In Berlin-Cölln
WER? Die Gattin eines einigermaßen wohlhabenden Handwerkers

Über mein Untergewand , die Strümpfe und Schuhe so wie über diverse Kopfbedeckungen habe ich hier schon berichtet.
Nun kommen wir zum Herzstück: dem Obergewand, auch Cotte oder Cotta genannt.

Meine Cotte ist ein einfaches Alltagskleid, das sehr schlicht geschnitten und vor allem praktisch ist. Hintergrundüberlegungen dazu waren die folgenden:

Material: Wer nicht gerade so wohlhabend war, dass er sich ein seidenes Gewand leisten konnte, dessen Oberkleidung war aus mehr oder weniger feinem Wollstoff. Während man in Funden des Frühmittelalters noch öfter kompliziertere Webarten wie Fischgrat- oder Diamantköper findet, zeigen spätere Funde eher schlichte Gleichgratköper. Eine Vermutung dazu ist, dass die Weiterentwicklung der Webstühle ein höheres Tempo beim Weben der Stoffe erlaubte, was aber zu Lasten der komplizierteren Bindungen ging. Meine Alltagscotte ist aus „feiner birkendunkelgrüner Wolle“ von www.naturtuche.de und ich habe hier schon etwas über dieses Tuch geschrieben.
Nähfaden warren aus Reststücken gezogene Kettfäden.

Schnitt: Im ausgehenden Hoch- und beginnenden Spätmittelalter waren die Kleider noch recht locker geschnitten. Zwar kommen langsam auch Cotten auf, die am Oberkörper und den Ärmeln enger geschnitten und zum Teil auch geknöpft sind, aber für ein Arbeitskleid habe ich mich für den typischen Hochmittelalterschnitt entschieden: gerade Bahnen vorne und hinten, seitliche Gehren jeweils in Bahnbreite. Das ganze durch einen Gürtel gerafft.
schlupfaermel2 von karin weisspfennig de

Auf dem Bild sieht man sehr gut die locker geschnittenen Cotten der arbeitenden Frauen, die mit einem Gürtel gerafft wurden. (Quelle: Maciejowski-Bibel, Fol. 18r)

Die Halsausschnitte sind auf den zeitgenössischen Abbildungen sehr halsnah. Um trotzdem bequem rein und raus zu kommen, habe ich einen Schlüssellochausschnitt eingearbeitet. Also einen kleinen Schlitz, der mit einem Fürspan verschlossen wird.
Hier sieht man einen solchen Ausschnitt.

(Quelle: Maciejowski-Bibel, Fol. 19r)

Rocklänge: Die Frau eines Handwerkers hat im Haus und in der Werkstatt eine Menge Arbeit, die auch anstrengend staubig und schmutzig ist. Das Kleid für den Allteag ist daher eher nicht überbodenlang, sondern hat eine Länge mit der sie auf ebenem Boden noch gehen kann, ohne den Rock anheben zu müssen, wenn sie beispielsweise die Hände voll hat. Auf dem Bild weiter oben kann man sehen, dass die Kleider der Frauen etwas über den Gürtel gerafft sind und so nur etwa bis zum Knöchel reichen. Die Dame rechts im Bild trägr ein deutlich längeres Gewand, das eventuell auch ein Surcot (Also ein Überkleid über der eigentlichen Cotte) sein könnte. Meine Cotte reicht mir aufrecht stehend und ohne über den Gürtel geschoppt zu sein nicht ganz bis auf den Boden.

Schlupfärmel: Die Ärmel dürfen bei der Arbeit nicht im Wege sein. Ich habe mich für so genannte Schlupfärmel entschieden. Die Ärmel werden in das Kleid eingesetzt, aber nur etwa von der obersten Stelle der Schulter und hinten bis unter die Achsel angenäht. Dadurch kann man aus den Ärmeln schlüpfen und sie entweder hinter dem Rücken verknoten oder in den Gürtel stecken. Das hat zwei große Vorteile: Wenn es sehr warm ist, kann frau sich so Kühlung verschaffen und die Kleiderärmel sind aus dem Weg, wenn man nasse oder schmutzige Arbeiten zu verrichten hat. Das Leinene Untergewand lässt sich viel leichter reinigen und trocknen auch schneller als der Wollstoff der Cotte.
Auf dem Bilde unten sieht man einmal eine Cotte mit angezogenen Schlupfärmeln. Unter dem vorderen Arm kann man das weiße Unterkleid durch den Ärmelschlitz durchscheinen sehen
schlupfaermeloben von karin weisspfennig de
(Quelle: Maciejowski-Bibel Fol. 4r)

Die Wöchnerin und die Magd/Hebamme auf dem linken Bild tragen beide Kleider mit Schlupfärmeln, die sie ausgezogen und nach hinten gelegt haben. Auf dem rechten Bild sind die Ärmel auf dem Rücken verknotet.
schlupfaermel_06 von tempora nostra  schlupfaermel_07 von tempera nostra
(Quelle: Maciejowski-Bibel, Fol. 19v und 41v)
Die gesamte Cotte habe ich mit der Hand genäht. Alle Nähte sind im Vorstich genäht, dann die Nahtzugaben zu beiden Seiten doppelt umgeschlagen und mit dem Überwendlingstich versäubert.

Der Schnitt ist, wie oben beschrieben, sehr simpel: Vorder- und Rückenteil sind jeweils eine rechteckige Bahn. Als Maß galt hier: Breite so, dass es über die Brust passt, Länge von der Oberseite der Schulter bis reichlich zum Boden (Um noch einen „Puffer“ zum Abrunden zu haben.)

Die Gehren sind aus zwei Teilen zusammengesetzt und jeweils so breit wie eine Bahn. Sie werden direkt unter der Achsel eingesetzt.


Einzelteile mit Heftfaden grob zusammengenäht.

Hier eine Nahaufnahme vom Schlüssellochausschnitt einmal ohne, einmal mit Fürspan zum Verschließen.

Die Ärmel sind oben weit genug, dass ich noch aus ihnen herausschlüpfen kann, wenn sie am Kleid befestigt sind (das musste ich ein paar mal ausprobieren.) und werden dann nach vorne enger
Ärmel vor dem Einsetzen. mit weißem Heftfaden habe ich die Form mehrmals nachgebessert.

die Säume am Hals, an den Ärmeln und am Saum sind schmal doppelt gelegt und mit feineren Überwendlingstichen genäht.


Naht versäubert mit Überwendlingstich

 

Das sieht ja schon mal ganz gut aus…

Dan noch ein paar Stunden nähen…und nähen…und noch mehr nähen…
(Ehrlich: dieses Kleid war verhext! Jedes mal, wenn ich jubeln wollte „Letzte Naht!“ tauchte irgendwo ein noch nicht versäuberter Meter auf!)
Aber irgendwann (genauer gesagt: nach 54 Stunden und 16 Minuten – ich habe es gestoppt!) war es dann vollbracht!

Und hier die fertige Cotte inklusive Gürtel, Kopfputz und allem drum und dran! 🙂