Archiv für den Monat Mai 2015

Mein erstes Lager! Die Handmaid beim Heerbann 2015

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Bisher war meine ganze Mittelalter-Bastelei ja nur für mich. Ich wollte mich ausprobieren, hatte Spaß an der Recherche und am Nähen und der Weg war das Ziel.

Doch nun bekam ich die Gelegenheit, meine Gewandung und Ausrüstung in der Praxis auszuprobieren.
Im brandenburgischen Schenkendorf findet schon seit einigen Jahren der Heerbann statt.
Ursprünglich als Trainingswochenende für Kampf darstellende Mittelaltergruppen konzipiert, entwickelte sich der Heerbann über die Jahre zu einem beliebten Großereignis.
Zwar stehen Training und Kampf immer noch im Vordergrund aber parallel dazu gibt es in jeder Gruppe auch Mitglieder, die ein gänzlich friedliches Lagerleben leben. 🙂

Ich hatte das große Glück, Siegfried und die wundervollen Leute von den Brandenburgundern kennenzulernen. Siegfried bot mir sofort an, mit seiner Gruppe zu lagern und deren nagelneues Gästezelt auszuprobieren!

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und packte Ende April meine -noch übersichtliche- Mittelalterausrüstung zusammen.

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Das Packen gab mir eine perfekte Möglichkeit, mal einen Überblick über meine Austattung zu geben:

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– die Tiefwirtelspindel mit dem Tonwirtel, dazu etwas Jakobschaf
– aus Wollstoff genähte Strümpfe
Kopfbedeckungen: Kopftuch, Wimpel und Schleier
– zwei Löffel, die mein Papa mir eigens für’s Mittelalterhobby geschnitzt hat!
– etwas handgesponnene Wolle und zwei Naalbinding-Nadeln aus Knochen
– meine Schuhe von Reenactors

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Unterkleid
– Gürtelbeutel aus Leinen
– großer Fürspan. War ein Geschenk, bisher habe ich noch keine Verwendung dafür
– mein Gürtel von Niklas Girdler
– meine neuen Gebendenadeln (Messing) von Vehi Mercatus
– einfache Schürze aus ungebleichtem Leinen
– hölzerne Haarstäbe und ein paar einfache Lederbänder
Cotte aus grünem Wollstoff mit kleinem Fürspan
– Pilgertasche aus hell krapproter Wolle, gefüttert mit weißem Leinen

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– Cappa aus brauner dicker Wolle und feinerem hell krapprotem Tuch
– an einer Ecke zu sehen: ein Weidenkorb, ganz profan von NanuNana 😉

Neu erworben wurde eine selbstaufblasbare Isomatte, denn immerhin hatte ich vor, 3 Nächte quasi auf der Erde zu schlafen!

Nachdem wir am Mittwoch erstaunliche Mengen Zelte, Kisten, Stangen, Schilde, Geschirr, Strohsäcke und mit Sicherheit auch das ein oder andere Bernsteinzimmer in Anhänger und Bus geladen hatten, ging es am Donnerstag los nach Schenkendorf bei Königs Wusterhausen.

Soooo viel Gepäck war das doch gar nicht! ^^
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Mein Zelt steht schon mal! 🙂 Premiere: wie gesagt, es ist nagelneu!
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Auch von innen sehr gemütlich oder?
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An dem Schlaflager muss ich noch feilen. Im April ist es nachts doch noch empfindlich kalt. Ein authentisches Schlaflager ist im Moment einfach noch nicht drin, daher habe ich mir mit modernen Mitteln ein Bettchen gebaut.Die Ursprüngliche „Schichtung“ war:
– LKW-Plane gegen die Feuchtigkeit
– selbstaufblasbare Isomatte
– Mumienschlafsack
– Sofadecke oben auf den Schlafsack
Das hat sich nicht bewährt. In dem engen Schlafsack kann man sich kaum bewegen oder drehen und am Morgen nach der ersten Nacht war ich steif wie ein Brett. >.<
Siegfried war so lieb, mir mit Equipment aus seiner eigenen Bettstatt auszuhelfen. Jetzt lag ich auf:
– LKW-Plane
– Isomatte
– ein Schaffell
– eine dünne Bettdecke
– dick angezogene Handmaid ^^
– Schlafsack mit offenem Reißverschluss, mehr als Decke
– Sofadecke
Das war vieeel besser!

Morgens war das dann der Blick, wenn ich die Augen aufschlug:
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Der etwas andere Bettvorleger 😉

Aber erst mal umziehen:
Vom 21. Jahrhundert…
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…ins 14.!
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Dann Kaffee kochen!
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Und zu Tisch!
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Da gibt es dann wildes Schwein vom Spieß mit Bohnenmus und Kräuterbutterbrot!
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Da kam dann auch Papas Löffel zu seinen Ehren 🙂
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Abgewaschen wird dann am Fass!
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Meine neuen Gebendenadeln konnte ich auch ausprobieren! Und weil sie sich ständig durch meinen Beutel pieksten, hat Siegfried mit kurzerhand ein Etui aus einem Lederrest gemacht!
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So ein kompletter Kopfputz mit Rise, Wimpel und Schleier ist nicht nur sehr hübsch, er hält auch schon warm, wenn es abends kühler wird 🙂
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À propos abends: wenn man abends auf dem Dixi-Klo was sehen will, ist eine batteriebetriebene Lichterkette eine äußerst stylishe -wenn auch nicht ganz authentische- Lösung! ^^
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Am Sonntag bot sich die Gelegenheit, ein wenig über den Flohmarkt zu schlendern. Ich hatte gehofft, ein Messer zu finden, oder eventuell einen Kleiderstoff. Leider war das Angebot an Messern zu FrüMi lastig, nix für mich dabei. Und von den angebotenen Stoffen hat mich nichts so wirklich angelacht.
Aber immerhin zwei Knäule knallbunt pflanzengefärbter Wolle zum Naalbinden habe ich mir gegönnt!
Die werden jetzt meine erste genaalte Socke!

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Mein erstes Mittelalterlager war eine tolle Erfahrung. Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt und mich bei den Brandenburgundern sofort wie zu Hause gefühlt. Großen Dank noch mal an dieser Stelle und ich freue mich schon auf Worms!
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Ein Knaller noch zum Schluss:
Ich bin erkannt worden! O.O
Das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Da sitze ich blutiger Anfänger auf meiner allerallerersten Mittelalterveranstaltung und plötzlich fragt mich jemand „Sag mal, bis du die Handmaid? Dann kenne ich nämlich deinen Blog! Ich hab dich am Kleid erkannt“
Mein Gesicht hätte ich zu gerne gesehen! 🙂
Falls du hier mitliest: das war toll! ^^ Ich hoffe du hattest eine schöne Zeit!

seid alle herzlich gegrüßt von der

Handmaid Gerda