Schlagwort-Archive: Nähen

Pinata-Steckbrief Nadelrolle

Standard

Was die Gewandungs-Pinata ist, erfahrt ihr hier

Nadelrolle

–> Blogpost

Material:
Wollstoff, mit Birke gelb gefärbt (ein Reststück meiner Strümpfe)
ungefärbtes grobes Leinen
Wollgarn (pflanzengefärbt) in rot und grün

Quelle: gar keine. Aus rein praktischen Überlegungen gefertigt und bisher noch keine Zeit gefunden, eine belegbare Alternative zu suchen.

Bekannte Schwächen: siehe oben: kein Beleg. Denkbar wäre es zwar, Stoffreste für so etwas zu verwenden, aber das ist Theorie. Außerdem könnte die Stickerei etwas übertreiben sein, obwohl sie relativ grob und nur mit Wollgarn gemacht ist. Die Stickstiche sind auch nicht wirklich recherchiert. Die Ranken sind im Kettstich, die Blüten in einer Art Plattstich ziemlich frei Schnauze gemacht.

Pinata-Steckbrief grünes Schlupfärmelkleid

Standard

Was die Gewandungs-Pinata ist, erfahrt ihr hier

Grünes Schlupfärmelkleid

–> Blogpost
–> mehr Fotos (mit noch teilweise unpassenden Accessoirs)
–> Umarbeitung zum Stillkleid

Material:
Wollköper, chemisch gefärbt. („feine birkengrüne Wolle“ von Naturtuche)

Schnitt: bequemes weites Schlupfärmelkleid. Seitengehren ab Armloch. Knapp bodenlang
Quelle: Schlupfärmelkleider finden sich unter anderem in der Maciejowski-Bibel, im Goslaer Evangeliar, der Bible moralisée und auf Relieffiguren am Straßburger Münster
bekannte Schwächen:
– Der Stoff ist nicht pflanzengefärbt.
– Außerdem gibt es eine Ungenauigkeit bei der Trageweise: Wenn ich die Ärmel ausziehe, stecke ich sie hinten in den Gürtel, damit sie nicht im Weg sind.
Auf allen(!) Abbildungen, die ich kenne, werden die Ärmel aber im Nacken bzw. auf dem Rücken verknotet edit: oder hängen einfach lose über den Rücken. Bei mir hält das nicht, außerdem finde ich es unpraktisch, auf meinem Rücken einen Knoten zu nesteln, wenn ich die Ärmel mit einem Griff hinter den Gürtel stecken könnte. Vielleicht ist der Schnitt doch ein anderer?
– die Öffnung zum Stillen samt den Bändern ist eine Interpretation von mir und so nicht belegbar.

Pinata-Steckbrief blaue Sommercotta

Standard

Was die Gewandungs-Pinata ist, erfahrt ihr hier

Blaue Sommercotta

–> Blogartikel

Material: Wollköper (gleichgrat), Indigo-Einfachfärbung, 270g/m² von Färbehof
Schnitt: 
– gerade Vorder- und Seitenbahn, Seitengehren ab etwas oberhalb der Taille
– nicht ganz bodenlang
– Ärmel mit Quadratischen Zwickeln unter dem Arm
– Ärmel vorne so eng, dass man ohne Knöpfe gerade noch rein kommt
Quelle: Schnitt grob nachempfunden dem Kleid der heiligen Elisabeth. Blaue Kleider für Frauen finden sich zum Beispiel in der Maciejowski-Bibel (Frankreich, ich weiß).
Bekannte Schwächen:
– der Ausschnitt ist zu weit geraten. Für unsere Zeit sollte er eher sehr halsnah sein. Außerdem schaut so das Unterkleid raus. Wenn jemand eine Idee hat, wie sich das sinnvoll ändern lässt: lasst es mich gerne wissen!
– der Stoff ist sehr leicht. Ich bin am Überlegen, ob das zur gewählten Darstellung passt, oder ein bisschen arg fein ist.
– die Ärmel sitzen nicht ganz so, wie ich das gerne gehabt hätte. Auf den Abbildungen sehen sie keuelnförmiger aus. ein längerer Keil auf der Rückseite hätte wohl besser funktioniert als ein Quadrat unter dem Arm.
– ich bin noch am Recherchieren zu Rocklängen. Das Kleid ist nicht gnaz bodenlang, was ich für eine arbeitende Frau sinnvoll fand. Andererseits weist Katrin Kania in ihrem Buch darauf hin, dass mindestens bodenlange Kleider nicht nur wenig nach- sondern auch gewisse Vorteile haben und außerdem die gängigen Abbildungen eher dafür sprechen.

Gewandungs-Pinata!

Standard

„Ge-Was?“
Gewandungs-Pinata! Wie man eine Pinata mit einem Stöckchen in der Luft zerschlägt um es Süßigkeiten regnen zu lassen, lade ich herzlich dazu ein, meine Gewandung (und restliche Ausstattung) konstruktiv in der Luft zu zerreißen, so dass es hoffentlich A-nspruch und eine verbesserte Darstellung regne! 😀

„Wie soll das gehen?“
Ich werde hier Stück für Stück kurze Steckbriefe meiner Ausrüstungsgegenstände zusammenstellen (immer so, wie der Nachwuchsreenactor mich lässt). Sofern vorhanden werde ich auf den entsprechenden Blogartikel verlinken. Ich werde zeigen, nach welchen Quellen ich gearbeitet habe, wo meiner Meinung nach Lücken sind und wo ich mir unsicher bin.
In den Kommentaren hier im Blog oder gerne auch bei Facebook, wo ich die Artikel verlinken werde, darf dann nach Herzenslust gekrittelt werden. 😉
Ich freue mich über jeden Hinweis, wo ich einer Fehlinformation aufgesessen bin, wo ich es mir zu leicht oder zu schwer gemacht habe, aber selbstverständlich auch über Hinweise, wo fehlende Belege zu finden sein könnten, Empfehlungen zu Bezugsquellen für athentischere Alternativen etc.
Dass das nur in höflicher und konstruktiver Form funktionieren kann, brauche ich wohl nicht zu betonen.

„Ort? Zeit? Stand?“

Wichtige Fragen, um die Klamotte einschätzen zu können! Wir bewegen uns in der Mark Brandenburg/frühen Stadt Berlin n der Mitte des 13. Jahrhundert.
Darstellung ist eine Magd im Reiselager eines landlosen Ritters. (Siehe die Beschreibung der Darstellung der Brandenburgunder hier . )

„Wie kommt man auf so was?“

Durch den gnadenlosen Blick von außen und harmlose Fragen! Mit jedem Menschen, sei es ein Besucher bei einer Veranstaltung oder ein/e AnfängerIn im Hobby, mit denen ich mich unterhalte, stelle ich meine eigene Beleglage auf den Prüfstein. Denn mehr als einmal musste ich passen bei der Frage nach einem genauen Beleg.
Vieles ist recherchiert und gut belegbar. Anderes habe ich gemacht, weil es praktisch war, weil man es bei jemand anderem so gesehen und übernommen hat, oder weil es -seien wir ehrlich- „alle so machen“!
Da schleichen sich ganz schnell fiese Fehler ein, die ich jetzt Stück für Stück ausmerzen möchte.

„Klasse Idee! Kann ich mitmachen?“

Natürlich! Wer seine Ausstattung auch der „peer Review“ unterziehen möchte, darf die Idee gerne kopieren. Wenn ihr mir einen Hinweis zukommen lasst, verlinke ich gerne auf eure Seiten!

„Fein, auf geht’s! Zeig mal her, den Kram!“

Hier die Links zu den Steckbriefen. (Wird laufend erneuert.)

–> Steckbrief Unterkleid

–> Steckbrief blaue Sommercotta

–> Steckbrief grünes Schlupfärmelkleid

–> Steckbrief Nadelrolle

Lady in red…

Standard

…ist zwar keine wirkliche Lady, sondern die Magd eines Adligen im Sonntagsstaat, aber schön ist mein neues rotes Kleid trotzdem! 🙂
…is not actually a Lady but a nobleman’s maidservant in her sunday best, but still my new red dress is soooo beautiful!

IMG_20160508_143422

Vor über einem Jahr habe ich das Rauchen aufgegeben! Eine App, die ich mir zur Unterstützung besorgt hatte, hat mir genau ausgerechnet, wieviel Geld ich seit dem gespart habe. Eine ganze Menge O.O
Darum habe ich beschlossen, mir zur Feier von einem Jahr Rauchfreiheit etwas besonderes zu gönnen und habe Stoff für eine neue Cotte bestellt.
More than a year ago I quit smoking! FOr support I downloaded an app which added up exactly how much mone I was saving by not spending it on cigarettes. Which was a lot O.O
So I decided to give myself a treat for one smokefree year and ordered fabric for a new cotta.

Kein Arbeitskleid, sondern eins „für gut“. So wie meine blaue Cotte, aber aus wärmerem Stoff, so dass ich sie auch auf den Veranstaltungen im Frühjahr oder Herbst tragen kann, ohne zu frieren.
Also keine Schlupfärmel, sondern modisch enge Ärmel, aber oben so weit, dass ich mich noch bewegen kann. Und in einer schönen kräftigen Farbe. keine ganz teure Doppelfärbung, das wäre nicht standesgemäß, die Wahl fiel schließlich auf ein richtig kräftiges Krapprot!
Not a working-day dress this time, but for sundays or special occasions. Just like my blue cotta, but made from warmer cloth so I cuold wear it on spring or autumn-events without getting cold.
No workdress, so no slip-out-of-sleeves but chic narrow ones. And a nice bright colour. Not too fancy -still a working class girl-, I decided for a really strong madder-dye.

Farbe
Färberin meines Vertrauens ist Manuela von Ovicula. Sie hat es geschafft, die weiche angeraute Woll-Leinwand, die bei ihr unter dem passenden Handelnamen „Flauschi“ läuft in ein -sorry- richtig geiles Orangerot zu tauchen. Nicht karottig, sondern…Curryketchuprot. Mit einem goldenen Unterton, der in der Sonne richtig leuchtet! Eine wundervolle Farbe!
Colour
My favourite dyer is Manuela from Ovicula. She gave this plain-weave wool she sells as „Flauschi“ –> „Fluffy“ an astonishing bright orange-red-dye. Not carrot-like orange but like curryketchup, with a golden tone to it that really shines in the sun. I live the colour!

wp-1462791504808.jpg

Work in Progress

Schnitt
Der Schnitt der Cotte ist im Grunde der gleiche wie bei meinen anderen Kleidern auch: gerade Voerder- und Rückenbahn mit leichten Ärmelausschnitten vorne, Seitengehren ab Taille, halsnaher runder Ausschnitt mit kleinem Schlitz.
pattern
The pattern is basically the same as for all my cottas. straight front and back panels, side gores each as wide as one  panel. Neck with a little slit.

Ärmel
Neu sind allerdings die Ärmel. Schlupfärmel wie bei meinem grünen Kleid schneide ich fast rechteckig zu. Sie werden nur Richtung Handgelenk etwas enger, aber sie sind im ganzen so weit, dass ich ohne Probleme rein und raus komme.
Bei meiner blauen Cotte habe ich die Ärmel enger gemacht und quadratische Unterarmzwickel eingesetzt, um mehr Bewegungsfreiheit zu bekommen.
Auf Abbildungen des 13. Jahrhunderts sieht man allerdings häufig, dass die Ärmel bis zum Ellenbogen ziemlich eng sind und dann recht schnell recht weit werden.
Sleeves
The sleeves are new. For Sleeves that you can slip out of like on my green dress I cut the sleeves nearly rectangular. Just a little more narrow towards the wrist. But I still make them quite wie, as I need some space to put them off an on.
On my blue cotta I used square gossets to give the narrow sleeves more room under the arm.
Pictures from 13th century often show Sleeves that are very tight up to the elbow and the get quite wide.

25167859113a69b84be84769306b20e3

Maciejowski Bibel, Beispiel für die Ärmel

Wie man diesen Effekt erzielt, zeigen Funde von erhaltenen Kleidern, wie zum Beispiel das so genannte ‚Bußkleid der heiligen Elisabeth‘ oder das ‚Kleid der heiligen Klara‘. Diese Kleider haben schmale dreieckige Keile auf der Rückseite der Ärmel.
This eefect is achieved by narrow triangular gassets on the backside of the sleeve as we can find on found textiles like the so calles „dress of st. Elisabeth“ (of Thuringia) or the „dress of st. Clare“.

Ich habe aus billigem Baumwollstoff ein Nesselmodell angefertigt, dass ich an die Ärmellöcher geheftet habe und so lange verändert, bis ich die gewünschte Optik und die ausreichende Bewegungsfreiheit hatte.
So I made a model from cheap cotton and tried around untl the sleeve fit and looked like on the pictures

IMG_20160508_143458

Gestern habe ich die Cotte fertig gestellt und weil das Wetter so herrlich sonnig war, habe ich den Liebsten überreden können, ein kleines Fotoshooting im Park abzuhalten. Fazit: Es ist wirklich ein Winterkleid *puh* schön warm das Ding 😉
Aber vor allem traumhaft schön, aber seht selbst:
I finished the Cotte yesterday and with the weather being so lovely I convinced my better half to go out in the park for a little foto-shoot:
I learned: this is really a winter-dress! *phew* that was warm.
But above all it is beautiful, look for youselves:

IMG_20160508_150547IMG_20160508_143218

IMG_20160508_143331

Die sonnengelben Strümpfe und Knieriem-Schuhe passen hervorragend dazu!

IMG_20160508_150313IMG_20160508_144254IMG_20160508_144556

Sonniges SaisonStart-StrümpfeStopfen

Standard

Gestern zeigte sich das Wetter von seiner ganz frühlingshaften Seite und so habe ich mich mit einer Flickarbeit auf den Balkon gesetzt und die Nase in die Sonne gehalten.

Zu flicken gab es meine gelben Strümpfe. Die Nähte halten nicht besonders gut, ich muss meine Entscheidung von damals, eine Blindnaht mit zu beiden Seiten aufgeklappten Nahtzugaben zu verwenden, echt hinterfragen; aber das ist einen eigenen Blogpost wert.

Yesterday’s weather was lovely warm and sunny and so I decided to take my needlework out on the balcony and enjoy the first rays of sunshine.

It was my yellow stockings which needed mending. The seams break very easily, I really have to reconsider my decision in choosing the stiches. When I sew the stockings/hose I double-folded the seam-allowence to each side. This doesn’t really work well but Choice of seams and stiches is a whole other blog post!

 

20160402_132459.jpg

Jedenfalls hatten meine armen Strümpfe schon nach einem Wochenende in Düppel schon wieder einige aufgegangene Nähte. Statt jedes mal wieder Loch für Loch zu flicken, habe ich mich dafür entschieden, die gesamten Nähte noch ein mal mit einer Art Überwendlichnaht zu verstärken. Verwendet habe ich diesmal nicht Kettfäden aus dem Stoff sondern einfach gezwirntes* Wollgarn, gefärbt mit Färberkamille.

My poor hose had some holes in the seams after just one weekend in Düppel open-air museum. Instead of mending holes again and again I decided to enforce the seams with stiches with another thread. For sewing I used warp-threads from the fabric I used to sew the stockings. Now I split up 6-ply sockyarn (dyed with chamomille) and used two of the single threads to mend my seams.

20160402_202403.jpg

Bei der Gelegenheit fiel mir auf, wie sehr der Stoff besonders am Fußteil schon ausgeblichen war. Ich dachte erst, dass die Farbe sich durch Feuchtigkeit/Schweiß gelöst hätte, aber dann fiel mir auf, dass auch die Oberseite und die Nähte genau an den Stellen weiß werden, wo der Strumpf mit dem Schuh in Kontakt ist und Reibung ausgesetzt ist.

While working on the stockings I realized, how badly the colour had faded at the foot-part. At first I thought it was the sweat reacting with the dye but then I saw that it had also faded on the upside of the stocking and everywhere where sock and shoe rub against each other.

fb_img_1459597623553.jpg   fb_img_1459598613582.jpg

Somit habe ich also gleich noch einen experimentalarchäologischen Erkenntnisgewinn gehabt: Resedafärbung auf leinwandbindiger Wolle bleicht duch Reibung aus. 😉
So I learned: reseda-dyed woolen cloth tends to fade through rubbing!

Aber bleich oder nicht: die Strümpfe sind wieder einsatzfähig und werden jetzt frisch verstärkt hoffentlich eine ganze Saison halten!

But faded or not, my stockings are yet again fit for use and will hopefully endure the next season.

 

 

*tatsächlich war es 6-fach Sockengarn (industriell gesponnen), das ich zwei mal aufspleiße. Je zwei Einzelfäden werden zusammen zu einem Nähfaden. Genauso bin ich auch beim Besticken meiner Nadelrolle vorgegangen.
Als sich die Kapuze meiner Cappa löste, habe ich zum reparieren drei Einzelfäden benutzt, weil das Material so dick ist und ich mehr Reißfestigkeit brauchte.

So rum wird ein Schuh draus! Erste Versuche in der Schusterei

Standard

Man sagt ja, „Schuster, bleib bei deinem Leisten“, also: Mensch, bleib bei dem, was du kannst.
Das fand ich irgendwie noch nie überzeugend und so habe ich mich im Rahmen meiner Mittelalterdarstellung mal dem ganz wörtlichen Leisten zugewandt und mich in der Herstellung von Schuhen versucht.

First attempt on shoe-making!
In Germany we have a proverb that -roughly- translates to „Shoemaker, you should stick to your lasts.“ Menaing: stick with what you’ve learned and what you now.
I never found that a good advice because I love trying out new things and learning new skills.
So I took the part about the shoe-making literally and tryed myself on making shoes for my medieval garb!

Im 13. Jahrhundert wurden Schuhe wendegenäht. Das heißt, Sohle und Oberleder wurden -wie ein Kleidungesstück- auf links vernäht und dann umgekrempelt.
Daher stammt übrigens auch der Ausspruch „Andersrum wird ein Schuh draus.“ 🙂

Shoes in 13th century were so called turnshoes: sole and vamp (I googled a lot of shoemaking-realted vocabulary for this post! 😉 ) were sewn together inside out like a piece of clothing and then turned.

Bisher habe ich im Hobby Schuhe an, die mit viel gutem Willen wie wendegenäht aussehen, aber das soll nur eine Übergangslösung sein.
Wendegenähte Schuhe sind heute ein Stück selten gewordener Handarbeitskunst und entsprechend teuer.
Dass Handarbeit kostet und das auch durchaus darf, soll hier gar nicht zur Debatte stehen, aber mir drängte sich natürlich wie immer die Frage auf:
„Kann ich das nicht auch selbst machen?“

My current shoes for the reenactment hobby are only a temporary solution. The look like turnshoes (if you dont’s look toooo closely) but they are machine-made and actually the soles are nailed to the shoe.
When I started the hobby, I hesitated spending a lot of money on real turnshoes. They are a fine piece of craftsmanship and thus quite expensive.
Now that I am sure that I won’t give up the whole thing after one or two seasons, I wanted to replace this workaround for some really good shoes.
And as always the question popped in my head: „Couldn’t I make this myself?“

Ich habe noch nie mit Leder gearbeitet und wusste nur, dass das so einige Tücken birgt und schon viele an der Schuhherstellung verzweifelt waren.
Meine Recherche ergab aber, dass einer der bekanntesten Schuhmacher in der Mittelalterszene – Stefan von der Heide, bekannt als ‚Meister Knieriem‘– neben hochwertigen Schuhen auch Bausätze anbietet, die es auch Ungeübten ermöglichen sollen, mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung ihre eigenen wendegenähten Schuhe herzustellen.
I never worked with leather and only new from others that it can be tricky to work with and that others have had hard times, trying to make turnshoes.
Researching for patterns, tutorials or the like, I found that one of the best known experts for shoe making in the German reenactment-scene -Stefan von der Heide, known as „Meister Knieriem“– not only sells high-quality period shoes but also offers a DIY-Kit with a step-by-step-tutorial to enable even beginners to make there own turnshoes.

Ich entschied mich für das Modell „Halbhoher Schuh C1“ nach einem Fund aus Konstanz und für helles Ziegenleder als Material.
I decided for the model „Halbhoher Schuh C1“. A replica from a find in the city of Konstanz. Material would be light goat’s leather.

Der Bausatz beinhaltet neben den vorgeschnittenen Lederstücken und den Leisten (Rudimentär- oder Maßleisten) sämtliches benötigtes Material und Werkzeug, eine ausführliche schriftliche Anleitung und eine Anleitungs-DVD.
Man benötigt zusätzlich nur einen Hammer, eine Zange, einen oder zwei Gürtel und ein sehr scharfes (Teppich-)messer.
The kit contains of the pre-cut leather, the lasts (simple ones or bespoke, I got bespoke ones), all the needed material and tools, a thorough written how-to and a DVD with the complete tutorial.
All you need except from that is a hammer, some pliers, one or two belts and a very sharp (carpet) knive.

20151122_160608

Ein Teil des Bausatzes: Maßleisten, Ahle, Schusterpech, Handschutz, Lederteile und Öl

Nachdem ich mir also die Anleitungs-DVD mehrmals angeschaut hatte, um die Arbeitsschritte zu verinnerlichen, ging es ans Werk!
I watched the DVD a few times to memorize the general steps and got to work!

Der erste Schritt besteht darin, die Fersenverstärkung auf das Oberleder aufzunähen. Die Naht die dabei verwendet wird, nennt sich „Applikennaht“ und die Herausforderung besteht darin, nicht durch die ganze Stärke des Leders hindurchzustechen. Die Naht ist auf der Außenseite nicht sichtbar!
First step is sewing a reinforcement to the heel. The challange is, to „tunnel“ into the vamp leather and not to poke through it completely. The seam should be invisible from the outside!

20151122_170649

Die Applikennaht an der Fersenverstärkung. Erste Schritte mit Ahle, Borste und Draht.

20151122_175916

Fersenverstärkung von innen

20151122_180043

Fersenverstärkung von außen. Nicht ein mal durchgepiekst! 🙂

Das ging schon mal ganz gut, aber es ist schwierig, wenn man noch kein Gefühl für das Material hat. Ich habe ständig das Leder umgedreht, um zu überprüfen, ob ich wirklich nicht mit der Ahle durchgepiekt habe.
That went alright, but I found it difficult to get a feeling for the material. I kept turning over the leather to check if I -really- did not opke through the leather with the awl.

Beim Einnähen des Schafteinsatzes (das kleine dreieckige Teil) bekam ich das erste mal Probleme.
Ich richtete mich nach der DVD, die sehr schön anschaulich jeden Arbeitsschritt erklärte. Man sollte beide Kanten aneinanderlegen und mittels einer Stoßnaht verbinden.
Klang logisch, sah im Video einfach aus, aber dann musste ich feststellen, dass die Kanten ausgeschärft, also abgeflacht waren. ich habe tatsächlich erst mal  zwei äußerst tapfere Versuche gewagt, in dieser dünnen Kante eine Stoßnaht anzubringen, bevor ich es entnervt aufgab und noch einmal die schriftliche Anleitung zu Rate zog.
Und siehe da: versteckt in zwei Seiten Fließtext der kleine Satz
„Entgegen der Darstellung im Film verwenden wir aber eine Stürznaht.“
Ahaaa!
Das ging dann doch recht Problemlos und noch eine Stürznaht später war der Schaft schon mal fertig.
The next step didn’t turn out to be as easy. I was told to sew in a little triangular piece of leather with a certain kind of seam wich was utterly impossible because the leather was to thin. I really tried to follow the instructions an the DVD and nearly gave up when I finally decided to take a look into the written instructions. There it said, hidden in the text: „Different from what is shown in the DVD, we will use another kind of seam here“
Ha!
Knowing this, I finally made it through this part and after another seam the upper part of the shoe was done!

20151122_200856

Stürznaht am Schafteinsatz

20151122_211443

Der Schaft ist geschafft!

Die nächste Herausforderung ließ aber nicht auf sich warten.
Das „Zwicken“, also das Befestigen des Oberleders auf der Sohle mittels Nägeln, ist in Film und Text hervorragend und sehr ausführlich erklärt. Außerdem sind auf der Sohle Markierungen angebracht, wo genau und in welcher Reihenfolge die Nägel zu setzen sind. Da kann man wirklich nicht mehr viel falsch machen.
Allerdings wird im Film kein Randstreifen zwischen Sohle und Schaft eingearbeitet. Der Bausatz sieht aber einen solchen Streifen vor.
Hier fand ich als Anfängerin (die außerdem keinen fertigen Schuh als Vorbild zur Hand hatte) die schriftliche Erklärung unzureichend.
Erst digitale Hilferufe in einschlägigen Foren und Facebookgruppen brachten die Erleuchtung:
– der Streifen wird so angebracht, dass er über Leisten und Sohle übersteht.
– Der Streifen wird angenagelt. Dann wird der Schaft aufgezwickt. Dabei werden die Nägel des Randstreifens nach und nach herausgezogen und Oberleder und Streifen zusammen auf der Sohle festgenagelt

This is where I nearly lost it:
The next step was, to nail the vamp onto the sole. It was very well described both on the DVD and in the written instructions. Additionally, the sole has little marks to show you where to place each nail.
But the kind of shoe I chose comes with an aditional strip of leather, to be sewn between sole and vamp. The shoe in the DVD didn’t have such a strip and I couldn’t find out how to place it between sole and vamp. The written instructions explained it but I just couldn’t figure out how it was meant to be done.
I cried for help in several online-forums and facebook-groups and finally got it:
– you attach the strip in a manner that it overlapps the sole.
– then you nail the vamp on it, removing and replacing the nails as you go.

20151123_162803

So wird der Randstreifen auf der Sohle befestigt: bündig mit der blauen Linie und nach außen überstehend!

20151124_203849

Randstreifen fertig aufgezwickt

20151124_212045

Schaft ist gezwickt, jetzt wird genäht.

Ich kann nur bestätigen, was im Video als wichtigster Grundsatz eingeführt wird: „Was dem Schmied das Feuer, ist dem Schuhmacher das Wasser“. Das Nähen geht wirklich viel einfacher von Statten, wenn man den Nahtbereich immer gründlich nass hält.
Was ich schwierig fand war, das richtige Gefühl für die Stichtiefe zu finden. Ich war mir mehrmals ganz sicher, die Ahle aus Versehen durch die Sohle gestochen zu haben. Da die aber auf dem Leisten montiert ist, konnte ich das nicht überprüfen. Letztlich stellte sich heraus, dass ich nicht durchgestoßen war, aber für Anfänger empfiehlt sich, an Leder verschiedener Stärke zu üben, um ein Gefühl für die Zähigkeit des Materials zu bekommen.
The first thing you learn from the DVD is „What fire is for the smith, water is for the schoemaker.“
I can only agree to this. Sewing multiple layers of leather is so much easyer if you keep it nice and wet.
To attach the sole to the shoe xou have to „tunnel“ again with the awl. You don’t want to poke through the sole completely. As in the very first step I found it difficult to get this right. It takes a lot of practice, i guess, to feel if you poked deep enough so the stich won’t tear but not so deep that you poke through the material.

20151124_233418

Die Ferse ist das schwierigste

Was mich beim Bodenbau -also den Einnähen der Sohle- die meisten Nerven gekostet hat waren die „Borsten“, also die dünnen Stahlnadeln, mit denen der „Draht“ -also der gepechte Faden- durch den Stichkanal gezogen wird.
Im Bereich der Ferse sticht man durch in die Sohle ein, aus der Sohle aus und durch Randstreifen, Fersenverstärkung und Oberleder. Das sind quasi fünf Schichten Leder und damit ein langer gekrümmter Stichkanal, dessen Schichten sich schnell gegeneinander verschieben können.
Es ist mir mehr als einmal passiert, dass die weichen dünnen Borsten den Weg nicht auf Anhieb gefunden haben, gegen Widerstand stießen, sich verbogen haben, …manchmal habe ich mehrere Minuten gebraucht, nur um den Draht durch den Stich zu friemeln.
Das ist mit Sicherheit zu mindestens 80% der Tatsache geschuldet, dass ich absolut blutige Anfängerin bin. Für die restlichen 20% hätte ich mir aber etwas stabilere Borsten gewünscht. (Meister Knieriem scheint in dem Video auch andere zu benutzen.) Mein Tipp wäre also: evevtuell zusätzlich zum Bausatz noch in festere Stahlborsten investieren.
Außerdem ist meine Hand zu schmal für den Leder-Handschutz, ich musste da öfter mal nachjustieren 😉

The most nerv-wrecking part in the whole process of making these shoes was the „bristles“, the long, thin and flexible steel-needles used to thread the waxed therad through the hole you made with the awl.
At the heel you have to stich through 5(!) layers of leather in a J-shaped ‚tunnel‘. It happend oh so often that the bristle didn’t find it’s way throug all the layers, missed the hole, got bend in the process,…sometimes it would take me a few minutes to fumble the thread through a single stitch.
I am absolutely sure  that this is a good 80% because a am an absolute beginner. But for the remaining 20% I would have wished for some stronger bristles. (Meister Knieriem seems to use something different in the video). So if you are getting one of these kits: invest in some high-quality needles. I broke 3 of the four included ones!
The kit also comes with a hand-protector which is apparently meant for bigger man hands. Mine are to small and I had trouble adjusting it correctly.

20151125_232335

Der letzte Stich ist getan!

Aber schließlich war es vollbracht: alle Teile vernäht, die Sohle drin, alle Finger noch dran und keine zusätzlichen Löcher in der Hand!
Das Wenden des Schuhs ging dann erstaunlich einfach.
Ich hatte damit gerechnet, eine Viertelstunde lang langsam und vorsichtig mit dem Hammerstiel in der Schuhspitze herumzubohren, aber der gründlich eingeweichte Schuh ließ sich -noch tropfend über dem Waschbecken- mit wenigen Handgriffen auf rechts ziehen.
Das lag bestimmt auch an der Machart dieses bestimmten Modells und dem verhältnismäßig dünnen Ziegenleder.
But eventually it was done! Everything sewd together, sole attached, still had 10 fingers and no holes poked in my hands.
Turning the shoe was surprisingly easy. I had expected 15 minutes of fumbling and getting the tip to pop out right, but after thoroughly watering the whole shoe it took only a minute to turn the -stilldripping wet- shoe inside out.
That might be because of thes particular shape and the quite thin goat’s leather.

20151125_232503

Fertig! Jetzt Leisten raus und wenden.

Und fertig ist mein erster Schuh!
Er ist gelungen, passt und sieht großartig aus!
Ein bisschen groß scheint er. Aber so passt man wenigstens mit Wollstrümpfen und vielleicht einer Einlegesohle rein. Man steht nämlich doch ganz schön auf der Sohlennaht. 😉
There it is! My first shoe!
It turned out very good, fits and looks great!
It seems to be a bit large but I will put in an additional sole anyway because stinading on the seam of the sole is somewhat uncomfortable.

20151125_235459

Der fertige Schuh!

20151125_235509

20151125_235521

20151125_235528

Fertiger Schuh von unten. Die Löcher in der Sohle sind vom Zwicken

Ich jedenfalls bin stolz wie Oskar und werde, sobald die Lohnarbeit mir Zeit lässt, den zweiten in Angriff nehmen 🙂
I’m awfully proud of this and when I have the time, I will as soon as possible make the second one!

Merken