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Pinata-Steckbrief Wollwimpel

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Was die Gewandungs-Pinata ist, erfahrt ihr hier.

Woll-Wimpel

–> Diskussion im http://www.Mittelalterforum.com über diesen Wimpel
Material:
Woll-Musselin/Etamine de Laine vom Färbehof. 80g/m². Naturweiß
Schnitt:  rechteckig, etwa 1,50m x 0,50m
Beleg: nur für die Form der Kopfbedeckung (z. Bsp. Bible Moralisée). Aus diesem Material aber bei jemandem abgeguckt und nicht hinterfragt.

Bekannte Schwächen:
– kein Beleg für Wolle als Material für einen Wimpel
– der Stoff ist sehr fein, wahrscheinlich zu fein für so eine einfache Darstellung?

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Und was trägt die Handmaid obendrauf so drunter? What’s under the veil?

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…nämlich oben auf dem Kopf unter Schleier und Haube?

In einem Kommentar hat Patricia gefragt, was ich denn unter meinen mittelalterlichen Kopfbedeckungen mit meinen Haaren mache.

Mit dem großen A wird es da natürlich wieder schwierig, denn wenn die Kopfbedeckung ihren Zweck erfüllt, bedeckt sie eben den Kopf und man kann bei den Damen auf der Abbildung/der Statue/… nicht erkennen, was sie „drunter“ trägt.
Später ändert sich das zumindest bedingt, als die Schläfenzöpfe in Mode kommen, die unter dem Schleier vorlugen und links und rechts das Gesicht einrahmen.

Aber fürs 13te bleibt wieder mal nur: gut raten, ausprobieren und weiterforschen 😉
I have been asked what I do with my (rather long) hari underneath my medieval headwear.

It is difficult to say what women of the 13thcentury actually wore theyr hair like. Since it is the purpose of a bonnet, veil or headscarf, to cover the hair, you wont see the hairdo under it on a picture/illumination/statuette…
In later centuries when fashion allows braids to frame the face on either side it is easier to reconstruct the haristyles, but for 13th century th motto remains: make an aducated guess, try around and keep on researching 😉

 1. Variante: Haarnetz
Ziemlich einfach ist es beim Haarnetz: da bleiben die Haare einfach offen. Die Herausforderung ist hier, bei kürzeren Haaren genug Volumen hinzukriegen und bei längerem Haar, die ganze Pracht da rein gestopft zu bekommen.
Damit das Gewicht der Haare das Netz nicht sofort herunter zieht, setze ich es beim Anlegen sehr weit vorne an, beuge den Kopf vor und stopfe die lose zusammengerollten Haare drunter.

Style 1: Hairnet
This is an easy one. No hairdo what so ever, just putting it in the net.
The challange here is to create enough volume, if your hair is short and to tuck all of it into the net if it is long and/or thick.
To prevent my hair’s weight from pulling the net into the nape of my neck, I start with the rim close to the eyebrows, bend my head foreward and tuck all the hair into the net.

Die Zwischenschritte sehen dann gerne mal etwas dämlich aus:
You might end up looking a bit silly mid-process 😉
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Dann binde ich es fest zu und schüttle vorsichtig den Kopf, damit sich die Haare im Netz verteilen. Diese Frisur muss definitiv ein bisschen „reifen“. In den ersten 5-10 Minuten hängt die Haarwulst eventuell noch etwas schief drin, aber das verteilt sich beim Tragen und sieht dann eher so aus:
I then tie the net and gently shake my head to make the hair fall in place. This style needs a moment to settle. In the first few minutes it might be a bit crooked, but usually it will even out after 5-10 minutes und look somewhat like this:
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2. Variante: gebundene Zopfkrone
Das ist die Frisur, die ich eigentlich immer wähle, wenn ich kein Haarnetz trage.
Style number 2: tied-up braids
This is my go-to hairstyle whenever I don’t wear a hairnet.

Vorteile:
– hält prima, kann jederzeit „nachgespannt“ werden
– alle Haare sind aus dem Weg, nichts kann irgendwo rauszipfeln
– wer französisch flechten kann, kann damit ggf auch einen Pony mit aus dem Sichtfeld schaffen.
– kommt ohne moderne Haargummis, Nadeln oder Spangen aus
– bietet eine Basis, an der Schleier etc direkt festgesteckt werden können.
– kann als Nachtfrisur einfach nach hinten gestreift werden, sind dann halt zwei Nachtzöpfe. Am nächsten Tag lassen sie sich wieder aufbinden. Sieht ja keiner, dass sie jetzt etwas zerfranst sind 😉

Pro’s:
– very durable can be easily adjusted
– all hair out of the way. No loose ends
– if you know how to french-braid, this is a good style to hide bangs
– no modern elastics, pins or ties necessary
– builds a base to which veils etc. can be pinned directly
– for the night just slide them off your head to the back and you have two simple braids for the night. The next day just re-tie them. No one will see if the are a bit ruffled under the headdress 😉

Nachteile:
– nicht wirklich belegt. Dreisträhnige einfache Zöpfe waren bekannt, da gibt es viele Bildnachweise, aber diese Konstruktion ist von mir
– erst ab einer gewissen Haarlänge geeignet, dann aber mit längeren Bändern ziemlich an jede Länge anpassbar
– man sollte zumindest englisch, besser noch französisch flechten können 😉

con’s:
– not proven to be period. simple three-strand-braids existed, there is plent of pictures. Put this particular style is made up by me.
– you need a certain minimum in hair-lenghth but then it is easy to adjust to any lenghth only by using longer or shorter ribbons.
– skills needed: braiding with 3 strands, even better if you know how to french braid.

Und so gehts!
(entschuldigt die teils unscharfen Bilder, ich übe noch mit dem Selbstauslöser und wollte nicht alles noch mal machen *seufz*)

Ihr braucht: Kamm/Bürste, zwei Wollbänder, Kordeln oder ähnliches. Länge müsst ihr ausrpobieren, das hängt von eurer Haarlänge ab.
Ich verwende schmale Streifen aus Wollstoff (die abgeschnittene Nahtzugabe von meinem roten Kleid), die sind etwa 1,20m lang.

How it is done!
(sorry for the somewhat blurry pictures. I am not yet friends with the new camera’s self-timer and didn’t want to do it all over again *sigh*)

You will need: comb/brush, two ribbons, cords or the like. The lenghth depends on the lenghth of your hair. You will have to try out what works for you. I use the trimmed seam-allowance from my red dress. It’s aproximately 120cm long.

  1. Haare in der Mitte scheiteln und kämmen oder bürsten
    Part hair in the middle, comb or brush to de-tangle.
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2. jede Seite zu einem Zopf flechten (ich flechte französisch, also fast vom Scheitel an.) Nicht ganz bis runter flechten.
Braid each side.  I do a french braid so I start close to the crown of my head.)
Do not braid all the way down.

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3. Das Band doppelt nehmen, um die mittlere Strähne legen und dann zu den Haaren einer der äußeren Strähnen dazunehmen.
Zuende flechten und zuknoten.
Fold the ribbon in half, put around the middle strand and add it to the hair on one of the outer strands.
braid to the end and tie a knot.

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4. Den zweiten Zopf genauso flechten. (Ignoriert die Schleifchen, ich hatte ganz vergessen, dass ich die Bandenden ja zum zuknoten brauche. Löchriges Schwangerschaftshirn 😉  Ihr macht also nur einen normalen Knoten!)
Do the same on the other side. (Please ignore the bows. I forgot that I will need the long ends to tie the braids in the end. Blame it on the pregnancy-/Baby-brain 😉 Just tie a simple knot.
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5. Jetzt gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Die hängen von eurer Haarlänge ab und davon, was bei euch besser sitzt.
Ich kreuze die Zöpfe zuerst im Nacken, dann auf der Stirn und binde sie dann im Nacken zu.
Ihr könnt sie aber auch erst vorne kreuzen und dann hinten binden oder hinten kreuzen und auf der Stirn binden,…was immer für euch funktioniert.
Bei mir sieht es so aus:
The next step depends on the length of your hair and what feels better for you.
I first cross the braids in the nape, thencross them again on the forehead an d tie them in the nape.
You can just as well bring them to the forehead first, cross them there and tie them in the neck or cross in the back and tie on the forehead…try out what works for you.
This is what I do:

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Tadaaa!

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Daran kann jetzt zum Beispiel ein Schleier direkt festgesteckt werden…
You could now pin a vail directly to the braids…

Oder eine Haube, ein Haarsack, Tuch oder sonst was drauf gebunden.
Or wear your bonnet, cap, scarf, you name it,… on top.
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Was tragt ihr im Mittelalter so „oben drunter“? Ich freue mich auf eure Kommentare! 😀
What do you wear „underneath“ on the top? Feel free to leave a comment!

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Kopfputz!

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Meine erste Mittelaltergewandung geht langsam aber sicher ihrer Vollendung entgegen!

Ok, das war gelogen. So ein Projekt ist nie wirklich beendet und eine Gewandung nie wirklich vollendet, soviel habe ich über dieses Hobby mittlerweile gelernt 😉
Aber mittlerweile habe ich fast alle Teile beisammen, die frau braucht, um für’s beginnende 14. Jhd vernünftig angezogen zu sein.
Neben dem Unterkleid und der Cotte sind das Strümpfe (in diesem Fall aus Wollstoff genäht), Gürtel und Schuhe (die konnte ich nicht selber machen, aber ich habe sie!) und vor allem: was auf’m Kopp.
Als nicht mehr ganz taufrische „Thirtysomething“, die mit allergrößter Wahrscheinlichkeit verheiratet war, wäre ich um 1300 niemals nicht mit unbedecktem Haar aus dem Haus gegangen. Das war zum einen dem Schutz der Haare vor Schmutz und Staub, zum anderen der Sittenstrenge des katholischen Hochmittelalters geschuldet.

Kopfbedeckungen für die Frau gab es in vielerlei Ausführungen und es wurde von berufenerer Stelle¹ schon viel darüber geschrieben, darum will ich mich jetzt hier nicht darüber verbreiten. Viel lieber stelle ich statt dessen meinen persönlichen Kopfputz für alle Gelegenheiten vor!

Material:

Alle hier vorgestellten Kopfbedeckungen habe ich aus leichtem weißen Leinenstoff genäht, den ich bei einem Stoffgroßhändler in Berlin erstanden habe.
Leider musste ich feststellen, dass meine übliche Taktik, herausgezogene Kettfäden aus dem Stoff als Nähfaden zu verwenden, hier nicht funktioniert hat. Die Fäden sind andauernd gerissen und die Naht machte keinen wirklich stabilen Eindruck.
Von meinem Untergewand hatte ich noch weißes Leinengarn übrig, dass aber für den feineren Stoff des Kopftuches viel zu stark und bockig war. Darum habe ich jeweils eine Länge Nähfaden abgeschnitten und aufgespleißt. Das Garn ist 6fach verzwirnt, so dass ich nun zwei 3fädige Fäden hatte. Das passte viel besser und ließ sich wunderbar verarbeiten.

Techniken:

Da alle drei Teile im Grunde nur Tücher mit mehr oder weniger simplem Zuschnitt sind, braucht es keine großen Nähfähigkeiten. Sie werden nur zugeschnitten und -von Hand- gesäumt.
Zum Säumen habe ich mich zum ersten mal an einem Rollsaum versucht. Hier ist die hohe Knitteranfälligkeit von Leinenstoff mal ein wirklicher Vorteil: Wenn man die Stoffkante zwischen den Fingern einrollt (geht am besten mit ganz leicht befeuchteten Fingern), bleibt der Stoff nahezu in dieser Position und man spart sich die Verwendung von Stecknadeln.

Einfach und praktisch: das Kopftuch

Als Gattin eines Handwerkers in der jungen Stadt Berlin gab es eine Menge Arbeit in Haus und Werkstatt. Die Kopfbedeckung für den Alltag musste daher vor allem eins sein: praktisch.
Ein Kopftuch schützt das Haar vor Staub und Dreck, verhindert, dass sich lösende Strähnen ins Gesicht fallen und bedeckt außerdem ausreichen züchtig die Haarpracht.
Es ist schnell umgebunden, frau braucht weder Nadeln noch Schapel oder ähnliche Fummelei und das ungefärbte Leinen kann zum Waschen problemlos ausgekocht werden.
Größe, Schnitt und Bindeweise des Kopftuches können sich erheblich unterscheiden. ich habe mich für einen einfachen dreieckigen Zuschnitt entschieden.
Die lange Seite ist ziemlich genau einen Meter lang, die Höhe zur Spitze beträgt 68cm.
Gebunden ist es wie gesagt sehr fix: mit der langen Seite zur Stirn auf den Kopf legen, dabei den Saum ein wenig umschlagen. die Enden im Nacken knoten, wieder nach vorne führen (dabei leicht eindrehen), kreuzen und unter den entstandenen Wulst stecken.


Die Ecke, die im Nacken hängt wird unter den Dutt bzw. den Knoten gesteckt.
Wie gesagt: es gibt dutzende Arten, ein Kopftuch zu binden. Diese gefällt mir, weil sie schnell geht, gut hält und durch den umgeschlagenen Rand mit den drunter gestopften Spitzen nicht so sehr nach „Piratenkopftuch“ aussieht. Ist einfach etwas lockerer von der Optik. Außerdem gibt es so keine Spitzen, die einem vor der Nase baumeln können, wenn man sich nach vorne beugt.

Darfs etwas züchtiger sein? Der Wimpel

Im Gegesatz zum Kopftuch bedeckt der Wimpel nicht nur das Haar sondern den ganzen Kopf inklusive Hals und -je nach Schnitt- das Décolleté, so dass nur das Gesicht frei bleibt.
Das ist auf der einen Seite natürlich noch viel züchtiger und anständiger als ein einfaches Tuch. Auf der anderen Seite wärmt die größere Stoffmenge auch 😉

Nach dieser Anleitung von Tempora Nostra habe ich einen Wimpel wie unter „Wimpel Variante 2“ zugeschnitten.
Das ganze Ding ist 170cm lang, an der breiten Seite 43cm hoch und läuft -abweichend vom TN-Schnitt- ab etwa 63cm komplett spitz aus.

Mit dem Wimpel bin ich noch nicht ganz zufrieden. Entweder ist er etwas knapp bemaßt, ich noch zu ungeübt im Wickeln oder ich muss mir eine andere Frisur darunter überlegen. Jedenfall finde ich ihn etwas knapp. Insbesondere am Hals ist bei mir deutlich weniger Stoff als auf der Abbildung von Tempora Nostra. (Auf dem Bild seiht man auch, dass mir die Ecke auf der linken Seite am Kinn rausgerutscht ist.)
Ich werde noch ein bisschen üben und mal mit unterschiedlichen Frisuren experimentieren, vielleicht gibt sich das dann.
(Bei allen hier gezeigten Fotos hatte ich meine -taillenlangen- Haare im Nacken zu einem Knoten (Winding Bun) geschlungen und mit einem kurzen Stab festgesteckt.)

Eher ein Kombi-Teil: Der Schleier

Während der Schleier von besseren Gesellschaftschichten auch ’solo‘, gehalten von Nadeln oder Schapel, getragen wurde, würde ich bei einer Handwerkerin eher darauf setzen, dass er in Kombination mit einem Wimpel oder sogar einem Gebende getragen wurde.
Ich verwende ihn zusammen mit dem Wimpel, weil der mir alleine optisch einfach nicht so richtig gut gefällt. Das Zusammenspiel von Wimpel und Schleier ist schon ziemlich anständig, schmeichelt dem Gesicht durch den weicheren Fall aber deutlich mehr als der reine -ziemlich strenge- Wimpel, finde ich.
(Und niemand hat gesagt, dass ich mich in Gewandung nicht auch schick fühlen darf, richtig? 😉 )


Schleier konnten rechteckig, (halb-)rund oder (halb-)oval sein. Wegen des schöneren Falls habe ich mich für letztere Variante entschieden.
Die gerade Seite misst 100cm, an der höchsten Stelle der Rundung sind es etwa 62cm.
Der Schleier wird mit der gearden Seite richtung Stirn auf den Kopf gelegt, eventuell etwas eingeklappt, um sich besser dem Kopf anzupassen, und dann mit Nadeln festgesteckt. ich verwende momentan noch möglichst unauffällige moderne Stecknadeln, möchte mir aber noch originalgetreue Gebende-/Schleiernadeln aus Messing zulegen.

 

¹zum Beispiel :
http://www.tempora-nostra.de/kopfbedeckungen_frauen.shtml  (guter Überblick über versch. Formen, inklusive Abbildungen, Quellen und Anleitungen)
http://wh1350.at/literatur-und-quellen/kopftuecher-haarsaecke-und-hauben/  (Tolle Quellensammlung zu Abbildungen von Kopfbedeckungen!)