Und was trägt die Handmaid obendrauf so drunter? What’s under the veil?

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…nämlich oben auf dem Kopf unter Schleier und Haube?

In einem Kommentar hat Patricia gefragt, was ich denn unter meinen mittelalterlichen Kopfbedeckungen mit meinen Haaren mache.

Mit dem großen A wird es da natürlich wieder schwierig, denn wenn die Kopfbedeckung ihren Zweck erfüllt, bedeckt sie eben den Kopf und man kann bei den Damen auf der Abbildung/der Statue/… nicht erkennen, was sie „drunter“ trägt.
Später ändert sich das zumindest bedingt, als die Schläfenzöpfe in Mode kommen, die unter dem Schleier vorlugen und links und rechts das Gesicht einrahmen.

Aber fürs 13te bleibt wieder mal nur: gut raten, ausprobieren und weiterforschen 😉
I have been asked what I do with my (rather long) hari underneath my medieval headwear.

It is difficult to say what women of the 13thcentury actually wore theyr hair like. Since it is the purpose of a bonnet, veil or headscarf, to cover the hair, you wont see the hairdo under it on a picture/illumination/statuette…
In later centuries when fashion allows braids to frame the face on either side it is easier to reconstruct the haristyles, but for 13th century th motto remains: make an aducated guess, try around and keep on researching 😉

 1. Variante: Haarnetz
Ziemlich einfach ist es beim Haarnetz: da bleiben die Haare einfach offen. Die Herausforderung ist hier, bei kürzeren Haaren genug Volumen hinzukriegen und bei längerem Haar, die ganze Pracht da rein gestopft zu bekommen.
Damit das Gewicht der Haare das Netz nicht sofort herunter zieht, setze ich es beim Anlegen sehr weit vorne an, beuge den Kopf vor und stopfe die lose zusammengerollten Haare drunter.

Style 1: Hairnet
This is an easy one. No hairdo what so ever, just putting it in the net.
The challange here is to create enough volume, if your hair is short and to tuck all of it into the net if it is long and/or thick.
To prevent my hair’s weight from pulling the net into the nape of my neck, I start with the rim close to the eyebrows, bend my head foreward and tuck all the hair into the net.

Die Zwischenschritte sehen dann gerne mal etwas dämlich aus:
You might end up looking a bit silly mid-process 😉
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Dann binde ich es fest zu und schüttle vorsichtig den Kopf, damit sich die Haare im Netz verteilen. Diese Frisur muss definitiv ein bisschen „reifen“. In den ersten 5-10 Minuten hängt die Haarwulst eventuell noch etwas schief drin, aber das verteilt sich beim Tragen und sieht dann eher so aus:
I then tie the net and gently shake my head to make the hair fall in place. This style needs a moment to settle. In the first few minutes it might be a bit crooked, but usually it will even out after 5-10 minutes und look somewhat like this:
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2. Variante: gebundene Zopfkrone
Das ist die Frisur, die ich eigentlich immer wähle, wenn ich kein Haarnetz trage.
Style number 2: tied-up braids
This is my go-to hairstyle whenever I don’t wear a hairnet.

Vorteile:
– hält prima, kann jederzeit „nachgespannt“ werden
– alle Haare sind aus dem Weg, nichts kann irgendwo rauszipfeln
– wer französisch flechten kann, kann damit ggf auch einen Pony mit aus dem Sichtfeld schaffen.
– kommt ohne moderne Haargummis, Nadeln oder Spangen aus
– bietet eine Basis, an der Schleier etc direkt festgesteckt werden können.
– kann als Nachtfrisur einfach nach hinten gestreift werden, sind dann halt zwei Nachtzöpfe. Am nächsten Tag lassen sie sich wieder aufbinden. Sieht ja keiner, dass sie jetzt etwas zerfranst sind 😉

Pro’s:
– very durable can be easily adjusted
– all hair out of the way. No loose ends
– if you know how to french-braid, this is a good style to hide bangs
– no modern elastics, pins or ties necessary
– builds a base to which veils etc. can be pinned directly
– for the night just slide them off your head to the back and you have two simple braids for the night. The next day just re-tie them. No one will see if the are a bit ruffled under the headdress 😉

Nachteile:
– nicht wirklich belegt. Dreisträhnige einfache Zöpfe waren bekannt, da gibt es viele Bildnachweise, aber diese Konstruktion ist von mir
– erst ab einer gewissen Haarlänge geeignet, dann aber mit längeren Bändern ziemlich an jede Länge anpassbar
– man sollte zumindest englisch, besser noch französisch flechten können 😉

con’s:
– not proven to be period. simple three-strand-braids existed, there is plent of pictures. Put this particular style is made up by me.
– you need a certain minimum in hair-lenghth but then it is easy to adjust to any lenghth only by using longer or shorter ribbons.
– skills needed: braiding with 3 strands, even better if you know how to french braid.

Und so gehts!
(entschuldigt die teils unscharfen Bilder, ich übe noch mit dem Selbstauslöser und wollte nicht alles noch mal machen *seufz*)

Ihr braucht: Kamm/Bürste, zwei Wollbänder, Kordeln oder ähnliches. Länge müsst ihr ausrpobieren, das hängt von eurer Haarlänge ab.
Ich verwende schmale Streifen aus Wollstoff (die abgeschnittene Nahtzugabe von meinem roten Kleid), die sind etwa 1,20m lang.

How it is done!
(sorry for the somewhat blurry pictures. I am not yet friends with the new camera’s self-timer and didn’t want to do it all over again *sigh*)

You will need: comb/brush, two ribbons, cords or the like. The lenghth depends on the lenghth of your hair. You will have to try out what works for you. I use the trimmed seam-allowance from my red dress. It’s aproximately 120cm long.

  1. Haare in der Mitte scheiteln und kämmen oder bürsten
    Part hair in the middle, comb or brush to de-tangle.
    img_7094

2. jede Seite zu einem Zopf flechten (ich flechte französisch, also fast vom Scheitel an.) Nicht ganz bis runter flechten.
Braid each side.  I do a french braid so I start close to the crown of my head.)
Do not braid all the way down.

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3. Das Band doppelt nehmen, um die mittlere Strähne legen und dann zu den Haaren einer der äußeren Strähnen dazunehmen.
Zuende flechten und zuknoten.
Fold the ribbon in half, put around the middle strand and add it to the hair on one of the outer strands.
braid to the end and tie a knot.

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4. Den zweiten Zopf genauso flechten. (Ignoriert die Schleifchen, ich hatte ganz vergessen, dass ich die Bandenden ja zum zuknoten brauche. Löchriges Schwangerschaftshirn 😉  Ihr macht also nur einen normalen Knoten!)
Do the same on the other side. (Please ignore the bows. I forgot that I will need the long ends to tie the braids in the end. Blame it on the pregnancy-/Baby-brain 😉 Just tie a simple knot.
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5. Jetzt gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Die hängen von eurer Haarlänge ab und davon, was bei euch besser sitzt.
Ich kreuze die Zöpfe zuerst im Nacken, dann auf der Stirn und binde sie dann im Nacken zu.
Ihr könnt sie aber auch erst vorne kreuzen und dann hinten binden oder hinten kreuzen und auf der Stirn binden,…was immer für euch funktioniert.
Bei mir sieht es so aus:
The next step depends on the length of your hair and what feels better for you.
I first cross the braids in the nape, thencross them again on the forehead an d tie them in the nape.
You can just as well bring them to the forehead first, cross them there and tie them in the neck or cross in the back and tie on the forehead…try out what works for you.
This is what I do:

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Tadaaa!

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Daran kann jetzt zum Beispiel ein Schleier direkt festgesteckt werden…
You could now pin a vail directly to the braids…

Oder eine Haube, ein Haarsack, Tuch oder sonst was drauf gebunden.
Or wear your bonnet, cap, scarf, you name it,… on top.
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Was tragt ihr im Mittelalter so „oben drunter“? Ich freue mich auf eure Kommentare! 😀
What do you wear „underneath“ on the top? Feel free to leave a comment!

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  1. Hallo nochmals! Dafür sind meine Haare dann doch noch ein wenig zu kurz (noch brauche ich sowieso keinen Schleier, aber ich liebe die Idee der Frisur!), aber weißt du wie man gut die berüchtigten „Zopfschnecken“ hinbekommt, die man über den Ohren zusammendreht? Nach dem selben Prinzip, mit den Stoffstreifen vielleicht? In meinem Tailor’s Assistant steht nur, dass man die Zöpfe „feststecken“ sollte.
    Aber bei mir habe ich das bisweilen nicht einmal mit einfachen Haargummis hinbekommen, die ich ja so und so nicht verwenden will.
    LG! Patricia

    • Hallo Patricia!
      Schön, dass dir die Anleitung gefallen hat. Aber schriebst du nicht von taillenlangem Haar? Damit müsste das doch wunderbar gehen. Dann eben nicht zwei mal gekreuzt wie bei mir, sondern direkt nach vorne genommen und hinten geknotet oder so. Das sollte dann eigentlich nur eine Frage von ausreichend langen Bändern sein!

      Ich bin mir nicht ganz sicher, welche Zopfschnecken du meinst. Diese Prinzessin-Leia-artigen Crispinette-Dinger? oder die Schläfenzöpfe aus dem 14. Jhd.?
      Beides ist nicht meine Zeit, darum habe ich mich noch nciht damit beschäftigt, aber wenn du mir ein Bildbesipiel zeigen kannst, kann ich ja mal rumprobieren, ob mir was ohne moderne Hilfsmittel einfällt 🙂

      lG die Handmaid

      • Ja, taillenlang ist es, aber ganz herum geht es trotzdem nicht, nur bis zu den Ohren wieder. Aber da kann ich rumprobieren. Ich meine solche Leia Schnecken, die ich auch gelesen habe, um 1300 vorgekommen zu sein scheinen, zur Verbreiterung des Schleiers, oder auch zum seitlichen Ausfüllen des Haarnetzes. Habe das hauptsächlich bei Skulpturen und Buchmalereien gesehen, bin mir aber nicht so sicher, ob es doch ein wenig später war.
        LG

  2. Herzlichen Glückwunsch zum Schwangerschaftshirn!

    Ich hatte früher auch taillenlanges Haar, kam aber trotzdem nur einmal um den Kopf, wenn ich die Zöpfe seitlich geflochten und dann vorn gekreuzt habe. Das ist ja auch vom Verhältnis Kopfumfang zu Oberkörperlänge abhängig.

    Henriette

  3. Pingback: Reine Kopfsache – Alles rund um unsere Kopfbedeckungen

  4. Hallo, ich war jetzt schon auf einigen Seiten aber wollte trotzdem nocheinmal Meinung einholen. Ende des Sommers fahre ich mit einer Freundin drei Tage zum Mittelerdefest (Niederösterreich). Dresscode: Mitelalter. Ein einfaches Überkleid etc. hab ich alles schon von vor ein paar Jahren wie wir uns auf den Mittelaltermärkten herumgetrieben haben. Mittlerweile habe ich jetzt aber rote Haare (ziemlich offensichtlich nicht natürlich) da das nicht so zum „Look“ passt, bin ich auf der Suche nach einer Kopfbedeckung. (Damals waren sie auch offen weil ich mit 14 noch eher als Kind gegelten hab, während ich mit 20 im tatsächlichen Mittelalter wohl schon verheiratet wäre und Kinder hätte?)
    Wollte ich eine verheiratete Frau sein, wäre das ja nicht so schwer, weil die zum Teil ja völlig verschleiert waren. Da ich aber eher auf die Jungfrau aus dem einfachen Stand gehe, die soweit ich weiß schon garnicht verschleiert waren, wirds schon eher schwierig. ich dachte mir ich lasse den Ansatz auswachsen und binde dann die Haare in diesen Zopfkranz. Damit bräuchte ich nur noch was für „obendrauf“ um die Längen zu verdecken. Ich hatte dabei and etwa so eine Haube gedacht wie in dem letzten Bild. Passt soetwas zum „ledigen“ Familienstand und zu meinem Alter (20)? Irgendwelche Ideen? Ich bin handwerklich relativ geschickt, und kann mir viel selbst machen. Wollte jetzt aber doch noch etwas Expertise und Tipps einholen da ich jetzt nicht so der historische Experte bin und aber trotzdem zumindest halbwegs historisch akkurat bleiben möchte 😉
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!

    • Hallo liebe Manuela,

      schön, dass du hergefunden hast und dich informieren möchtest!
      Wenn das ein normales Mittelalterfest ist und der Dresscode nur „Mittelalter“ heißt, dann hast du ja einiges an Freiheiten, was de historische Akkuratesse angeht 😉

      Wegen des Standes: auch und gerade einfache Frauen haben ihren Kopf mit irgend etwas bedeckt. Ncht nur, um Sittsamkeit zu demonstrieren, sondern auch, um das Haar bei der Arbeit vor Staub und Dreck zu schützen.

      Was du da auf dem letzten Bild siehst, ist ein Haarsack, den ich mittlerweile aussortiert habe, weil ich keinen historischen Beleg dafür habe, aber für deine Zwecke vielleicht ganz praktisch. Es ist im Grunde ein zungenförmiges Stück Stoff. An die kurze gerade Kante ist ein Band genäht, das zwei Mal um den Kopf herum reicht. Du legst das Tuch einfach auf den Kopf mit dem Band auf der Stirn, schlägst es im Nacken ein und wickelst das Band um den Kopf und bindest es zu.
      Ist das einigermaßen verständlich? ^^

      Wenn du dir ein bisschen mehr Näharbeit machen willst, google mal „Brigittahaube“ oder „Haube der heiligen Brigitta“. Das ist eine hochmittlelalterliche Kopfbedeckung, wie man sie vor allem in einer französischen Quelle sehr häufig bei arbeitenden Frauen sieht!

      Ich wünsche dir ganz viel Spaß auf dem Fest

      Gerda

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