Schlagwort-Archive: Unterkleid

Pinata-Steckbrief – Unterkleid

Standard

Was die Gewandungs-Pinata ist, erfahrt ihr hier.

Unterkleid
–> Blogartikel
–> erste Änderung
–> Änderung zum Stillen

Material: Leinen, weiß, weißes Leinengarn.
Schnitt: siehe Blogartikel. Knöchellang. rechteckige Vorder- und Rückenbahn, Ärmel ohne Zwickel oder Ärmalkugel, Seitengehren, Ausschnitt zum Stillen bis Bauchnabel verlängert
Quelle: für das grundsätzliche Kleidungsstück: „Machen alle so“. Für den Stillschlitz:
stillen01_tn Diese Abbildung aus einem Österreichischen Psalter ( cod. 1898; fol 179v 1295-1300)

Bekannte Schwächen:
– ich hatte schon öfter die Diskussion darüber, wie „posh“ weißes, also gebleichtes, Leinen ist, und ob ungebleichtes nicht angebrachter wäre.
– die Nähte sind ziemlich grob
– ich habe so aus dem Hut keinen genauen Beleg für ein Frauen-Unterkleid. Weißes Leinenunterkleid ja, aber nicht exakt für den Schnitt.

Advertisements

Stillkleidung – nursing dress

Standard
stillen03_tn

La Régime du Corps, Frankreich ca 1285

Wie ihr vielleicht bei Facebook schon mitbekommen habt, gibt es eine große Neuerung in meinem Leben:

Seit Januar bin ich Mutter eines wunderbaren kleinen Sohnes!
Das stellt nicht nur meinen Alltag und mein „ziviles“ Leben ordentlich auf den Kopf, sondern ich muss mir auch für das Hobby ein paar neue Lösungen einfallen lassen.
Neben Babykleidung und einer Idee zum Tragen (dazu später mehr) war eine der größeren Herausforderungen, meine Gewandung so zu ändern, dass ich den Babyboy stillen kann.

You maybe already heard the good news on facebook or elsewhere: in January I gave birth to a wonderful little boy! That does not only change all of my „civil“ life but I also had to come up with some solutions for the Living History hobby as well. I needed babyclothes and a solution for babywearing and I had to alter my garb so I could breastfeed Babyboy.

Bei der Recherche war ich überrascht, dass es tatsächlich einige Abbildungen von stillenden Frauen gibt. Besonders häufig als Motiv ist die „Maria lactans“, also die Jungfrau Maria, die den kleinen (und manchmal gar nicht mehr sooo kleinen) Jesus stillt.
Außerdem habe ich die eingangs stehende Abbildung gefunden, die wohl zeigt, wie eine adlige Dame die Brust einer Amme prüft.
Viele dieser Abbildungen sehen aus, als hätte die Cotte auf Höhe der Brust senkrechte Schlitze. Ich halte es da aber mit Gabriele Klostermann, die in ihrem Blogartikel zur Stillkleidung schreibt

„Hier ist meine Überlegung, dass es wenig Sinn macht, mitten in eine Stoffbahn zu schneiden.“
http://www.tempora-nostra.de/mode_gewandformen_2_sonstiges.shtml

During research I was surprised to find quite a number of pictures from the middle ages that showed breastfeeding women. A very common motiv is the „Maria Lactans“, the virgin Mary nursing infant Jesus. I also came across the picture on the top of this page showing a noblewoman examining the breast of a potential wetnurse.
A lot of these illuminations seem to show vertical cuts in the dress but I agree with Gabriele Klostermann who writes in an article on nursing clothes:
„To my opinion it makes little sense to cut right into a piece of fabric“
(translation by me)

Recht hat sie und weist direkt danach auf eine Möglichkeit hin, die ich für mich auch schon ins Auge gefasst hatte: das Unterkleid tief zu schlitzen und die ohnehin vorhandenen Ausschnitte der Schlupfärmel zu nutzen.
Tatsächlich gibt es für beides bildliche Belege, die Gabriele auch schon gesammelt hat*:

She has a very good point there and offers a much more practical solution: Open the front of the underdress and use the armholes of a dress with slip-out sleeves.
You can find proof for both alterations. Gabriele collected the following pictures (I copied both pictures and describition from her page)

stillen01_tn

geschlitztes Unterkleid, Psalter, Österreich, cod. 1889; fol. 179v; 1295-1300

 

stillen02_tn

Notre-Dame, Paris Südquerschiffportal Mitte 13.Jhd

stillen04_tn

Elisabeth spendet Almosen, Marburg, um 1250

Den Halsschlitz von meinem Unterkleid hatte ich sowieso schon einmal weiter aufgeschnitten, weil ich im Winter hochschwanger bei einer Veranstaltung war und mit meinen neuen Dimensionen nicht mehr hineingepasst hatte 😉

Diesen Schlitz bis etwa Bauchnabelhöhe habe ich also einfach versäubert.
Einen Verschluss habe ich nicht angebracht, das wäre mir zu viel Gefummel und das relativ feste Leinen bleibt auch so ganz gut am Platz

I had to open my underdress anyway because I was attanding an event last winter while being 9 month pregnant and couldn’t fit into it 😉

So I just neatened this slit. I did not add any fastener,  because I didn’t want to fiddle araund with to many buttons, strings or the like

Halsausschnitt am Unterkleid vorher und nachher.
Underdress neck-opening before and after

 

Die Ärmellöcher an den Schlupfärmeln sind zwar schon recht groß, aber zum Stillen reicht es noch nicht ganz. Darum habe ich die Naht zwischen Vorderteil und Gehre bis zur Taille aufgetrennt. Da die Nahtzugaben zu beiden Seiten der Naht umgefaltet und versäubert sind, konnte ich einfach die Naht auftrennen, ohne hinterher versäubern zu müssen.
Knapp unter dem Ärmel habe ich zwei geflochtene Schnüre aus Wollgarn befestigt, um den großen Schlitz etwas verschließen zu können.

The armholes are quite roomy as they are, but not big enough for nursing. So I unstiched a part of the seam between the front panel and the gore down to the waist. Since I had neatened thes seam by folding it to both sides, I could just undo the seam without having to neaten it again.
Under the arms I added some braided woolen thread to close the rather big slit.

Zum Stillen kann ich jetzt das Unterkleid nach links und die Cotte nach rechts verschieben (oder eben umgekehrt) und fertig 🙂
For nursing I can now move one layer to the right and the other to the left and voila: done 🙂

IMG_7456

Angezogen sieht man davon kaum etwas und das Kleid fällt und wirkt wie man es von Schlupfärmelkleidern kennt:
When closed you hardly see the openings and the dress looks just like any ordinary slip-sleeve dress.

IMG_7448

Die Premiere hatte diese Kombination dieses Wochenende beim Winteraustreiben im Museumsdorf Düppel, wo Babyboy und ich sehr idyllisch im Frühlingssonnenschein auf einer Bank gestillt haben 🙂
Funktioniert wunderbar!
This alterations had their debut this weekend at Düppel open-air museum where Babyboy and I nursed in the wonderful spring sun on a bench under a tree. 🙂
Works like a charm!

*Bilder so wie Bildbeschreibungen habe ich aus dem verlinkten Blogartikel kopiert

 

 

Aufatmen: Unterkleid erweitert

Standard

Viele werden das Phänomen kennen: nach dem langen Winter zieht man frohgemut ein sommerliches Kleidungsstück wieder an und…das ist hinterrücks beim im-Schrank-liegen eingelaufen! Anders ist schließlich nicht zu erklären, warum das plötzlich hier spannt und da zwickt, wo es doch vor einem halben Jahr noch hervorragend gepasst hat! *hust*

Maybe you are familiar with this phenomenon: winter is over and when you put on one of those summer-garments it suddenly has…shrinked! Just by laying in the closet! How else would xou explain the suddenly waayy too tight clothes that used to fit just fine before the winter? *cough*

Wenn das dann bei der mühsam handgenähten Mittelalter-Gewandung passiert, ist das natürlich doppelt ärgerlich.
Um der Wahrheit die Ehre zu geben: mein Unterkleid saß schon immer etwas…körpernah:

Things like that are extra irritating if it happens to those carefully handsewn medieval garments.
To be honest: my underdress has always been an bit of a tight fit:

2014: 20140506_001148-1

So langsam ging es dann aber gar nicht mehr. An den Hüften gerade noch zu verschmerzen, aber da ich nicht vorhatte, eine platte Schnürbrust à la Spanien um 1600 darzustellen, musste ich mir doch etwas Luft verschaffen. *uff*

A year later it really didn’t fit anymore. The hips where no longer the worst problem, but taking a deep breath became more and more challanging. So I had to to something.

Das schöne an den simplen HoMi-Schnitten ist: sie sind relativ leicht zu ändern.
Bisher begannen die Gehren etwa auf Taillenhöhe.
The nice thing about high-medieval patterns is that they are simple and thus easy to change.
So far the gores where inserted at waist-height.

20140505_234342

Was ich jetzt gemacht habe war das folgende:

  1. Gehren raustrennen
  2. Seitennaht bis zur Achsel auftrennen
  3. Gehren direkt unter dem Arm wieder einsetzen
  4. unten entstandene Lücke mit zugeschnittenen Leinenstücken füllen

What I did was:

  1. detach the gores
  2. open the seam all the way up to the armpit
  3. insert gores in armpit
  4. fill the gap with a cut-to-fit piece of linen

1. die Gehren raustrennen. Da die Nahtzugaben zu beiden Seiten umgenäht waren, reichte nach einem kurzen Schnitt ein beherzter Riss.
1. detach the gores. Because I had folded the seam allowence to eather side, I now only needed to courageously rip the seam.

20150712_185011

2. die Naht bis zum Ärmel auftrennen
2. open the seam all the way up to the armpit
3. die Gehren direkt unter dem Arm wieder einsetzen. Ich habe die Versäuberten Nähte intakt gelassen und nur Kante an Kante genäht
3. re-insert the gores right in the armpit. I left the hems as they where and youst sew edge to edge
20150712_19271820150712_231611

4. die Lücke mit einem neuen Leinenstück füllen. Da das Unterkleid keiner sieht, lässt sich so ein Flickwerk prima machen. Ich habe das Stück zugeschnitten, zuerst komplett gesäumt und dann so eingesetzt wie vorher schon die Gehren. So brauchte ich die Säume des alten Stücks nicht auftrennen.
4. Fill the gap. Because its underwear and no one will see, it’s not a big deal to just insert a patch. I cut the patch to size, hemmed the seams and then inserted as I did with the gores. So I didn’t have to unravel the old hems.
20150713_010420 20150713_010426

Fertig! Man sieht zwar recht deutlich die angesetzten Stücke, aber es passt wieder, und ich brauche weder die Luft anzuhalten noch einen Schulöffel zu suchen, um rein oder raus zu kommen 😉
Done! You can see clearly where the new patches have been inserted, but now I wont need a shoehorn to get in or out 😉

20150723_142758

Mittelaltergewandung die erste: das Unterkleid

Standard

Hier nun also der offizielle Blogeintrag zu meinem ersten Stück Mittelaltergewandung!
Angefangen wird bei der Unterwäsche: ein Unterkleid, auch Hemd oder Chemise genannt.

So here is the first blogpost officially dealing with some medieval garment!
We start with the undies: an underdress/undershirt/chemise

Stoff: Leinen, modern, weiß. Gekauft irgendwo im internet (weiß nicht mehr genau wo)
Fabric: linen, modern, white. Purchased somewhere online, can’t remember the store.

Nähgarn: weißes Leinengarn aus dem Klöppelbedarfs-Laden, den ich passenderweise im ältesten Viertel von Berlin entdeckt habe.
Thread: white linen thread I found in a crafting store in Berlins oldest quarter.

Schnitt: gerade Vorder- und Rückbahn, seitliche Gehren, jeweils in Bahnbreite aus zwei Dreiecken zusammengesetzt, Ausschnitt mit Schlitz (mit Beleg) Der Schnitt ist fast genau übernommen von einer Anleitung, die Mara vom Nikolassee freundlicherweise auf ihrer Seite zur Verfügung stellt. Die Ärmel sind so weit geschnitten, dass ich sie noch hochschieben kann.
Pattern: straight front and back panels, just a long rectangle, side gores each as wide as one  panel. Neck with a little slit.
I took the pattern from a tutorial, that reenactres and crafter Mara vom Nikolassee kindly provides on her site.

Techniken: komplett von Hand genäht (mit moderner Nähnadel und Stecknadeln); Heftstich und Überwendlingstich zum Versäubern
Method: entirely sewn by hand. (With modern sewing needle and pins). Running stich and overedge stitch.

Fotooooos! \o/

Nähgarn (mit Stecknadel zum Größenvergleich):
The thread with a blocking pin added for scale
20140506_212916

Zuschnitt. Als Schnittbögen habe ich dieses graue Papier benutzt, dass man in Deko-Läden als Verpackung für Zerbrechliches bekommt. Die Bögen sind schön groß und gleichzeitig schön dünn. Die Front- und Rückennbahn sind hier schon abgeschnitten, zu sehen sind Ärmel und Gehren.
Cuttung. As templates I use this grey paper, stores sometimes use to wrap glas and fragile stuff in. Its big and nicely thin. In this picture, the front and back panel have already been cut off; you see the sleeves and the gores.

20140110_185018

Die ersten Stiche! (Am Beleg vom Ausschnitt)
First stiches!

20140110_193634

Zuerst waren die Stiche noch ziemlich grob (hier die Schulternaht)…
Bit rough at first (this is the shoulder)…

20140112_184457

…aber an den Säumen habe ich sie dann doch ziemlich fein hinbekommen! (mit Stecknadel zum Größenvergleich)
But I did produce some really neat seams! (pin added for scale)

20140506_213721

uuuund fertig!
done!

20140505_234342

Und so sieht das ganze aus, wenn die Handmaid drin steckt 😉
This is it with the Maid inside 😉

20140506_001148-1

Bitte entschuldigt das grottige Foto. Mit dem auf dem Tisch stehenden Handy per Selbstauslöser so zu fotografieren, dass das ganze Kleid drauf ist, der Kopf aber nicht ist gar nicht so leicht…
Sorry for the hideous picture. It’s not easy to take a photo with your phone standing on the table, showing the whole dress but not your face…

Fazit:

Für ein Erstlingswerk bin ich sehr zufrieden! Das Nähen hat großen Spaß gemacht und geht doch flotter als man denkt. Nur das Versäubern der langen Nähte, insbesondere an den Gehren ist doch ziemlich zeitraubend. Alles in allem bin ich wahnsinnig Stolz auf dieses Stück Handwerk, auch wenn es sich nur um mittelalterliche Unterwäsche handelt 😉
Trotzdem gibt es ein paar Punkte, die ich beim nächsten Mal berücksichtigen werde:
Conclusion:
For a very first try I am definitely happy with ist. The sewing was fun and actually goes quicker than you might think. Only hemming the seams was pretty time consuming.
But after all I am very proud of this piece of handcraft, even if it is only medieval underwear 😉

though, there are some points I will consider next time:

– das Leinen ist wirklich sehr Persilweiß. Beim nächsten Mal werde ich entweder irgendwo altes Leinen auftreiben oder einen natürlicheren Farbton wählen.
– the linen is really very white. Maybe next time I will go for old fabric or choose a more natural shade

– es ist etwas kurz geraten (gerade so knöchellang) wobei ich da noch mal gucken muss, was die Quellenlage zur Länge von Unterkleidern tatsächlich sagt. ich wurde nämlich darauf hingewiesen, dass ein etwas kürzeres Unterkleid durchaus von Vorteil sein kann, weil das Material schnell Wasser zieht, was auf taunassen Wiese o.ä. schnell unangenehm werden kann.
it’s a wee bit short (just down to the ankles). Actually I will have to do some research about how long underdresses really were. I have been told that linen gets awfully wet when walking on damp grass for instant and that it may be a good idea to keep it that „short“.

– um die Hüften ist es etwas eng. Ich habe wohl generell die Nahtzugaben etwas kleinlich berechnet. (Auf dem Bild spannt es um die Brust, das liegt aber an dem modernen BH, den ich aus -äh- Jugendschutzgründen drunter ziehen musste, wäre sonst etwas transparent ) Es ist noch nicht unbequem, aber kräftig zulegen darf ich jetzt nicht mehr :-/
Nachtrag: Es ist mittlerweile etwas sehr eng geworden und ich habe es geändert. Den Bericht findet ihr hier.
– it’s a bit tight around the hips. I think I did not calculate enough seam allowance. (On the picture it seems to be quite tight around the chest, but that’s because I was wearing a modern bra for the picture. Would have been to tranparent otherwise. It’s still comfy but I better do not put on a lot of weight!
Added later: it really became to tight and I had to change it. The post can be found here.

– Ich weiß noch nicht, ob ich mit Ausschnitt und Ärmeln zufrieden bin. Je mehr Quellen ich finde und je mehr Gewandungen von Anderen mit ähnlichem Darstellungszeitraum ich mir angucke, um so mehr glaube ich, dass die Ärmel zu weit sind. Die Ärmel der Oberkleider die man da so sieht sind alle ziemlich eng, zum Teil sogar geknöpft. Das würde mit meinen recht weiten Ärmeln natürlich nicht zusammenpassen.
– I still don’t know if I  like the neckline and the sleeves. the more sources I find, the more I think that the sleeves are too loose.

– den größten Hammer habe ich erst ganz am Schluss bemerkt: ich Riesenhirsch habe den gesamten unteren Saum in die falsche Richtung, also nach außen gesäumt! Sehr sehr ärgerlich. aber ich habe beschlossen, das jetzt erst mal so zu lassen. Wenn ich das Unterkleid so behalte, wird es ja eh ‚darunter‘ getragen, da sieht das keiner, und sollte ich wegen der Ärmel o.ä. doch noch ein neues machen, dann werde ich bei jeder Naht aber dreimal kontrollieren, wo innen und außen ist!
– The worst thing I recognised right after I finished the whole thing: I hemmed the complete seam to the outside! /o\
But I will keep it this way. After all it’s underwear and no one will see 😉

 

So, erster Schritt fertig! Der Stoff für das Oberkleid ist auch schon bestellt und dann fehlen ja nur noch Kopfbedeckung, Gürtel, Schuhe, Fibel, Tasche,…Kinderspiel ^^

 

seid herzlich gegrüßt von der Handmaid