Archiv für den Monat Juli 2015

Aufatmen: Unterkleid erweitert

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Viele werden das Phänomen kennen: nach dem langen Winter zieht man frohgemut ein sommerliches Kleidungsstück wieder an und…das ist hinterrücks beim im-Schrank-liegen eingelaufen! Anders ist schließlich nicht zu erklären, warum das plötzlich hier spannt und da zwickt, wo es doch vor einem halben Jahr noch hervorragend gepasst hat! *hust*

Maybe you are familiar with this phenomenon: winter is over and when you put on one of those summer-garments it suddenly has…shrinked! Just by laying in the closet! How else would xou explain the suddenly waayy too tight clothes that used to fit just fine before the winter? *cough*

Wenn das dann bei der mühsam handgenähten Mittelalter-Gewandung passiert, ist das natürlich doppelt ärgerlich.
Um der Wahrheit die Ehre zu geben: mein Unterkleid saß schon immer etwas…körpernah:

Things like that are extra irritating if it happens to those carefully handsewn medieval garments.
To be honest: my underdress has always been an bit of a tight fit:

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So langsam ging es dann aber gar nicht mehr. An den Hüften gerade noch zu verschmerzen, aber da ich nicht vorhatte, eine platte Schnürbrust à la Spanien um 1600 darzustellen, musste ich mir doch etwas Luft verschaffen. *uff*

A year later it really didn’t fit anymore. The hips where no longer the worst problem, but taking a deep breath became more and more challanging. So I had to to something.

Das schöne an den simplen HoMi-Schnitten ist: sie sind relativ leicht zu ändern.
Bisher begannen die Gehren etwa auf Taillenhöhe.
The nice thing about high-medieval patterns is that they are simple and thus easy to change.
So far the gores where inserted at waist-height.

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Was ich jetzt gemacht habe war das folgende:

  1. Gehren raustrennen
  2. Seitennaht bis zur Achsel auftrennen
  3. Gehren direkt unter dem Arm wieder einsetzen
  4. unten entstandene Lücke mit zugeschnittenen Leinenstücken füllen

What I did was:

  1. detach the gores
  2. open the seam all the way up to the armpit
  3. insert gores in armpit
  4. fill the gap with a cut-to-fit piece of linen

1. die Gehren raustrennen. Da die Nahtzugaben zu beiden Seiten umgenäht waren, reichte nach einem kurzen Schnitt ein beherzter Riss.
1. detach the gores. Because I had folded the seam allowence to eather side, I now only needed to courageously rip the seam.

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2. die Naht bis zum Ärmel auftrennen
2. open the seam all the way up to the armpit
3. die Gehren direkt unter dem Arm wieder einsetzen. Ich habe die Versäuberten Nähte intakt gelassen und nur Kante an Kante genäht
3. re-insert the gores right in the armpit. I left the hems as they where and youst sew edge to edge
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4. die Lücke mit einem neuen Leinenstück füllen. Da das Unterkleid keiner sieht, lässt sich so ein Flickwerk prima machen. Ich habe das Stück zugeschnitten, zuerst komplett gesäumt und dann so eingesetzt wie vorher schon die Gehren. So brauchte ich die Säume des alten Stücks nicht auftrennen.
4. Fill the gap. Because its underwear and no one will see, it’s not a big deal to just insert a patch. I cut the patch to size, hemmed the seams and then inserted as I did with the gores. So I didn’t have to unravel the old hems.
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Fertig! Man sieht zwar recht deutlich die angesetzten Stücke, aber es passt wieder, und ich brauche weder die Luft anzuhalten noch einen Schulöffel zu suchen, um rein oder raus zu kommen 😉
Done! You can see clearly where the new patches have been inserted, but now I wont need a shoehorn to get in or out 😉

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Sonnengelbe neue Strümpfe!

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Der Mann an meiner Seite nennt sie meine „Bibo-Beine“, ich nenne sie „ich hätte dünneren Stoff nehmen sollen“.
Für den Rest dieses Artikels nennen wir sie „hochmittelalterliche Strümpfe“. 🙂

My Darling calls them „BigBird’s-legs“, I call them „Should’ve used thinner fabric“.
For this post let’s call them „high medieval stockings“ 🙂

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Wie hier schon einmal beschrieben, waren Strümpfe oder Beinlinge für Frauen im Hochmittelalter häufig aus Wollstoff genäht.
Die braunen Strümpfe, über die ich dort schrieb haben mittlerweile zwei ‚Makel‘:
1.: die Form mit Tunnelzug und durchgezogenem Band habe ich nirgendwo mit Abbildungen oder ähnlichem belegen können
2.: sie sind aus Versehen in der Waschmaschine gelandet und jetzt ganz aparte Filzstiefelchen in Größe 36 *heul*
So oder so mussten neue her.
Diesmal etwas akkurater: sie reichen nicht mehr bis unter sondern eine gute Handbreit über das Knie. Darunter werden sie mit einer fingergeloopten (gefingerloopten? gefinger-geloopten?…) Wollkordel gehalten. Ansonsten ist der Schnitt genau so wie hier beschreiben, nur eben nach oben ein gutes Stück länger und ohne Tunnelzug.

As I have already described here, stockings or hose for women in the high MIddle Ages were often sewn from woolen cloth.
The there described brown stockings have two „flaws“ by now:

1. I couldn’t find any proof in pictures or else for the use of drawstring casings.
2. I exidentally threw them in the washing machine and now no longer have stockings but nice little felted boots fit for a 10 year old *sob*

Either way: I needed new ones!
This time more historically accurate: instead of ending below the knee they now go all the way up to a hand above the knee.
Under the knee they are secured with a finger-looped cord.
The rest of the pattern is the same as described here, just as I said longer and without the drawstring casing.

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Der Stoff ist mit Birke gelb gefärbter Wollköper. Für den Sommer hätte er vielleicht ein bisschen leichter sein können, aber so sind die Beene wenigstens auch abends warm.
Mückensicher ist der Stoff übrigens nicht, wie ich im Museumsdorf Düppel dieses Wochenende am eigenen Leib erfahren musste *kratzkratzkratz*

The fabric is woolen twill dyed with birch leaves. For summertime I could have used a bit lighter fabric, but this way at least my legs will stay warm in the cooler evenings as well 😉
By the way: the fabric may be warm but it’s not mosquito-safe as I had to learn this weekend in Düppel open-air museum

Aber man kann ganz herrlich damit posieren!
But they are perfect to pose in!
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Dank an Shermin vom Fiberspace für die tollen Bilder!
Thanks to Shermin from Fiberspace for the awesome pictures!

Der Handmaid neue Kleider: Sommercotta!

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Es wurde langsam Zeit. Mein grünes Schlupfärmelkleid ist zwar immer noch gerne im Gebrauch und inbesondere bei Schmuddelwetter oder -arbeiten unverzichtbar, aber es ist auch sehr warm.
Die „leichte Wolle“ von Naturtuche hat dann doch immerhin 507g/m² .
It was time for something new. I still love my green dress and wear it a lot, especially when it is cold and/or rainy, but it is quite warm.
The fabric („light wool“ by Naturtuche ) weighs 507g/m².

Also musste für die diesjährigen Sommeraktivitäten ein leichteres Kleid her. Und weil das grüne…sagen wir mal eher praktisch als hübsch ist, hab ich mal mein gotisches It-Girl gechannelt und gleich einen Sonntagsstaat genäht.
So for this year’s summer season I needed something lighter. and since the green one is…more sensible than pretty I channeled my inner medieval It-Girl and decided for something nice for sundays 🙂

Der Stoff ist vom Färbehof und ein absoluter Traum. Als eine Gruppenfreundin von den Brandenburgundern einige Meter für neue Kleider erstanden hatte, konnte ich den schon mal probegrabbeln und ich bin begeistert!
Ein ganz ganz leichter Wollköper (270g pro m² und damit nur halb so schwer wie der leichte Köper von Naturtuche.) in strahlenden Farben und alles pflanzengefärbt!

The fabric is purchased at Färbehof and is a real dream! A fellow reenactor from Brandenburgunder-group had already ordered a few meters for a new dress and I instantly fell in love with this. It’s a very light wollen twill (27g/m² an thus only half the weight of the green one.) Bright colours and all plant-dyed!

Also hüpften 2,5 Meter in der Farbe „Mittelblau“ (Indigo Einfachfärbung) davon in den virtuellen Warenkorb und wurden zu meinem neuen Sommerkleid.
So I grabbed 2,5m of „middle blue“ (indigo, single dye) and turned them into a new summerdress!

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Ist es nicht wunderschön? (Großer Dank an dieser Stelle an die unvergleichliche Shermin vom Fiberspace für die genialen Fotos!)
Isn’t that beautiful? (Thanks a lot to the wonderful Shermin over at Fiberspace for the awesome pivtures!)

Der Schnitt ist ganz ähnlich wie schon hier bei meiner Wintercotte beschrieben:
– gerade Vorder- und Rückenbahn (nur leicht an den Ärmeln ausgeschnitten)
– Seitengehren in Bahnbreite
– Schlüssellochausschnitt

The pattern is basically the same as described for the green winter-cotta.
– straight rectangular front and back (just a little cut out for the sleeves)
– side gores in the width of the front and back
– keyhole-neckline

Ein paar Änderungen gab es allerdings:
– Da ich mich für den „Sonntagsstaat“ gegen Schlupfärmel entschieden habe, konnte ich die Ärmel -für Mitte des 13. Jhd. topmodisch- so eng machen wie man ohne Knöpfe grad noch rein kommt.
– beim Schlupfärmelkleid setzen die Gehren direkt unter der Armöffnung an. Hier beginnen sie an der Taille.
Die notwendige Bewegungsfreiheit kommt dann durch quadratische Zwickel (auch Ärmelkeile genannt) unter der Achsel.

I made  few alterations though:
– since this is the „sunday best“ I did not make slip-out sleeves but sleeves as narrow as I can get without needing buttons (top of the fashion for mid-13th century)
– On the green dress the gores start right under the arm. Here I lowered them to start at the waist.
– To allow my arms to move I added square-shaped godets in the armpit

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– Bei meinen bisherigen Gewandungsteilen habe ich zum Versäubern immer die Nahtzugaben zu beiden Seiten der Naht umgeklappt und mit Überwendlingstichen versäubert. Das ist eine belegbare und oft verwendete Naht. Allerdings ist sie auch extrem anfällig. Gerade an beanspruchten Stellen reißen diese Nähte sehr gerne auf.

– so far I always used to neaten seams by folding the seam allowence to each side and attaching them with overedge-stiches. This kind of seam is verifyable and widely used. But I learned that these seams often break. Especially at more stressed parts.

Beim blauen Kleid habe ich mich daher dafür entschieden, Kappnähte zu verwenden. Das heißt: rechts auf rechts im Vorstich zusammennähen, eine Nahtzugabe auf die halbe Breite runterschneiden, längere Nahtzugabe zweimal umschlagen (über die kürzere) und mit Überwendlingstichen oder Vorstichen festnähen.
Diese Naht ist sehr haltbar und reißt auch an den Ärmelkeilen oder den Gehrenspitzen nicht so schnell wieder auf.

So this time I decided for a lap-felled seam. Meaning: sew parts together with right sides facing each other. Trim one seam allowance down to one half, fold the longer allowence over the shorter one and attach with overedge-stiches.
This results in a very durable seam witch will last a lot longer even on parts like the tip of a gore or the under-arm patches.

Nähfaden war wie immer rausgezogener Kettfaden.
I used warp-threads that I pulled out of scrap fabric as sewing thread.

Und wie könnte es anders sein: neues Gewandungsteil, neue Herausforderungen! (Wir erinnern uns an den komplett falschrum genähten Saum vom Unterkleid? *seufz*)
Ganz grobe Schnitzer sind gottseidank nicht passiert, aber:
– eigentlich sollte das Kleid, weil es ja „für gut“ ist, 4 Gehren bekommen. Dummerweise habe ich in meinem Zuschnitt-Rausch und bei 38°C im Schatten ausversehen nur zwei zugeschnitten. Die dafür schön breit. Nun gut… 😉
– Der Ausschnitt ist etwas großzügig. Er ist zwar nicht tief (das wäre ja noch schöner) aber ein wenig zu breit. Das entspricht 1. nicht der historischen Vorlage -Kleider dieser Zeit waren sehr halsnah geschnitten, daher ja auch der Schlüssellochschlitz- und 2. lugt jetzt das Unterkleid vor.

And of course: new dress, new challanges! (You remember my inside-out underdress? *sigh*)
It’s nothing too bad, but:
– I origninally planned 4 gores, since this was meant to be a fancy sunday dress. But somehow I miscalculated and ended up with two very wide ones. Well… that’s fine too.
– The neckline is a bit wide. That’s not exactly period. Dresses in this time used to be very close to the neck -hence the keyhole neckline- and now I ended up with my underdress peeking out at the shoulder.

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Ist kein Weltuntergang, kann man auch so lassen, aber beim nächsten Mal passe ich besser auf!
It’s not the end of the world but I will pay more attention next time.

Das Fazit: große Liebe! Der Stoff ist ein Traum: leicht, toller Fall, leuchtende Farben und preislich sogar noch im Rahmen (32€/Lfm bei Einfachfärbung), das Kleid sitzt super bequem und die Farbe passt prima zu meinen Augen! (sagt ja keiner, dass man sich im Hobby nicht auch hübsch finden darf, richtig? 😉 )

Conclusion: big love! The fabric is to die for. Great draping, bright colour and actually reasonably priced (32€/meter in single-dye) the dress fits just right is comfy and matches my eyes! (Nobody said you can’t feel pretty in your garb, right? 😉 )

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Tour de Fleece 2015: Garn für eine Decke – Ausgangslage!

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Heute hat sie offiziell begonnen, die Tour de Fleece!
Ich habe ja mit meinem Projekt schon etwas vorgearbeitet und bin sogar viel besser vorangekommen als ich dachte!
Nach der Begutachtung meiner Sampler habe ich mich für das Weben für folgendes entschieden:

– 15 Enden pro 10 Zentimeter. Das heiß, beim 30/10er Kamm nur jedes zweite Loch und jeden zweiten Schlitz zu nutzen.
– Schuss wie Kette. Beides aus einfach verzwirntem reinen Corridale mit einer Lauflänge von uuuungefähr 100m/100g.
Das schon gesponnene Garn mit den eingesponnenen Bergschaflocken verwende ich für einen breiten Streifen jeweils am Anfang und am Ende
– ich werde mich nicht noch ins Doppelweben einfuchsen sondern zwei gleiche Decken weben und diese hinterher zu doppelter Breite zusammennähen.
Weil das Garn sehr dick und fluffig ist werde ich zwei getrennte Ketten aufziehen. 5 Meter Kette (inklusive Einsprung etc.) in der Materialstärke war mir einfach zu viel.

Die Entscheidung, 15/10 zu fädeln brachte es mit sich, dass ich nur die Hälfte an Kettfäden brauchte. Die Entscheidung, zwei getrennte Ketten aufzuziehen führte dazu, dass diese Kettfäden auch nur halb so lang sein mussten.

Effekt: ich hatte viel früher als gedacht genug Garn für die erste Kette gesponnen!

Also Fernseher an und 2-3 Voyager-Folgen lang Kette aufgezogen. Da ich simple Leinwandbindung und nur eine Farbe verwende, habe ich mich für das „Direct Warping“ entschieden.

Das ging relativ fix und schon konnte ich losweben!

Für den Anfang 8 Reihen mit dem reinen Corridale, dann 20 Reihen mit dem „Lockengarn“
Danach stumpf in Leinwandbindung mit dem Corridale-Garn weiter…


Die Harfe an ihrem üblichen „Parkplatz“ inklusive Blick auf meinen streckenweise fragwürdigen Büchergeschmack *räusper* 😉

Ich habe nicht gestoppt, wie lange ich tatsächlich dran gesessen habe, aber nach 3 Tagen Weben war die erste Hälfte schon fertig! O.O

Bierflasche dient dem Größenvergleich 😉

Die Maße direkt nach dem Abnehmen:
– genau 1,90m lang
67cm breit
– genau 600g schwer

Da das nur die eine Hälfte ist, habe ich die Decke noch nicht weiter behandelt, also weder gewaschen noch die Fransen getrimmt. Das mache ich erst, wenn beide Halften zusammengenäht sind, damit sie nicht z.Bsp. unterschiedlich einlaufen.

Jetzt geht es an die zweite Hälfte, ich hoffe, die ist genauso easy 🙂

Pimp my Hemd! Projekt Maschinennähte ausmerzen

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Ein Freund bat mich, eins seiner Leinenhemden unzuarbeiten.
Das gute Stück stammt noch aus seinen Anfangszeiten als Reenactor, was sicherlich auch erklärt, warum er zugelassen hatte, dass das herrliche alte Bauernleinen mit der Nähmaschine bearbeitet wurde.

Sakrileg!

Also sollen diese Nähte jetzt aufgetrennt und von Hand wieder vernäht werden.

Auch einige “Designelemente“ sind nicht wirklich mittelalterlich und so knöpfe ich mir das gute Stück jetzt nach und nach vor.

Die Ausgangslage:

Das Material ist relativ grobes Bauernleinen mit schmaler Webbreite.
Genäht wurde mit braunem Nähgarn und die meisten Nähte sind mit hellgrauem Garn mit der Overlock versäubert.

   
Die Näherin hat an vielen Stellen versucht, die Webkanten zu nutzen, was gut ist. Denn da Handnähte mehr Material fressen als overlockversäuberte Maschinennähte bin ich froh um jeden Zentimeter, den ich nicht umnähen muss. Nicht, dass das Hemd nachher noch hauteng sitzt 😉
Der Schnitt ist -evtl auch wegen der Ausnutzung der Webkanten- etwas ungewöhnlich:


– gerade Vorder- und Rückenbahn mit Schulternaht
– keine Gehren
– dafür Schlitze sowohl vorne und hinten als auch an den Seiten.
– die seitlichen Schlitze sind nicht genau mittig sondern etwas nach hinten versetzt
– an den stark beanspruchten Stellen oben an den Reitschlitzen und unten am Halsschlitz hat mein Gruppenkollege selbst lederne Dreiecke als Verstärkung angenäht. Die werde ich wohl lassen.


– Das Hemd hat eine Art „Stehkragen“, den der Besitzer nachträglich mit einem kammgewebten Leinenband verstärkt hat

– Ärmel ganz leicht nach unten verjüngt, keine Ärmelkeile. in Webbreite gefertig. Nach moderner Art mit der Naht auf der Unterseite eingesetzt

Der Plan:

Die Ärmel werde ich auslösen, die Naht auftrennen, von Hand neu schließen und die Ärmel wieder einsetzen. Ansonsten werde ich das Hemd aber in einem Stück lassen und eine Naht nach der anderen auftrennen und neu zunähen.

Statt wie bei meinen bisherigen mittelalterlichen Nähereien die Nahtzugaben zu beiden Seiten umzuklappen und mit Überwendlingstichen zu versäubern haben ich mich für die materialsparendere und viel haltbarere halbe Kappnaht entschieden. Diese ist durchaus durch Funde belegt und für dieses Projekt viel sinnvoller.
Wenn die zu versäubernde Kante eine Webkante ist, muss ich sie nur einmal umschlagen, was wiederum Material spart.

Halbe Kappnaht: Längere und kürzere Nahtzugabe zu einer Seite umschlagen, Längere Nahtzugabe unter die kürzere schlagen.

Halbe Kappnaht versäubert mit Überwendlingstichen

Nahtzugabe mit Webkante ohne weiteren Umschlag über kürzere Nahtzugabe geklappt und mit Überwendlingstichen angenäht

Die Lederdreiecke werde ich drinlassen. Die sind schon ein paarmal mitgewaschen worden und sind eine enge Bindung zu diesem Kleidungsstück eingegangen 😉
Allerdings erlaube ich mir, die Ärmel zu drehen. Wenn ich schon den „A-Faktor“ des Hemdes heben soll, dann setze ich auch die Naht -hochmittelalterlich korrekt- nach hinten!

Erste Erfolge:

Der erste Ärmel ist neu vernäht und schon wieder mit der Naht nach hinten in das Hemd eingefügt. Dabei habe ich festgestellt, dass die Näherin auch noch Abnäher (gabs im Hochmittelalter noch nicht – und schon gar nicht an einem Unterhemd) angebracht hat. Diese habe ich aufgetrennt. Sie machten dort eh nicht so ganz viel Sinn 😉

Ärmel mit Maschinennaht
 
Ärmel nach der Änderung mit Handnaht

Bin mal gespannt, wie das am Ende aussieht. Ich werde weiter berichten!