Archiv für den Monat Juni 2015

Reenactment meets Tour de Fleece: Garn für eine Decke

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Auch dieses Jahr findet in den unendlichen Weiten des Internet (und auch außerhalb davon) die alljährliche Tour de Fleece statt.

Parallel zur Tour de France treten auch wir SpinnerInnen in verschiedenen Teams ins Rad und machen den einen oder anderen Kilometer gut. 🙂

Beginn ist dieses Jahr am 4.7. und das ganze läuft bis zum 26.7. Ziel ist es, möglichst jeden Tag zu spinnen und die Ergebnisse dann mit den anderen Gruppenmitgliedern zu teilen.
Ich starte auch dieses Jahr wieder für das Team „Berlin Spinnt“


Dieses Jahr passt das besonders gut, weil ich ein neues Großprojekt angefangen habe, dessen Vollendung ich mit dieser Intensivspinnzeit bestimmt ein gutes Stück näher kommen kann.

Das Projekt!

Für mein Mittelalter-Reenactment möchte ich für’s Schlaflager eine Decke weben. Und damit es nicht zu einfach wird, werde ich das Garn vorher selber spinnen. Der Plan ist, die Breite meiner 80cm Harfe voll auszunutzen und nachher zwei Webbreiten anneinander zu nähen.

Das Material!

Ich habe Kammzüge aus ungefärbtem silbergrauen Corridale bestellt.
Eine Traumfaser! Ganz glatt, weich, als Kammzug fast kühl im Griff und lässt sich traumhaft ausspinnen.
Ursprünglich war der Plan, die Kette aus zweifädig verzwirntem Corridale zu machen und für den Schuss Bergschaflocken in ein einfädiges Corridale-Garn einzuspinnen. Meine Vorstellung war, dass das besonders flauschig und durch das zusätzliche Volumen wärmeisolierender sein würde.
Der Probelappen zeigt mir aber, dass mir das optisch nicht gefällt. Sieht etwas zu sehr nach Flickenteppich aus.
Ich werde also wohl Kette und Schuss aus reinem Corridale machen. Vielleicht nutze ich das Fluffy-Garn, das ich bisher schon gesponnen habe, für einen Streifen am Rand oder so.

Das Werkzeug!

Ich werde zum größten Teil auf dem Rad spinnen. Dieses Projekt geht ja eher in Richtung Masse satt Klasse. Da kann mein Louet S10 mal seinem Ruf als Arbeitstier gerecht werden! (Irgendwer aus meiner Spinngruppe bezeichnete dieses Modell mal liebevoll als „Trecker“…)
Für unterwegs nehme ich auch meine hübsche neue Kopfspindel, getöpfert von Shermin vom Fiberspace mit und auf Mittelalterveranstaltungen die historisch korrekte Fußspindel, aber das Gros wird ins Rad getreten.

  

Gewebt wird dann nachher auf der Kromski-Harfe mit nem 30/10er-Blatt, dass ich aber wahrscheinlich nur auf 15/10 aufbäumen werde. (Also nur jeden zweiten Schlitz und jedes zweite Loch) sonst wird das keine Decke sondern ein Teppich 😉

Die Anfänge!

Die ersten paar Meter Garn sind gesponnen und ich habe auch schon zwei kleine Sampler gewebt, um mal mit Material und Dichte zu spielen.

Garn: Reines Corridale (zweifach verzwirnt) und Corridale (Dochtgarn) mit eingesponnenen Bergschaf-Locken

Sampler: die beiden sind „baugleich“.
1: 30 Enden /10cm, Schuss Bergschaflockengarn
2: 15 Enden/10cm, Schuss Bergschaflocken
3: 30 Enden/10cm Schuss wie Kette
4: 15 Enden/10cm Schuss wie Kette

Ich denke mal, Nummer vier wird es werden. Vielleicht noch mit ner etwas heißeren Runde in der Waschmaschine etwas angefilzt, so dass das Gewebe etwas dichter wird.

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Neu im Blog: das Mittelalter hat eine eigene Seite

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Aufmerksame LeserInnen werden bemerkt haben:

Neben Frisuren, dem Beekeeper’s Quilt und anderem hat jetzt meine komplette Mittelalter-Ausrüstung eine eigene Seite auf diesem Blog.
Hier stelle ich kurz und knapp meine Kleidung, Accessoirs, Lagerausstattung und Werkzeuge/Gebrauchsgegenstände vor. Wenn die Stücke einen eigenen Blogpost haben, wird darauf verlinkt 🙂

Diese Seite wird Stück für Stück immer wieder ergänzt und aktualisiert werden. Schließlich ist eine Darstellung nie wirklich „fertig“ 🙂

viel Spaß beim Stöbern wünscht

die Handmaid

Warm bleiben im Mittelalter – die Cappa

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Und wieder ist ein Teil meiner Gewandung fertig!

Die Cappa ist ein Mantel mit ovalem Zuschnitt ohne Ärmel. quasi eine Art ovaler Poncho mit Kapuze.

Schnitt:
– oval,
-hinten so lang, dass der Po beim Vorbeugen warm bleibt,
– vorne bis Höhe Schritt. So dass sich der Saum noch unter den Gürtel stecken lässt, um nicht im Weg zu sein
– schmal ovales Halsloch
– Kapuze mit einfachem viereckigem Zuschnitt

Material:

– Obermaterial: dicker brauner Wollstoff von Finkhof (600g/m bei 150cm Breite)
– Futter: krapp-hellrote Wolle von Naturtuche  (500g/m bei 145cm Breite)
– Nähfaden: rausgezogene Kettfäden aus dem roten Tuch

Technik:

– Futter und Oberstoff rechts auf rechts im Vorstich aufeinander genäht, dabei Wendeöffnung gelassen
– gewendet, Naht abgesteppt. Dabei Wendeöffnung verschlossen- Ober- und Futterstoff der Kapuze rechts auf rechts aufeinander genäht und gewendet
– unteren Rand der Kapuze zwischen Futter- und Oberstoff am Halsausschnitt gesteckt, dabei die Ränder des Halsausschnitts nach innen umgelegt. (Furchtbare Friemelei und man braucht eine Tonne Stecknadeln! Das muss auch einfacher gehen…
– den Saum der Kapuze habe ich nicht abgesteppt, weil mir der Rand dann zu bockig gewesen wäre.

Fotooooos!

Fazit:

Ich liebe meine Cappa! Sie ist warm, kuschelig weich und wind- und regendicht. Außer als Mantel habe ich sie auch schon beim Lagern als zusätzliche Bettdecke oder als Kopfkissen benutzt. Das einzige Manko ist das Packmaß. Sie ist nicht schwer aber hat ein ziemliches Volumen und nimmt entsprechend Platz weg. Aber ich möchte sie nicht mehr missen!