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Sonnengelbe neue Strümpfe!

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Der Mann an meiner Seite nennt sie meine „Bibo-Beine“, ich nenne sie „ich hätte dünneren Stoff nehmen sollen“.
Für den Rest dieses Artikels nennen wir sie „hochmittelalterliche Strümpfe“. 🙂

My Darling calls them „BigBird’s-legs“, I call them „Should’ve used thinner fabric“.
For this post let’s call them „high medieval stockings“ 🙂

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Wie hier schon einmal beschrieben, waren Strümpfe oder Beinlinge für Frauen im Hochmittelalter häufig aus Wollstoff genäht.
Die braunen Strümpfe, über die ich dort schrieb haben mittlerweile zwei ‚Makel‘:
1.: die Form mit Tunnelzug und durchgezogenem Band habe ich nirgendwo mit Abbildungen oder ähnlichem belegen können
2.: sie sind aus Versehen in der Waschmaschine gelandet und jetzt ganz aparte Filzstiefelchen in Größe 36 *heul*
So oder so mussten neue her.
Diesmal etwas akkurater: sie reichen nicht mehr bis unter sondern eine gute Handbreit über das Knie. Darunter werden sie mit einer fingergeloopten (gefingerloopten? gefinger-geloopten?…) Wollkordel gehalten. Ansonsten ist der Schnitt genau so wie hier beschreiben, nur eben nach oben ein gutes Stück länger und ohne Tunnelzug.

As I have already described here, stockings or hose for women in the high MIddle Ages were often sewn from woolen cloth.
The there described brown stockings have two „flaws“ by now:

1. I couldn’t find any proof in pictures or else for the use of drawstring casings.
2. I exidentally threw them in the washing machine and now no longer have stockings but nice little felted boots fit for a 10 year old *sob*

Either way: I needed new ones!
This time more historically accurate: instead of ending below the knee they now go all the way up to a hand above the knee.
Under the knee they are secured with a finger-looped cord.
The rest of the pattern is the same as described here, just as I said longer and without the drawstring casing.

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Der Stoff ist mit Birke gelb gefärbter Wollköper. Für den Sommer hätte er vielleicht ein bisschen leichter sein können, aber so sind die Beene wenigstens auch abends warm.
Mückensicher ist der Stoff übrigens nicht, wie ich im Museumsdorf Düppel dieses Wochenende am eigenen Leib erfahren musste *kratzkratzkratz*

The fabric is woolen twill dyed with birch leaves. For summertime I could have used a bit lighter fabric, but this way at least my legs will stay warm in the cooler evenings as well 😉
By the way: the fabric may be warm but it’s not mosquito-safe as I had to learn this weekend in Düppel open-air museum

Aber man kann ganz herrlich damit posieren!
But they are perfect to pose in!
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Dank an Shermin vom Fiberspace für die tollen Bilder!
Thanks to Shermin from Fiberspace for the awesome pictures!

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Mittelalter-Cotte; ein Zwischenstand

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Mittlerweile hat sich einiges getan! Mein Oberkleid (auch Cotte oder Cotta genannt) aus der herrlichen birkendunkelgrünen Wolle von www.naturtuche.de geht ihrer Vollendung entgegen!
Damit ist dann nach dem Unterkleid der zweite wichtige Teil meiner Gewandung vorhanden.

Stoff: Wollköper (Gleichgratköper), chemisch gefärbt aber in einem sehr naturgetreuem Farbton der bei Färbung mit Birkenblättern und Eisenoxid erreicht werden kann. Gekauft bei www.naturtuche.de

Nähgarn: Kettfäden des Wollstoffes, die ich aus Verschnittstücken gezogen habe.

Schnitt:
-gerade Vorder- und Rückbahn,
-seitliche Gehren, jeweils in knapp Bahnbreite aus zwei Dreiecken zusammengesetzt, eingesetzt ab Achsel/Ärmelloch
– Schlüssellochausschnitt (relativ hochgeschlossen)
– Schlupfärmel, nach unten verjüngend, kein Verschluss

Techniken: komplett von Hand genäht (mit moderner Nähnadel und Stecknadeln); Heftstich und Überwendlingstich zum Versäubern

Fotooooos! Ich habe den Versuch aufgegeben, den Farbton des Stoffes richtig einfangen oder per Bildbearbeitung rausbringen zu wollen. Je nach Licht sieht er immer wieder ein bisschen anders aus.

Es geht los: der erste Schnitt! (tiiieef durchatmen…)

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erstmal zusammenstecken und gucken, ob alles einigermaßen passt!
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Weil die Stecknadeln aber gerne raus fallen und ich eine festere Verbindung brauchte, insbesondere um Schnitt und Sitz der Ärmel zu bestimmen, habe ich alle Teile mit einem weißen Leinenfaden grob  zusammengeheftet

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Dann geht es ans eigentliche Nähen. Als Faden habe ich Kettfäden benutzt, die ich aus Verschnittstücken gezogen habe. Auf der linken Seite ist die Webkante zu erkennen. Kettfäden sind dann die Fäden, die parallel zu dieser Kante verlaufen. Sie sind meist reißfester als die Schussfäden. Da man mit zu langen Fäden nicht vernünftig arbeiten kann (der Faden verknotet leicht und reißt auch schneller, weil er öfter durch den Stoff gezogen und damit belastet wird), habe ich jeweils meine Nähfäden aus einem etwa 30cm langen Stück gezogen. Damit komme ich gut zurecht.
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Ab und zu muss man die entstehenden losen Schussfäden kürzen, es ist sonst sehr mühselig, den Kettfaden herauszuziehen.
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Die einzelnen Teile des Kleides werden zunächst im Vorstich rechts auf rechts zusammengenäht. Die weißen Heftfäden habe ich drin gelassen, das ersparte mir erstens die Verwendung von Stecknadeln und gab mir eine Orientierung für den Nahtverlauf. Auf dem Bild unten habe ich mal versucht zu zeigen, wie groß die Abstände zwischen den Stichen sind. An der fertigen Naht sieht man das nachher kaum noch, weil der Faden sich so in den Stoff einpasst. Tatsächlich kann man einiges an Zeit sparen, wenn man fünf oder sechs Stiche gleichzeitig auf die Nadel nimmt. Die Stecknadel dient zum Größenvergleich.
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Die Nahtzugaben werden dann rechts und links der Naht zweimal umgefaltet und mit dem Überwendlingstich versäubert. Ich nehme dazu nur einen oder zwei Fäden aus dem Stoff auf und nur ein paar mehr Fäden aus der Nahtzugabe.
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Zur Orientierung: Wir sind auf der linken (inneren) Seite des Kleides. Unter meinem Fingernagel geht die Vorstichnaht lang, nach rechts ist die Nahtzugabe zweimal umgefaltet und wird jetzt mit Stecknadeln fixiert und dann angenäht.
Auf dieser wunderbaren Grafik wäre das Abbildung 14 (Quelle: www.familia-ministerialis.de )

So sieht die Naht dann fertig aus (von der linken -inneren- Seite):
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Die Säume am Ausschnitt und an den Ärmelöffnungen habe ich ebenfalls zweimal nach innen umgeschlagen (aber schmaler) und mit dem Überwendlingstich versäubert.
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(gemerkt? In der Zwischenzeit sind meine Gel-Nägel verschwunden! Zurück zu Natur pur 😉 )

Alles zusammengenäht und zum Großteil versäubert, jetzt fehlten noch die Ärmel.
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Ich will ja Schlupfärmel einsetzten, die nur auf der hinteren Hälfte mit dem oberen Teil des KLeides vernäht sind, vorne aber nicht. Dadurch kann man aus den Ärmeln schlüpfen und sie hinten in den Gürtel stekcen. Dann sind sie bei schmutzigen oder nassen Arbeiten aus dem Weg und an heißen Tagen kann frau sich etwas Abkühlung verschaffen.
So sieht das dann aus:
(Das ist immer noch ein Zwischenschritt. Die Ärmelausschnitte sind noch nicht komplett versäubert und der Gürtel ist ein modernes Modell, das nur für den Moment Form verleihen soll.)
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Zwischendurch habe ich auch einen Fürspan erstanden, der den Schlüssellochauschnitt am Hals verschließt:
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So weit, so Oberkleid.Wegen eines Gürtels bin ich mit einem Menschen in Kontakt, der selbst in der Mittelalterszene unterwegs ist, und mir im Tausch gegen anderes Selbstgemachtes einen einfachen gürtel für meine Darstellung fertigen wird! Außerdem sind mein meine Schuhe angekommen, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andernmal hier erzählt werden 😉