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Mach ich im Winter…

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…unter Reenactoren und Reenactressen einer der bekanntesten Running Gags:
„Mach ich im Winter“.
Wohl kaum jemand im Hobby, der nicht eine halbe Tapetenrolle bräuchte, um die ganzen Projekte aufzulisten, die man in diesen wenigen kalten Monaten aus der Erde stampfen will. 😉

Doch egal, wieviele der Vorhaben man wirklich schafft und wieviele noch dazu kommen, jetzt im Oktober ist die Lager-, Veranstaltungs- und Marktsaison zum größten Teil vorbei.
Wenn die Tage kürzer und die Abende dunkler und gemütlicher werden, beginnt die Bastel-, Reparier- und Nähsaison.

„I’ll do that during winter!“ That’s quite a running gag among reenactors. Whoever joins the medieval hobby soon recongnizes that they will use a sheet of paper from here to outremer to list all the „winter tasks“ and that one winter will never be enough. 😉

But regardless if you manage to finish all your winter tasks or just add some to the list, now in October, the camp-, event- and market-season is mostly over.
When days get shorter and the evening get darker and comfy, now starts the season for mending, sewing and crafting.

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Für mich geht die erste Saison überhaupt zu Ende und schon reicht die „mach-ich-im-Winter-Liste“ einmal ums Zeltlager 🙂

Finishing my first ever season I alread have quite a list:

Als da wären:

Reparieren/umarbeiten:

  • Nähte in den gelben Strümpfen umarbeiten: Nahtzugaben nur auf eine Seite umklappen, das hält besser
  • braune Cotte verlängern. Die ist ein bisschen knapp geraten und ich will unten einen Streifen anstückeln
  • aufgegangene Nähte in grüner Cotte flicken
  • Riemen Pilgertasche wieder annähen, der löst sich (erledigt am 24.10.15)
  • Kapuze Cappa wieder annähen
  • Rechteckmantel säumen, ich dachte, ich komm drum herum, aber über kurz oder lang wird der auch ausfransen (erledigt am 24.10.15)
  • Reparaturauftrag: noch ein Leinenhemd von Maschinen- auf Handnähte aufwerten
  • evtl. Ausschnitt blaue Cotte verändern. Der ist zu breit geraten, ich überlege, einen breiten Streifen drüber zu setzen…
  • Tischdecke für die Brandenburgunder säumen    (erledigt am 4.12.15)

mending/repairing

  • Redo the seams in my yellow stockings. use a different kind of seam to make them more durable
  • lengthen the brown dress. It came out a bit short and I want to add a stripe of fabric
  • mend a broken seam on the green dress
  • repair the loose strap on the pilgrim’s bag (done on 24.oct. 2015)
  • repair the hood on the cappa
  • seam the rectangular coat (done on 24. oct. 2015)
  • change maschine-sewn seams for handsewn on another shirt. (for a friend)
  • I think about redoing the neckline on my blue dress. It is to wide, maybe I could add a stripe of fabric…

Neu herstellen:

  • wendegenähte Schuhe (ich habe einen Bausatz von Meister Knieriem, bin schon sehr gespannt)  (1.12.15: einer ist fertig: Schusterei)
  • Winter- Sonntagscotte nähen
  • Wichtelgeschenk für die Brandenburgunder-Weihnachtsfeier 😉
  • zweites Paar Strümpfe nähen oder naalen
  • Waffenrock für Siegfried  (erledigt 30.12.15)
  • feineres leichteres Unterkleid nähen
  • rauskriegen, warum die Brigittahaube immer schief sitzt. Wenn’s an der Haube liegt: noch mal eine gerade nähen
  • Strohsack?
  • Nadelrolle als Wichtelgeschenk    (erledigt und verwichtelt am 6.12.15)
  • zwei Wolldecken zu einem „Schlafsack“ zusammennähen

 

make new

  • turnshoes. I have a DIY-kit from Meister Knieriem; can’t wait to try! (added on dec. 1st: one is done! see here
  • sew a sunday dress for the winter
  • secret santa-gift for Brandenburgunder christmas party
  • make a second pair of stockings/hose. Sewing or naalbinding
  • sew military tunic for Siegfried (done on dec. 30th)
  • sew lighter finer underdress
  • find out why my St. Bridgid’s-cap is alway crooked. If it’s the cap: make another one
  • make a straw-bag to sleep on?
  • sew together two woolen blnkets to make a “ sleeping bag“

sonstiges:

  • Sticken lernen/üben (Brickstich und Klosterstich)
  • mehr mit der historischen Spindel spinnen; verschiedene Wirtel/Schaft-kombis ausprobieren
  • Recherche zu 1001 Sachen, unter anderem Kämme, Kopfbedeckungen, Nessel- und Hanfstoffe,…)
  • Brandenburgunder-Seite überarbeiten
  • den Lieblingsmenschen mit begeisterten Berichten, losen Versprechungen oder sanfter Waffengewalt ins Hobby locken ^^ (er will Anfang der nächsten Saison probehlaber mitlagern 🙂  )

other:

  • learn/practice embroidery (brickstich and ‚Klosterstich‘)
  • practice spinning with the historic spindle; try out different shafts anf whorls
  • research on 1001 thing including combs, headwear, nettle and hemp fabric,…)
  • work on Brandenburgunder Homepage
  • try everything to lure better half into the hobby ^^ (he said he wanted to try and camp with us next season!)

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Wieso muss ich eigentlich im Winter auch arbeiten? Man sieht doch wohl sehr deutlich, dass ich dafür keine Zeit habe!
Was steht auf eurer Liste? Und wieviele Winter werdet ihr dafür brauchen?

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Tour de Fleece 2015: Garn für eine Decke – Ausgangslage!

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Heute hat sie offiziell begonnen, die Tour de Fleece!
Ich habe ja mit meinem Projekt schon etwas vorgearbeitet und bin sogar viel besser vorangekommen als ich dachte!
Nach der Begutachtung meiner Sampler habe ich mich für das Weben für folgendes entschieden:

– 15 Enden pro 10 Zentimeter. Das heiß, beim 30/10er Kamm nur jedes zweite Loch und jeden zweiten Schlitz zu nutzen.
– Schuss wie Kette. Beides aus einfach verzwirntem reinen Corridale mit einer Lauflänge von uuuungefähr 100m/100g.
Das schon gesponnene Garn mit den eingesponnenen Bergschaflocken verwende ich für einen breiten Streifen jeweils am Anfang und am Ende
– ich werde mich nicht noch ins Doppelweben einfuchsen sondern zwei gleiche Decken weben und diese hinterher zu doppelter Breite zusammennähen.
Weil das Garn sehr dick und fluffig ist werde ich zwei getrennte Ketten aufziehen. 5 Meter Kette (inklusive Einsprung etc.) in der Materialstärke war mir einfach zu viel.

Die Entscheidung, 15/10 zu fädeln brachte es mit sich, dass ich nur die Hälfte an Kettfäden brauchte. Die Entscheidung, zwei getrennte Ketten aufzuziehen führte dazu, dass diese Kettfäden auch nur halb so lang sein mussten.

Effekt: ich hatte viel früher als gedacht genug Garn für die erste Kette gesponnen!

Also Fernseher an und 2-3 Voyager-Folgen lang Kette aufgezogen. Da ich simple Leinwandbindung und nur eine Farbe verwende, habe ich mich für das „Direct Warping“ entschieden.

Das ging relativ fix und schon konnte ich losweben!

Für den Anfang 8 Reihen mit dem reinen Corridale, dann 20 Reihen mit dem „Lockengarn“
Danach stumpf in Leinwandbindung mit dem Corridale-Garn weiter…


Die Harfe an ihrem üblichen „Parkplatz“ inklusive Blick auf meinen streckenweise fragwürdigen Büchergeschmack *räusper* 😉

Ich habe nicht gestoppt, wie lange ich tatsächlich dran gesessen habe, aber nach 3 Tagen Weben war die erste Hälfte schon fertig! O.O

Bierflasche dient dem Größenvergleich 😉

Die Maße direkt nach dem Abnehmen:
– genau 1,90m lang
67cm breit
– genau 600g schwer

Da das nur die eine Hälfte ist, habe ich die Decke noch nicht weiter behandelt, also weder gewaschen noch die Fransen getrimmt. Das mache ich erst, wenn beide Halften zusammengenäht sind, damit sie nicht z.Bsp. unterschiedlich einlaufen.

Jetzt geht es an die zweite Hälfte, ich hoffe, die ist genauso easy 🙂

Reenactment meets Tour de Fleece: Garn für eine Decke

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Auch dieses Jahr findet in den unendlichen Weiten des Internet (und auch außerhalb davon) die alljährliche Tour de Fleece statt.

Parallel zur Tour de France treten auch wir SpinnerInnen in verschiedenen Teams ins Rad und machen den einen oder anderen Kilometer gut. 🙂

Beginn ist dieses Jahr am 4.7. und das ganze läuft bis zum 26.7. Ziel ist es, möglichst jeden Tag zu spinnen und die Ergebnisse dann mit den anderen Gruppenmitgliedern zu teilen.
Ich starte auch dieses Jahr wieder für das Team „Berlin Spinnt“


Dieses Jahr passt das besonders gut, weil ich ein neues Großprojekt angefangen habe, dessen Vollendung ich mit dieser Intensivspinnzeit bestimmt ein gutes Stück näher kommen kann.

Das Projekt!

Für mein Mittelalter-Reenactment möchte ich für’s Schlaflager eine Decke weben. Und damit es nicht zu einfach wird, werde ich das Garn vorher selber spinnen. Der Plan ist, die Breite meiner 80cm Harfe voll auszunutzen und nachher zwei Webbreiten anneinander zu nähen.

Das Material!

Ich habe Kammzüge aus ungefärbtem silbergrauen Corridale bestellt.
Eine Traumfaser! Ganz glatt, weich, als Kammzug fast kühl im Griff und lässt sich traumhaft ausspinnen.
Ursprünglich war der Plan, die Kette aus zweifädig verzwirntem Corridale zu machen und für den Schuss Bergschaflocken in ein einfädiges Corridale-Garn einzuspinnen. Meine Vorstellung war, dass das besonders flauschig und durch das zusätzliche Volumen wärmeisolierender sein würde.
Der Probelappen zeigt mir aber, dass mir das optisch nicht gefällt. Sieht etwas zu sehr nach Flickenteppich aus.
Ich werde also wohl Kette und Schuss aus reinem Corridale machen. Vielleicht nutze ich das Fluffy-Garn, das ich bisher schon gesponnen habe, für einen Streifen am Rand oder so.

Das Werkzeug!

Ich werde zum größten Teil auf dem Rad spinnen. Dieses Projekt geht ja eher in Richtung Masse satt Klasse. Da kann mein Louet S10 mal seinem Ruf als Arbeitstier gerecht werden! (Irgendwer aus meiner Spinngruppe bezeichnete dieses Modell mal liebevoll als „Trecker“…)
Für unterwegs nehme ich auch meine hübsche neue Kopfspindel, getöpfert von Shermin vom Fiberspace mit und auf Mittelalterveranstaltungen die historisch korrekte Fußspindel, aber das Gros wird ins Rad getreten.

  

Gewebt wird dann nachher auf der Kromski-Harfe mit nem 30/10er-Blatt, dass ich aber wahrscheinlich nur auf 15/10 aufbäumen werde. (Also nur jeden zweiten Schlitz und jedes zweite Loch) sonst wird das keine Decke sondern ein Teppich 😉

Die Anfänge!

Die ersten paar Meter Garn sind gesponnen und ich habe auch schon zwei kleine Sampler gewebt, um mal mit Material und Dichte zu spielen.

Garn: Reines Corridale (zweifach verzwirnt) und Corridale (Dochtgarn) mit eingesponnenen Bergschaf-Locken

Sampler: die beiden sind „baugleich“.
1: 30 Enden /10cm, Schuss Bergschaflockengarn
2: 15 Enden/10cm, Schuss Bergschaflocken
3: 30 Enden/10cm Schuss wie Kette
4: 15 Enden/10cm Schuss wie Kette

Ich denke mal, Nummer vier wird es werden. Vielleicht noch mit ner etwas heißeren Runde in der Waschmaschine etwas angefilzt, so dass das Gewebe etwas dichter wird.

Gewandungs-Fotoshooting im Märkischen Museum

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Hier kommt er nun endlich! Der ultimative „Meine-Gewandung-ist-fertig-und-ich-hab-tolle-Fotos-davon“-Blogeintrag!

Auf ihrem FoodBlog, dem „Magischen Kessel“ habe ich schon immer die wirklich guten Fotos bewundert und darum meine Spinn-, Futter- und Mittelalter-Freundin Shermin dazu verdonnert, mich in mittelalterlicher Kulisse zu fotografieren.
Obwohl sie sich nicht wirklich als Portrait-Fotografin sieht (Zitat: „Ob das was wird? Du bist zwar lecker, aber eben kein Teller mit Essen…“) sind einige ganz wunderschöne Bilder von Handmaid, Gewand und Kulisse entstanden!

Noch mal kurz zum Nachlesen für alle, die zum ersten Mal hier sind:

Zu sehen ist das Alltagskleid einer Handwerkerin um 1300 in Berlin.
Fast alle Teile sind hier bereits separat verbloggt, so
Die Cotta
Das Untergewand
Die Strümpfe
Die Schuhe
Die Kopfbedeckungen
Die Spindel

Der Gürtel ist handgemacht von Niklas Girdler, der in der „Wienischen Hantwërcliute 1350“ aktiv ist und mir dieses wirklich schöne Stück vertauscht hat.
Der Gürtelbeutel ist aus ungebleichtem Leinen genäht und hat eine handgesponnene Wollschnur zum Zuziehen. Allerdings ist das ein Prototyp, der noch einige Verbesserungen durchmachen wird. Der Tunnelzug wird gegen Nestellöcher ersetzt werden, und es wird eine irgendwie geartete Befestigung geben. Das nur der Vollständigkeit halber.

Nun aber zu den Fotos!

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Hier kann man sehen, das ich die Schlupfärmel hinten in den Gürtel gesteckt habe. Das Kopftuch ist etwas anders gebunden als sonst: ich habe es mit der geraden Seite aud die Stirn gelegt, die langen Zipfel im Nacken gekreuzt, um den Dutt gewickelt und dann alle drei Zipfel unter dem Dutt festgestopft. Die Frisur darunter war (beim gesamten Shooting) ein tiefer Wickeldutt, den ich mit einem schlichten Holzstab gehalten habe.

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Umbau auf offener Bühne: vom Kopftuch jetzt zum Wimpel:

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Einmal mit Ärmel aus, einmal angezogen. Auf dem zweiten Bild sieht man sehr schön, wie dasa Kleid fällt, finde ich.

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Ganzkörperaufnahme mit Handspindel. Man erkennt sehr schön die weißen schmalen Ovale, wo das Unterkleid durch die Ärmellöcher durchscheint. Diesen Effekt sieht man sehr oft auf zeitgenössischen Abbildungen. Zum Beispiel hier in der Kreuzfahrerbibel (die Dame in blau ganz links)
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(Quelle: Maciejowski-Bibel, Fol. 4r)

 

Noch mal Kostümwechsel: Ich hatte keine Gebendenadeln dabei, daher mit nur aufgelegtem Schleier. Hat aber- da ich ja nur dekorativ in der Gegend rumstehen musste- auch funktioniert.

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Und Spinnen lässt sich’s so auch! 🙂

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Und noch zwei Nahaufnahmen vom Gürtel, bevor es…

 

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…unter die Gürtellinie geht!

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Ja, wir hatten großen Spaß an dem Shooting, warum? 😀

 

Jetzt aber noch schnell ein paar sittsame Bilder der nähenden Holden, bevor ihr noch denkt, eure Handmaid sei ein ganz und gar loses Weib!

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Noch mal ganz herzlichen Dank an Shermin für die tapfere Fotografiererei unter erschwerten Bedingungen!
Es hat riesigen Spaß gemacht und ich liebe die Ergebnisse! (Dir ist klar, dass wir das noch mal machen müssen, sobald Mantel und/oder Sonntagsstaat fertig sind? 😉 )

Und sie dreht sich doch: mittelalterliche Tiefwirtelspindel

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Ein unverzichtbares Utensil für das weibliche Wesen zwischen neun und neunzig war während des gesamten Mittelalters die Spindel. Wolle oder Flachs zu verspinnen war eine Sisyphosarbeit, die nie beendet war und die surrende Spindel der Inbegriff des fleißigen arbeitsamen Frauenzimmers. Wir alle erinnern uns an Märchen wie Frau Holle, Rumpelstilzchen, Dornröschen, in denen die Spindel eine zentrale Rolle spielt und oft auch als Symbol für Sittsamkeit und Fleiß steht.
„Als Adam grub und Eva spann, wo war da der Edelmann“ fragte John Ball um die Standesgrenzen zu hinterfragen.
Tatsächlich findet man auf vielen Abbildungen die spinnende Eva.

Miniatur aus der Maciejowski-Bibel, Fol. 2r, gefunden bei http://www.diu-minnezit.de

Abbildungen von Handspindeln aus dem Mittelalter zeigen ausschließlich Fuß-/ oder Tiefwirtel-Spindeln. Das heißt, der Wirtel, also das Spinngewicht sitzt am unteren Ende des Schafts.

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Autsch. Da hat wohl jemand den Wocken über den Schädel gekriegt 😉 Oben am Wocken hängt die Tiefwirtelspindel!
(Quelle: Lutrell Psalter, gefunden bei http://www.danceswithwool.wordpress.com)

Auf diesem Bild einer spinnenden Eva ist kein Wirtel zu erkennen. Entweder hat die Spindel keinen, oder er wurde nicht im Bild erfasst.

spinnende Eva biblia porta 4r

(Quelle: Biblia Porta,Fol. 4r)

Was man ja nie vergessen darf ist: Buchmalereien und andere Bildbelege wurden von Männern gemalt. Die waren vielleicht gute Beobachter, aber haben trotzdem wahrscheinlich nie eine Spindel in der Hand gehalten. Mit der Interpretation von Bildquellen muss man also -wie immer- etwas vorsichtig sein.

So oder so: Wirtel an den Spindeln sind belegt, die kann man an allen Ecken und Enden ausbuddeln. Der Lieblingsmann hat seinen Zivildienst damals beim Denkmalschutz gemacht und hat in der Zeit haufenweise tönerne Spinnwirtel aus dem märkischen Sand geholt.
An diesen Funden hat sich die wunderbare Shermin vom Fiberspace orientiert und mir zu meinem letzten Geburtstag einen ganzen Satz handgetöpferter Spinnwirtel geschenkt!

Zur Entstehung hat sie selbst einen Artikel verfasst, den man hier nachlesen kann.
Ich habe für einen ersten Versuch einen der Wirtel auf einen Rundstab aus Buchenholz (6mm Durchmesser, für kanpp 1€ aus dem Baumarkt) gesteckt. Die Enden habe ich mit einem scharfen Messer etwas angespitzt.

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Für einen ersten Versuch habe ich eine Handvoll ungefärbtes Jakobschaf angesponnen.

Ich bin noch nicht so richtig glücklich damit. Es mag daran liegen, dass ich bisher nur Kopfspindeln gewohnt war, aber ich finde es schwierig, diese Spindel zu zentrieren. Sie eiert leicht und dreht sich vor allem sofort in die Gegenrichtung, sobals der Drall aufhört. Das ist ziemlich ärgerlich. Aber sie funktioniert, ich kann damit spinnen und mit etwas Übung vielleicht sogar richtig gut 😉

Von dem Buchenhozstab habe ich noch nen knappen Meter hier. ich werde also auch noch mit verschiedenen Wirteln und Schaftlängen herumexperimentieren. Vielleicht bringt das ja den Durchbruch!

Dachbodenfund: 4 Kilo Flachs!

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Als der alte Bauernhof meiner Schwiegergroßeltern aufgelöst wurde, fand ich in einer Truhe auf dem Dachboden eine realtiv große Menge von etwas, was ich im dämmrigen Dachbodenlicht für Flachs oder Werg hielt.

Ich konnte es in dem Moment nicht ans buchstäbliche Tageslicht zerren, bat aber meine Schwiegermutter, die Faser, was immer es auch genau sei, beim späteren Ausräumen für mich aufzubewahren, falls nicht gerade Motten oder Mäuse ein neues Zuhause darin gefunden hätten.
Erstaunlicherweise ist das Zeug weder schimmelig noch von irgendwelchem Getier angefressen oder verschmutzt. Es ist staubig und voller kratziger Pflanzenteilchen, aber eigentlich in sehr gutem Zustand, wenn man bedenkt, dass es schätzungsweise schon seit knapp 100 Jahren auf diesem Dachboden liegen könnte.

Zuerst war ich mir nicht ganz sicher, ob es sich tatsächlich um Flachs handelt oder vielleicht um Werg oder Hanf und habe deshalb in verschiedenen Foren um Hilfe bei der Bestimmung gebeten.
Nachdem die erste Ferndiagnose eher Richtung Hanf ging, wurde mir aber eine Geruchsprobe angeraten: Sollte die feuchte Faser intensiv nach Pferdeschweiß oder verbranntem Holz riechen, so handle es sich wahrscheinlich um Hanf. Andernfalls um Flachs.

Nachdem ich die fragliche Faser gestern Abend langwierig gewogen, langgezogen, untersucht und im trockenen und nassen Zustand berochen habe (*haptschi*) kam der Mann an meiner Seite dann auf die naheliegende Idee:

„Frag doch mal Oma, ob die noch weiß, was das sein kann!“

Hätte man drauf kommen können.
Oma ist sich sicher, dass es Flachs ist. Aus der Familie des dazugehörigen Opas. Da dessen Mutter schon kein Leinen mehr gesponnen hat, muss es also mindestens von deren Mutter sein und damit locker über 100 Jahre alt.
Omas Diagnose deckt sich zumindest mit der Geruchsprobe: trocken riecht es nach Dachboden und hundert Jahre altem Staub :D
Nass riecht es gar nicht, bzw etwa nach nassem hundertjährigem Staub. Aber keinesfalls so intensiv, wie mir der Geruch von Hanffasern beschrieben wurde.

Aber ganz interessant war es doch. Ich habe zum ersten Mal die ganze Menge aus der Tüte gehoben, um mal zu wiegen, wieviel ich da eigentlich habe und habe folgendes herausgefunden:

– es sind über 4 Kilo 8|

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– Die Faser liegt jeweils in Bündeln zu ca 230-300g. Das waren vielleicht mal Zöpfe o.ä., die über die Genrationen etwas ihre Form verloren haben, aber es ist noch erkenntlich, wo sie zusammengedreht worden sind.20140514_214857
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– der Dreck, der sich darin noch findet sind wohl zum Teil Spelzen vom Flachs und zu einem guten Teil ganz profaner Dachbodendreck bzw der Bodensatz der Truhe.  Neben kleinen Putzbröckchen, Staub und Sand habe ich auch kleinste Papierfetzen gefunden. Liegt wohl wirklich schon ne Weile da 😉
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– die Farben und Haptik der einzelnen Stränge unterscheidet sich teilweise. Hier mal links ein hellerer und weicherer Strang, daneben ein gelblicherer, der sich auch gröber anfasst.
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Jetzt stellt sich nur noch die Frage, was ich damit anstelle. Einen Teil werde ich meiner Mama spenden und als Wocken für das alte Spinnrad ihrer Großmutter wickeln, das -zur Deko- bei ihr steht.
Den Rest würde ich natürlich sehr gerne verspinnen und dann weiter verarbeiten, aber dafür ist die Faser im Moment wirklich noch zu dreckig.
Ich setze darauf, dass sich das gibt, wenn ich sie zu einem Rocken/Wocken binde. Dabei muss ich die Stränge ja eh auflösen und hoffe mal, dass dabei möglichst viel Gebrösel raus fällt.

Da ich noch nie Flachs verarbeitet habe, wird es wohl noch ein bisschen dauern, bis ich mit traue, diese -ideell- wertvollen Fasern zu verspinnen. So lange lese ich mich erst mal ein in die Kunst des Wocken-Wickelns.
(Eine Anleitung habe ich hier von John Seymoure. Hat jemand noch nen anderen Tip?)

Eisregen

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Ich habe endlich das passende Tuch für mein Gletscherwasser-Garn gefunden! Das Tuch heißt „Rainstorm“ und ist von Giddy Davies. Regentuch und Gletscherwasser-Garn, das passt einfach. Das Tuch ist schön konstruiert: Oben liegen schwere Regenwolken auf den Schultern. Darunter fällt der Regen in einem lacigen Muster und unten klimpern mit eingestrickten Perlen einzelne Regentropfen.

Die Anleitung ist gut verständlich. Es gibt sowohl eine geschriebene als auch eine Chart-Anleitung und noch eine alternative Anleitung mit farbcodierten Anweisungen. Ich bin gerade bei der vierten von neun Wiederholungen der Regenwolken.

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Für mich ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist, dass man viele verschränkte Maschen stricken muss (links wie rechts). Insbesondere links verschränkte Maschen am Anfang einer Reihe finde ich äußerst unergonomisch *fummel*

Aber das Muster gefällt mir sehr gut und ich freue mich schon auf den zweiten Teil!