Archiv für den Monat Oktober 2015

Mach ich im Winter…

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…unter Reenactoren und Reenactressen einer der bekanntesten Running Gags:
„Mach ich im Winter“.
Wohl kaum jemand im Hobby, der nicht eine halbe Tapetenrolle bräuchte, um die ganzen Projekte aufzulisten, die man in diesen wenigen kalten Monaten aus der Erde stampfen will. 😉

Doch egal, wieviele der Vorhaben man wirklich schafft und wieviele noch dazu kommen, jetzt im Oktober ist die Lager-, Veranstaltungs- und Marktsaison zum größten Teil vorbei.
Wenn die Tage kürzer und die Abende dunkler und gemütlicher werden, beginnt die Bastel-, Reparier- und Nähsaison.

„I’ll do that during winter!“ That’s quite a running gag among reenactors. Whoever joins the medieval hobby soon recongnizes that they will use a sheet of paper from here to outremer to list all the „winter tasks“ and that one winter will never be enough. 😉

But regardless if you manage to finish all your winter tasks or just add some to the list, now in October, the camp-, event- and market-season is mostly over.
When days get shorter and the evening get darker and comfy, now starts the season for mending, sewing and crafting.

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Für mich geht die erste Saison überhaupt zu Ende und schon reicht die „mach-ich-im-Winter-Liste“ einmal ums Zeltlager 🙂

Finishing my first ever season I alread have quite a list:

Als da wären:

Reparieren/umarbeiten:

  • Nähte in den gelben Strümpfen umarbeiten: Nahtzugaben nur auf eine Seite umklappen, das hält besser
  • braune Cotte verlängern. Die ist ein bisschen knapp geraten und ich will unten einen Streifen anstückeln
  • aufgegangene Nähte in grüner Cotte flicken
  • Riemen Pilgertasche wieder annähen, der löst sich (erledigt am 24.10.15)
  • Kapuze Cappa wieder annähen
  • Rechteckmantel säumen, ich dachte, ich komm drum herum, aber über kurz oder lang wird der auch ausfransen (erledigt am 24.10.15)
  • Reparaturauftrag: noch ein Leinenhemd von Maschinen- auf Handnähte aufwerten
  • evtl. Ausschnitt blaue Cotte verändern. Der ist zu breit geraten, ich überlege, einen breiten Streifen drüber zu setzen…
  • Tischdecke für die Brandenburgunder säumen    (erledigt am 4.12.15)

mending/repairing

  • Redo the seams in my yellow stockings. use a different kind of seam to make them more durable
  • lengthen the brown dress. It came out a bit short and I want to add a stripe of fabric
  • mend a broken seam on the green dress
  • repair the loose strap on the pilgrim’s bag (done on 24.oct. 2015)
  • repair the hood on the cappa
  • seam the rectangular coat (done on 24. oct. 2015)
  • change maschine-sewn seams for handsewn on another shirt. (for a friend)
  • I think about redoing the neckline on my blue dress. It is to wide, maybe I could add a stripe of fabric…

Neu herstellen:

  • wendegenähte Schuhe (ich habe einen Bausatz von Meister Knieriem, bin schon sehr gespannt)  (1.12.15: einer ist fertig: Schusterei)
  • Winter- Sonntagscotte nähen
  • Wichtelgeschenk für die Brandenburgunder-Weihnachtsfeier 😉
  • zweites Paar Strümpfe nähen oder naalen
  • Waffenrock für Siegfried  (erledigt 30.12.15)
  • feineres leichteres Unterkleid nähen
  • rauskriegen, warum die Brigittahaube immer schief sitzt. Wenn’s an der Haube liegt: noch mal eine gerade nähen
  • Strohsack?
  • Nadelrolle als Wichtelgeschenk    (erledigt und verwichtelt am 6.12.15)
  • zwei Wolldecken zu einem „Schlafsack“ zusammennähen

 

make new

  • turnshoes. I have a DIY-kit from Meister Knieriem; can’t wait to try! (added on dec. 1st: one is done! see here
  • sew a sunday dress for the winter
  • secret santa-gift for Brandenburgunder christmas party
  • make a second pair of stockings/hose. Sewing or naalbinding
  • sew military tunic for Siegfried (done on dec. 30th)
  • sew lighter finer underdress
  • find out why my St. Bridgid’s-cap is alway crooked. If it’s the cap: make another one
  • make a straw-bag to sleep on?
  • sew together two woolen blnkets to make a “ sleeping bag“

sonstiges:

  • Sticken lernen/üben (Brickstich und Klosterstich)
  • mehr mit der historischen Spindel spinnen; verschiedene Wirtel/Schaft-kombis ausprobieren
  • Recherche zu 1001 Sachen, unter anderem Kämme, Kopfbedeckungen, Nessel- und Hanfstoffe,…)
  • Brandenburgunder-Seite überarbeiten
  • den Lieblingsmenschen mit begeisterten Berichten, losen Versprechungen oder sanfter Waffengewalt ins Hobby locken ^^ (er will Anfang der nächsten Saison probehlaber mitlagern 🙂  )

other:

  • learn/practice embroidery (brickstich and ‚Klosterstich‘)
  • practice spinning with the historic spindle; try out different shafts anf whorls
  • research on 1001 thing including combs, headwear, nettle and hemp fabric,…)
  • work on Brandenburgunder Homepage
  • try everything to lure better half into the hobby ^^ (he said he wanted to try and camp with us next season!)

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Wieso muss ich eigentlich im Winter auch arbeiten? Man sieht doch wohl sehr deutlich, dass ich dafür keine Zeit habe!
Was steht auf eurer Liste? Und wieviele Winter werdet ihr dafür brauchen?

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Ergiebige Zugfahrt: Nadelrolle

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Auf den Burgmannentagen in Vechta habe ich mir zwei Messing-Nähnadeln gegönnt und auch schon fleißig ausprobiert.
Meine Schleier-/Gebende-/Stecknadeln habe ich bisher in dieses Stück Leder gesteckt, dass mir auf meinem allerersten Lager geschenkt wurde 🙂

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Aber für die filigranen Nähnadeln war da kein Platz. Also musste etwas anderes her.
Beruflich war ich diese Woche viel unterwegs und so entstand auf der Strecke Berlin–>Karlsruhe–>Frankfurt Main–> Berlin eine Nadelrolle aus Wolle und grobem Leinen, bestickt mit einem Rosenmuster, angelehnt an die typischen Rosenranken des Codex Manesse.

Material:
Wollstoff, mit Birke gelb gefärbt (ein Reststück meiner Strümpfe)
ungefärbtes grobes Leinen
Wollgarn (pflanzengefärbt) in rot und grün

Ausgangslage bei Abfahrt in Berlin:

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Nach 5,5h bei Ankunft in Karlsruhe:

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Drei Tage später dann die Rückfahrt:
Stand Karlsruhe — Frankfurt (1h):

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…und schlussendlich kurz vor Berlin: fertig!

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Jetzt fehlen nur noch ganz ganz viele Nadeln, um das Schmuckstück zu füllen! 🙂

Burgmannentage Vechta 2015

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Letztes Wochenende war eine Premiere für mich:
Das erste Mal bin ich ganz ohne die anderen Brandenburgunder „ins Mittelalter“ gefahren.
Leider konnte niemand von den anderen mitkommen zu den Burgmannentagen im norddeutschen Vechta. Trotzdem musste ich nicht ganz alleine bleiben, sondern fand Anschluss und Obdach bei den tollen Menschen vom Vuozvolc, die ich schon von anderen Veranstaltungen kenne.

Blick auf die Burginsel mit der Motte. Unser Lager war links davon!

Blick auf die Burginsel mit der Motte. Unser Lager war links davon!

Angegliedert an deren Färberinnenlager habe ich ein wirklich schönes Wochenende genossen.
Ich habe viele tolle neue Leute kennengelernt, mein Wissen über Färbepflanzen erweitert und für die Modenschau sogar die Röcke gerafft 😉

Das Lager der Färberinnen. Steffi und ihre Mama waren nicht nur eine Bereicherung mit ihrem Stand sondern auch ganz tolle Nachbarinnen! :-)

Das Lager der Färberinnen. Steffi (hier in blau) und ihre Mama waren nicht nur eine Bereicherung mit ihrem Stand sondern auch ganz tolle Nachbarinnen! 🙂

Sagt nix! Ich wollte bei der Modenschau mitmachen, aber der Saum an meinem Unterkleid zipfelte! Da zieh ich mich doch nicht komplett für um! ;-)

Sagt nix! Ich wollte bei der Modenschau mitmachen, aber der Saum an meinem Unterkleid zipfelte! Da zieh ich mich doch nicht komplett für um! 😉

Modenschau mit Vertretern verschiedener Stände.  Foto: BKW, www.ig-mitima.de

Modenschau mit Vertretern verschiedener Stände.
Foto: BKW, www.ig-mitima.de

Außerdem habe ich Handel getrieben wie nichts gutes: Vom anwesenden Nadelmacher habe ich meine ersten authentischen Nähnadeln aus Messing erstanden, mit einer anderen Darstellerin habe ich einen Tausch bezüglich eines Haarnetzes quasi eingetütet. Und ein Stück Wollstoff, der vor Ort mit Birkenblättern leuchtend gelb gefärbt wurde, ging prompt in meinen Besitz über und wurde noch vor Ort zu einem flauschig warmen Rechteckmantel.

Mein neuer Rechteckmantel! Ist er nicht schön? ^^

Mein neuer Rechteckmantel! Ist er nicht schön? ^^

Flauschig warm war es leider nicht die ganze Zeit.
Tagsüber hatten wir zwar strahlend blauen Himmel und echtes Sonntagswetter, aber Himmelherrgottnochmal war das nachts im Zelt kalt *brrrrrr*
Da ich mit der Bahn angereist war, hatte ich nicht meine zwei Säcke Felle und Decken für ein Bodenlager mit, sondern habe es mir auf einem geliehenen Feldbett gemütlich gemacht.
Aber auch die Schichtung Feldbett, Isomatte, Wolldecke, Schaffelle, Wollschlafsack (zwei Wolldecken an drei Seiten zusammengenäht), warm angezogene Handmaid, Wolldecke, Einziehdecke, noch ne Wolldecke konnte nicht verhindern, dass ich am ersten Morgen gefühlt mit Eiszapfen an der Nase aufwachte. In der zweiten Nacht half da mein Wollschleier: das ist zwar dünnes Musselin, aber um Kopf und Hals geschlungen hielt der effektiv die Wärme und es war viel angenehmer zu schlafen.

Aber dick eingepackt in zwei Kleider und den nagelneuen Mantel und von innen mit Frühstücksbrei und Kaffee gewärmt konnte man dann gut in einen tollen Tag starten. Es waren viele sehr interessierte Besucher da, aber trotzdem hatten wir zwischendurch noch Zeit, selbst mal über den Markt zu schlendern.

Leuchtende Farben am Stand von Ovicula (http://ovicula.jimdo.com)

Leuchtende Farben am Stand von Ovicula.

Färberinnenlager von oben!

Färberinnenlager von oben!

Danke an alle, die die Burgmannentage organisiert und sie durch ihre Anwesenheit so gelungen gestaltet haben! Es hat riesigen Spaß gemacht und nächstes Jahr bringe ich den Rest der Vuozvolc- „Hauptstadtrepräsentanz“ mit, versprochen!

Foto: BKW, www.ig-mitima.de

Foto: BKW, www.ig-mitima.de