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Pinata-Steckbrief grünes Schlupfärmelkleid

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Was die Gewandungs-Pinata ist, erfahrt ihr hier

Grünes Schlupfärmelkleid

–> Blogpost
–> mehr Fotos (mit noch teilweise unpassenden Accessoirs)
–> Umarbeitung zum Stillkleid

Material:
Wollköper, chemisch gefärbt. („feine birkengrüne Wolle“ von Naturtuche)

Schnitt: bequemes weites Schlupfärmelkleid. Seitengehren ab Armloch. Knapp bodenlang
Quelle: Schlupfärmelkleider finden sich unter anderem in der Maciejowski-Bibel, im Goslaer Evangeliar, der Bible moralisée und auf Relieffiguren am Straßburger Münster
bekannte Schwächen:
– Der Stoff ist nicht pflanzengefärbt.
– Außerdem gibt es eine Ungenauigkeit bei der Trageweise: Wenn ich die Ärmel ausziehe, stecke ich sie hinten in den Gürtel, damit sie nicht im Weg sind.
Auf allen(!) Abbildungen, die ich kenne, werden die Ärmel aber im Nacken bzw. auf dem Rücken verknotet edit: oder hängen einfach lose über den Rücken. Bei mir hält das nicht, außerdem finde ich es unpraktisch, auf meinem Rücken einen Knoten zu nesteln, wenn ich die Ärmel mit einem Griff hinter den Gürtel stecken könnte. Vielleicht ist der Schnitt doch ein anderer?
– die Öffnung zum Stillen samt den Bändern ist eine Interpretation von mir und so nicht belegbar.

Stillkleidung – nursing dress

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La Régime du Corps, Frankreich ca 1285

Wie ihr vielleicht bei Facebook schon mitbekommen habt, gibt es eine große Neuerung in meinem Leben:

Seit Januar bin ich Mutter eines wunderbaren kleinen Sohnes!
Das stellt nicht nur meinen Alltag und mein „ziviles“ Leben ordentlich auf den Kopf, sondern ich muss mir auch für das Hobby ein paar neue Lösungen einfallen lassen.
Neben Babykleidung und einer Idee zum Tragen (dazu später mehr) war eine der größeren Herausforderungen, meine Gewandung so zu ändern, dass ich den Babyboy stillen kann.

You maybe already heard the good news on facebook or elsewhere: in January I gave birth to a wonderful little boy! That does not only change all of my „civil“ life but I also had to come up with some solutions for the Living History hobby as well. I needed babyclothes and a solution for babywearing and I had to alter my garb so I could breastfeed Babyboy.

Bei der Recherche war ich überrascht, dass es tatsächlich einige Abbildungen von stillenden Frauen gibt. Besonders häufig als Motiv ist die „Maria lactans“, also die Jungfrau Maria, die den kleinen (und manchmal gar nicht mehr sooo kleinen) Jesus stillt.
Außerdem habe ich die eingangs stehende Abbildung gefunden, die wohl zeigt, wie eine adlige Dame die Brust einer Amme prüft.
Viele dieser Abbildungen sehen aus, als hätte die Cotte auf Höhe der Brust senkrechte Schlitze. Ich halte es da aber mit Gabriele Klostermann, die in ihrem Blogartikel zur Stillkleidung schreibt

„Hier ist meine Überlegung, dass es wenig Sinn macht, mitten in eine Stoffbahn zu schneiden.“
http://www.tempora-nostra.de/mode_gewandformen_2_sonstiges.shtml

During research I was surprised to find quite a number of pictures from the middle ages that showed breastfeeding women. A very common motiv is the „Maria Lactans“, the virgin Mary nursing infant Jesus. I also came across the picture on the top of this page showing a noblewoman examining the breast of a potential wetnurse.
A lot of these illuminations seem to show vertical cuts in the dress but I agree with Gabriele Klostermann who writes in an article on nursing clothes:
„To my opinion it makes little sense to cut right into a piece of fabric“
(translation by me)

Recht hat sie und weist direkt danach auf eine Möglichkeit hin, die ich für mich auch schon ins Auge gefasst hatte: das Unterkleid tief zu schlitzen und die ohnehin vorhandenen Ausschnitte der Schlupfärmel zu nutzen.
Tatsächlich gibt es für beides bildliche Belege, die Gabriele auch schon gesammelt hat*:

She has a very good point there and offers a much more practical solution: Open the front of the underdress and use the armholes of a dress with slip-out sleeves.
You can find proof for both alterations. Gabriele collected the following pictures (I copied both pictures and describition from her page)

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geschlitztes Unterkleid, Psalter, Österreich, cod. 1889; fol. 179v; 1295-1300

 

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Notre-Dame, Paris Südquerschiffportal Mitte 13.Jhd

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Elisabeth spendet Almosen, Marburg, um 1250

Den Halsschlitz von meinem Unterkleid hatte ich sowieso schon einmal weiter aufgeschnitten, weil ich im Winter hochschwanger bei einer Veranstaltung war und mit meinen neuen Dimensionen nicht mehr hineingepasst hatte 😉

Diesen Schlitz bis etwa Bauchnabelhöhe habe ich also einfach versäubert.
Einen Verschluss habe ich nicht angebracht, das wäre mir zu viel Gefummel und das relativ feste Leinen bleibt auch so ganz gut am Platz

I had to open my underdress anyway because I was attanding an event last winter while being 9 month pregnant and couldn’t fit into it 😉

So I just neatened this slit. I did not add any fastener,  because I didn’t want to fiddle araund with to many buttons, strings or the like

Halsausschnitt am Unterkleid vorher und nachher.
Underdress neck-opening before and after

 

Die Ärmellöcher an den Schlupfärmeln sind zwar schon recht groß, aber zum Stillen reicht es noch nicht ganz. Darum habe ich die Naht zwischen Vorderteil und Gehre bis zur Taille aufgetrennt. Da die Nahtzugaben zu beiden Seiten der Naht umgefaltet und versäubert sind, konnte ich einfach die Naht auftrennen, ohne hinterher versäubern zu müssen.
Knapp unter dem Ärmel habe ich zwei geflochtene Schnüre aus Wollgarn befestigt, um den großen Schlitz etwas verschließen zu können.

The armholes are quite roomy as they are, but not big enough for nursing. So I unstiched a part of the seam between the front panel and the gore down to the waist. Since I had neatened thes seam by folding it to both sides, I could just undo the seam without having to neaten it again.
Under the arms I added some braided woolen thread to close the rather big slit.

Zum Stillen kann ich jetzt das Unterkleid nach links und die Cotte nach rechts verschieben (oder eben umgekehrt) und fertig 🙂
For nursing I can now move one layer to the right and the other to the left and voila: done 🙂

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Angezogen sieht man davon kaum etwas und das Kleid fällt und wirkt wie man es von Schlupfärmelkleidern kennt:
When closed you hardly see the openings and the dress looks just like any ordinary slip-sleeve dress.

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Die Premiere hatte diese Kombination dieses Wochenende beim Winteraustreiben im Museumsdorf Düppel, wo Babyboy und ich sehr idyllisch im Frühlingssonnenschein auf einer Bank gestillt haben 🙂
Funktioniert wunderbar!
This alterations had their debut this weekend at Düppel open-air museum where Babyboy and I nursed in the wonderful spring sun on a bench under a tree. 🙂
Works like a charm!

*Bilder so wie Bildbeschreibungen habe ich aus dem verlinkten Blogartikel kopiert

 

 

Und was trägt die Handmaid obendrauf so drunter? What’s under the veil?

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…nämlich oben auf dem Kopf unter Schleier und Haube?

In einem Kommentar hat Patricia gefragt, was ich denn unter meinen mittelalterlichen Kopfbedeckungen mit meinen Haaren mache.

Mit dem großen A wird es da natürlich wieder schwierig, denn wenn die Kopfbedeckung ihren Zweck erfüllt, bedeckt sie eben den Kopf und man kann bei den Damen auf der Abbildung/der Statue/… nicht erkennen, was sie „drunter“ trägt.
Später ändert sich das zumindest bedingt, als die Schläfenzöpfe in Mode kommen, die unter dem Schleier vorlugen und links und rechts das Gesicht einrahmen.

Aber fürs 13te bleibt wieder mal nur: gut raten, ausprobieren und weiterforschen 😉
I have been asked what I do with my (rather long) hari underneath my medieval headwear.

It is difficult to say what women of the 13thcentury actually wore theyr hair like. Since it is the purpose of a bonnet, veil or headscarf, to cover the hair, you wont see the hairdo under it on a picture/illumination/statuette…
In later centuries when fashion allows braids to frame the face on either side it is easier to reconstruct the haristyles, but for 13th century th motto remains: make an aducated guess, try around and keep on researching 😉

 1. Variante: Haarnetz
Ziemlich einfach ist es beim Haarnetz: da bleiben die Haare einfach offen. Die Herausforderung ist hier, bei kürzeren Haaren genug Volumen hinzukriegen und bei längerem Haar, die ganze Pracht da rein gestopft zu bekommen.
Damit das Gewicht der Haare das Netz nicht sofort herunter zieht, setze ich es beim Anlegen sehr weit vorne an, beuge den Kopf vor und stopfe die lose zusammengerollten Haare drunter.

Style 1: Hairnet
This is an easy one. No hairdo what so ever, just putting it in the net.
The challange here is to create enough volume, if your hair is short and to tuck all of it into the net if it is long and/or thick.
To prevent my hair’s weight from pulling the net into the nape of my neck, I start with the rim close to the eyebrows, bend my head foreward and tuck all the hair into the net.

Die Zwischenschritte sehen dann gerne mal etwas dämlich aus:
You might end up looking a bit silly mid-process 😉
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Dann binde ich es fest zu und schüttle vorsichtig den Kopf, damit sich die Haare im Netz verteilen. Diese Frisur muss definitiv ein bisschen „reifen“. In den ersten 5-10 Minuten hängt die Haarwulst eventuell noch etwas schief drin, aber das verteilt sich beim Tragen und sieht dann eher so aus:
I then tie the net and gently shake my head to make the hair fall in place. This style needs a moment to settle. In the first few minutes it might be a bit crooked, but usually it will even out after 5-10 minutes und look somewhat like this:
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2. Variante: gebundene Zopfkrone
Das ist die Frisur, die ich eigentlich immer wähle, wenn ich kein Haarnetz trage.
Style number 2: tied-up braids
This is my go-to hairstyle whenever I don’t wear a hairnet.

Vorteile:
– hält prima, kann jederzeit „nachgespannt“ werden
– alle Haare sind aus dem Weg, nichts kann irgendwo rauszipfeln
– wer französisch flechten kann, kann damit ggf auch einen Pony mit aus dem Sichtfeld schaffen.
– kommt ohne moderne Haargummis, Nadeln oder Spangen aus
– bietet eine Basis, an der Schleier etc direkt festgesteckt werden können.
– kann als Nachtfrisur einfach nach hinten gestreift werden, sind dann halt zwei Nachtzöpfe. Am nächsten Tag lassen sie sich wieder aufbinden. Sieht ja keiner, dass sie jetzt etwas zerfranst sind 😉

Pro’s:
– very durable can be easily adjusted
– all hair out of the way. No loose ends
– if you know how to french-braid, this is a good style to hide bangs
– no modern elastics, pins or ties necessary
– builds a base to which veils etc. can be pinned directly
– for the night just slide them off your head to the back and you have two simple braids for the night. The next day just re-tie them. No one will see if the are a bit ruffled under the headdress 😉

Nachteile:
– nicht wirklich belegt. Dreisträhnige einfache Zöpfe waren bekannt, da gibt es viele Bildnachweise, aber diese Konstruktion ist von mir
– erst ab einer gewissen Haarlänge geeignet, dann aber mit längeren Bändern ziemlich an jede Länge anpassbar
– man sollte zumindest englisch, besser noch französisch flechten können 😉

con’s:
– not proven to be period. simple three-strand-braids existed, there is plent of pictures. Put this particular style is made up by me.
– you need a certain minimum in hair-lenghth but then it is easy to adjust to any lenghth only by using longer or shorter ribbons.
– skills needed: braiding with 3 strands, even better if you know how to french braid.

Und so gehts!
(entschuldigt die teils unscharfen Bilder, ich übe noch mit dem Selbstauslöser und wollte nicht alles noch mal machen *seufz*)

Ihr braucht: Kamm/Bürste, zwei Wollbänder, Kordeln oder ähnliches. Länge müsst ihr ausrpobieren, das hängt von eurer Haarlänge ab.
Ich verwende schmale Streifen aus Wollstoff (die abgeschnittene Nahtzugabe von meinem roten Kleid), die sind etwa 1,20m lang.

How it is done!
(sorry for the somewhat blurry pictures. I am not yet friends with the new camera’s self-timer and didn’t want to do it all over again *sigh*)

You will need: comb/brush, two ribbons, cords or the like. The lenghth depends on the lenghth of your hair. You will have to try out what works for you. I use the trimmed seam-allowance from my red dress. It’s aproximately 120cm long.

  1. Haare in der Mitte scheiteln und kämmen oder bürsten
    Part hair in the middle, comb or brush to de-tangle.
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2. jede Seite zu einem Zopf flechten (ich flechte französisch, also fast vom Scheitel an.) Nicht ganz bis runter flechten.
Braid each side.  I do a french braid so I start close to the crown of my head.)
Do not braid all the way down.

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3. Das Band doppelt nehmen, um die mittlere Strähne legen und dann zu den Haaren einer der äußeren Strähnen dazunehmen.
Zuende flechten und zuknoten.
Fold the ribbon in half, put around the middle strand and add it to the hair on one of the outer strands.
braid to the end and tie a knot.

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4. Den zweiten Zopf genauso flechten. (Ignoriert die Schleifchen, ich hatte ganz vergessen, dass ich die Bandenden ja zum zuknoten brauche. Löchriges Schwangerschaftshirn 😉  Ihr macht also nur einen normalen Knoten!)
Do the same on the other side. (Please ignore the bows. I forgot that I will need the long ends to tie the braids in the end. Blame it on the pregnancy-/Baby-brain 😉 Just tie a simple knot.
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5. Jetzt gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Die hängen von eurer Haarlänge ab und davon, was bei euch besser sitzt.
Ich kreuze die Zöpfe zuerst im Nacken, dann auf der Stirn und binde sie dann im Nacken zu.
Ihr könnt sie aber auch erst vorne kreuzen und dann hinten binden oder hinten kreuzen und auf der Stirn binden,…was immer für euch funktioniert.
Bei mir sieht es so aus:
The next step depends on the length of your hair and what feels better for you.
I first cross the braids in the nape, thencross them again on the forehead an d tie them in the nape.
You can just as well bring them to the forehead first, cross them there and tie them in the neck or cross in the back and tie on the forehead…try out what works for you.
This is what I do:

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Tadaaa!

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Daran kann jetzt zum Beispiel ein Schleier direkt festgesteckt werden…
You could now pin a vail directly to the braids…

Oder eine Haube, ein Haarsack, Tuch oder sonst was drauf gebunden.
Or wear your bonnet, cap, scarf, you name it,… on top.
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Was tragt ihr im Mittelalter so „oben drunter“? Ich freue mich auf eure Kommentare! 😀
What do you wear „underneath“ on the top? Feel free to leave a comment!

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Porridges der Woche!

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Das hier kam in der vergangenen Woche in die Schüssel:
Last week’s breakfast bowls:

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Birne und Sanddornsaft.
Pear and sallow thorn juice.

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Hagebuttenmarmelade, Pekannüsse, Mandelstifte, Leinsamen
Rosehip jam, pecans, almonds, flax seeds

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Orange, Ahornsirup, Zimt, Butter
Orange, maple syrup, cinnamon, butter

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Birne, Physalis, Quittenmarmelade, Sesam
Pear, physalis, quince jam, sesame

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Kaki, Physalis, Sesam
Persimmon, physalis, sesame

Die Handmaid goes multilingual!

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Blogposts by die Handmaid now available in English! …sort of
*yay*!

Dearest readers!

Browsing the web, looking for new ideas for my medieval reenactment or -let’s be honest here- for the sole purpose of drooling at other peoples awesome handcrafts, I sometimes found myself a bit clueless because the websites in question showed wonderful pictures of wonderful garments, equipments and whatchamacallits, but I failed to understand what exactly was shown or how it was made, because the site was in polish, swedish or any other beautiful yet for me foreign language.

At this point I started thinking about my own little space here and to my shame I had to admit, that all my articles were only in German.

But no more! *raises tiny little fist*

From now on, new acticles will be postet in both German and English (in italics, maybe some scrolling will be required)
My old articles will get their english bits one by one.

ADDED: FIND ALL ENGLISH POSTS HERE 🙂
(or klick the tag „english“) in the tag-cloud on your right!)

I am new to the field of reenectment and historical garments in English, so I might use some technical terms a bit inconsistent in the beginning.
Any hints on (subject-related) vocabular is highly appreciated!

Enjoy!

Porridge des Tages: Schoko-Lebkuchen Granatapfel

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Ein Porridge, gemacht für Adventssonntage:
In die Milch habe ich vor dem Erwärmen ein paar Messerspitzen Lebkuchengewürz gegeben (fertige Mischung aus Zimt, Orangenschalen, Koriander, Zitronenschalen, Anis, Fenchel, Muskatblüte, Muskatnuss, Nelken und Kardamom).
In den angerührten Brei dann ein bisschen geraspelte dunkle Schokolade
Toppings sind Granatapfelkerne, Mandelstifte und mehr Schokoraspel!
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This porridge is made for comfy sundays in advent:
Add some gingerbread-spices to the milk before heating (I used a ready-bought mix made from cinnamon, dried orange peels, coriander, dried lemon peels, anis, fennel, nutmeg blossom, nutmeg, clove und cardamom).
Stir some bits of dark chocolate in the porridge before adding the toppings.
Toppings are pomegranate, almonds and more chocolate bits

Das Grundrezept gibt es hier
Mehr Porridge-Ideen hier

My basic porridge receipt can be found here
For more ideas, click here